Aktuelles / Dienstag, 24.10.2017

Zugang zur Schöneberger
Freiheitsglocke versperrt

Zur Zeit kann man sie zwar hören, aber nicht besuchen: die Schöneberger Freiheitsglocke. Foto: pa/dpa

Wegen Brandschutzarbeiten im Rathaus Schönberg ist der Turm gesperrt. Fans der Freiheitsglocke müssen sich mindestens bis Frühjahr 2018 gedulden.

Von Katja Wallrafen

Das Rathaus Schöneberg lockt als geschichtsträchtiges Gebäude Touristen wie Einheimische: John F. Kennedy bekannte sich auf dem Rathausbalkon zum Berliner-Sein, Helmut Kohl und Willy Brandt sangen dort gemeinsam die Nationalhymne bei der Wiedervereinigung. Auch die Besteigung des Rathausturms lohnt sich, denn er bietet einen traumhaften Ausblick über die Dächer der Stadt. Zudem ist von dort ist die berühmte Stimme der Freiheit, die „Glocke der Freiheit und des Friedens“, zu sehen. Vor 67 Jahren, genau am 24. Oktober 1950, erklang die Glocke der Freiheit im Rathausturm Schöneberg zum ersten Mal. Bei den beliebten Turmführungen begeistert sie Touristen wie Einheimische gleichermaßen. Doch da das Rathaus Schöneberg brandschutztechnisch auf den neusten Stand gebracht wird, gab es in diesem Jahr keine Turmführungen.

Die Bauarbeiten zur Verbesserung des Brandschutzes im Rathaus Schönberg dauern länger als gedacht. Brand- und Denkmalschutz verlangen intensive Absprachen. Foto: Katja Wallrafen

Vielleicht im Frühjahr 2018

Frühestens im Frühsommer 2018 darf damit gerechnet werden, dass der 70 Meter hohe Turm des Rathauses wieder begehbar und somit erneut für Führungen geöffnet wird. Die brandschutztechnische Nachrüstung des Rathauses zieht sich deutlich länger hin als einst geplant. So treibt das Stichwort Brandschutz nicht nur den Verantwortlichen am Flughafen BER, sondern auch den Mitarbeitern der Facility Unit am John-F.-Kennedy-Platz treibt den Schweiß auf die Stirn. Das Rathaus als „Versammlungsort“ muss selbstverständlich sicher sein für die Menschen, die dort ein und aus gehen. Allerdings unterliegt das in den Jahren 1911-1914 aus Sandstein erbaute Gebäude mit seinen repräsentativen Sälen und Ausstellungsräumen strengsten Auflagen des Denkmalschutzes. Diese mit den Anforderungen des modernen Brandschutzes in Einklang zu bringen, verlangt ausgiebige Abstimmungsrunden. Dass zudem im laufenden Betrieb saniert wird, macht das Projekt nicht einfacher, die Mitarbeiter klagen über Schmutz und Lärm. Die ausführenden Baufirmen hingegen sind nicht glücklich, dass sie ihre Mitarbeiter oftmals nur nach 16 Uhr oder sonnabends einsetzen müssen.

Schilder im ersten Stock des Rathaus Schönberg teilen den Besuchern mit, dass gebaut wird. Kabel baumeln von der Decke herab. Foto: Katja Wallrafen

Vorbild war die „Liberty Bell“

Wenn die Freiheitsglocke auch momentan nicht zu besichtigen ist, bleibt doch ihr Klang erhalten. Die zehn Tonnen schwere Glocke läutet jeden Tag um 12 Uhr mittags für zwei Minuten, am 1. Mai, am Heiligen Abend und in der Silvesternacht. Wie die legendäre „Liberty Bell“ in Philadelphia, nach deren Vorlage sie entstand, wurde sie in London gegossen. Damals haben mehr als 16 Millionen Amerikaner den Guss der Glocke als Symbol der Freiheit und des Friedens ermöglicht. Sie spendeten nicht nur Geld, sondern leisteten bei ihrem „Kreuzzug für die Freiheit“ auch einen Freiheitsschwur. Die Unterschriftenlisten von damals werden noch heute in Hunderten von Original-Paketen, die US-Amerikaner per Flugzeug und Schiff schickten, in einer Kammer im Turm aufbewahrt. 500.000 Berliner versammelten sich am 24. Oktober vor dem Rathaus Schöneberg, als General Lucius D. Clay die Glocke am 24. Oktober 1950 in Anwesenheit des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, des Hohen Kommissars der USA in Deutschland, John J. McCloy, einläutete.