Aktuelles / Mittwoch, 05.11.2014

Wowereit nennt Hochhauspläne kurios

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) bei den Mittelstandsgesprächen. Neben ihm: BMW-Niederlassungsleiter Wolfgang Büchel (links) und der Leiter des BMW-Motorradwerks Marc Sielemann. Foto: BMW AG

Bei den Mittelstandsgesprächen der City West wundert sich der Regierende Bürgermeister über das „Hardenberg“.

Von Björn Hartmann

Für den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist dieser Abend ein Heimspiel. Entspannt sitzt er auf dem Podium in der BMW-Niederlassung am Kaiserdamm in Charlottenburg, weiße Sessel, im Hintergrund eine riesige Leuchtwand mit dem Schriftzug 10 Jahre Mittelstandsgespräche Charlottenburg-Wilmersdorf. Es geht um „Die Bedeutung des Mittelstands für den Aufschwung in Berlin“, aber natürlich geht es vor allem um den Bezirk, in dem er auch wohnt. Und zum Beispiel um die Bebauung des Hardenbergplatzes.

Die Hochhauspläne und vor allem. wie sie öffentlich wurden, nennt Wowereit kurios. Die Ideengeber hätten weder das Grundstück, noch einen Investor. Die Arbeitsgemeinschaft City hatte gemeinsam mit dem Architekten Christoph Langhof vorgeschlagen, im hinteren Teil des Hardenbergplatzes ein 200 Meter hohes Hochhaus zu bauen, mit teils begrünten Etagen. Das Grundstück gehört dem Land, das den Hardenbergplatz gern umgestalten möchte – nur möglicherweise nicht, wie die AG City sich das vorstellt. Der Clou des Plans: eine Tiefgarage mit vielen Parkplätzen, die dann den Kudamm-Besuchern zugute käme. Klaus-Jürgen Meier von der AG City sagte, er sei froh, wenn sie wenigstens eine Diskussion angestoßen hätten.

Wowereit übrigens wünscht sich grundsätzlich eine etwas mutigere Architektur. er könne das jetzt sagen, kokettierte er mit seinem Abschied vom Amt in einem Monat. „Wir bauen teilweise so stereotyp.“ Was mit der Besetzung der Jurys für die Architektenwettbewerbe zu tun habe.

Flächen an der Hertzallee für Industriegebiet nutzen

Sonja Jost, Chefin des frisch gegründeten Chemieunternehmens Dexlechem, waren die Hochhauspläne und Ideen für die freien Flächen an der Hertzallee tendenziell eher nicht so wichtig, es sei denn, dort  würde ein Industriegebiet entstehen. „da könnte man Chemieanlagen draufstellen.“ Wer jetzt an rauchende Schlote und giftige Chemikalien denkt, liegt falsch. Dexlechem arbeitet an einem Verfahren, mit dem erdölbasierte Chemie durch wasserbasierte abgelöst werden kann. Und Jost meint, nachhaltige Produktion lasse sich auch in der City West machen. Es gebe viele Chancen in der Industrie noch zu nutzen. Jost wünscht sich auch ein Naturwissenschaftliches Gründerzentrum an der TU, Labore, in denen Studenten ihre Ideen weiterentwickeln können, bis bewiesen ist, dass sie technisch machbar sind und auch ein Unternehmen tragen können. „Für uns haben zwei Professoren Laborfläche freigekämpft.“ Bei anderen sei das nicht so. Da gebe es viel Potenzial.

Noch einmal zurück zu den Parkplätzen – ein seit Jahrzenten wiederkehrendes Thema: Auch Nicole Urbschat vom gleichnamigen Fotogeschäft vermisst in Kudamm-Nähe Platz für Autos. Und Wowereit? Findet, dass man sich nicht auf ein Verkehrsmittel bei den Planungen festlegen sollte.

Wowereit: 300 Millionen Euro für ICC-Sanierung

Und natürlich tauchte als Thema auch das ICC auf und die Pläne, dort ein Kaufhaus einzurichten, wie einige Experten vorgeschlagen haben. So könnte ihrer Ansicht nach der Bau halbwegs kostendeckend betrieben werden. Derzeit ist das ICC ja stillgelegt und kostet Unterhalt. Wowereit hält die Kaufhauspläne nicht für zielführend. Andererseits: Das ICC sei nicht mehr zeitgemäß, praktisch ein Bau nur mit Nebenflächen aus einer anderen Zeit.. Die Experten hätten sich die Kosten für die Sanierung oder den Abriss teilweise schöngerechnet, je nach Gutachten. Er glaubt nicht, dass das ICC für weniger als 300 Millionen Euro sanieren lässt. Und er glaubt auch nicht, dass in nächster Zeit Politiker entscheiden werden, die 300 Millionen Euro in die Hand zu nehmen. Zudem seien keine Investoren zu sehen. Und er verriet, der Senat habe zeitweise überlegt, Investoren 200 Millionen Euro dazuzugeben. Es fand sich aber offenbar niemand.