Aktuelles / Dienstag, 27.09.2016

Ein Wimmelbild für
den Kaiserdamm

Schön bunt: Das neue Wandgemälde an der Fassade das Hauses Kaiserdamm 97 Ecke Riehlstraße: Foto: Michael Krebs/Charlottenburger Baugenossenschaft

Ein neues Wandgemälde am Giebel des Hauses Kaiserdamm 97 zeigt buntes Leben im Kiez. Und es verhindert neue Graffiti-Schmierereien.

Von Carolin Brühl

Man sich einfach die Zeit nehmen, stehen bleiben und sich das Bild mit seinem viele bunten Facetten aus dem Charlottenburger Kiezleben anschauen. Das neue Gemälde auf der rund 35 Quadratmeter großen Giebelwand an dem Wohn- und Bürogebäude Kaiserdamm 97 Ecke Riehlstraße sieht aus wie ein Wimmelbild aus einem Bilderbuch.

Auch der Hausdrache fehlt nicht

Es stellt eine große Bühne dar. Das Bühnenbild selbst besteht aus Gebäuden der „Charlotte“, so der Spitznamen der Charlottenburger Baugenossenschaft, aus verschiedenen Stadtteilen. Die Kinder sind die Akteure auf der Bühne, die sich ihre eigene „Charlotte“ bauen, Theater spielen, Musik machen. Das Kinder-Logo „Charlottchen“ thront oben auf dem Bild auf einer Mondsichel. Auch der Hausdrache fehlt nicht, der Zahnarzt, unten rechts im Bild, hat ihm allerdings einen Zahn gezogen. „Bewusst haben wir uns für ein Motiv entschieden, das zur Beobachtung einlädt“, erklärt Eveline Steuer, Sozialarbeiterin der „Charlotte“.

Markantes Gebäude an der Ecke Kaiserdamm und Riehlstraße. Foto: Charlotte/Tina Merkau

Markantes Gebäude an der Ecke Kaiserdamm und Riehlstraße. Foto: Charlotte/Tina Merkau

Verschönert hat die nackte Wand der Künstler Bernd Kliche, der die Gebäude der „Charlotte“ seit 2005 auf seine ganz typische Art und Weise bemalt. Zuerst die Garagen im Eiserfelder Ring, dann mehrere Fassadenflächen am Schwendyweg und am Michelstadter Weg und schließlich im Gemeinschaftsraum des „Charlotte“-Neubaus an der Cautiusstraße 17. Darüber hinaus hat der 68-Jährige mehrere Gärten der Baugenossenschaft mit Skulpturen versehen. Begonnen hat Kliche mit seinen Wandmalereien noch als Kunstlehrer der Martin-Buber-Oberschule in Spandau gemeinsam mit Schülern. Inzwischen macht er auch nach seiner Pensionierung weiter.

Respekt der Sprayer von den Werken anderer

Bislang mussten rund vierteljährlich Graffiti-Schmierereien von der Wand des Hauses hin zur Riehlstraße befreit werden, sagt Michael Krebs von der „Charlotte“. Die Sozialarbeiterinnen der Baugenossenschaft hatten daher die Idee, diese Wand mit einem weiteren Kunstwerk von Kliche zu verschönern. Die Erfahrungen mit seinen Malereien waren Krebs zufolge bislang außerordentlich positiv. „Die Sprayer respektieren die Kunst des anderen und lassen das Bild in Ruhe“, sagt Krebs.

Gespräche mit Nachbarn und Passanten

Rund drei Wochen benötigte Kliche für sein Werk. Wobei er sich auch oft Zeit für Gespräche mit Nachbarn und Passanten genommen hat. Tatkräftig unterstützt wurde er von Florian Kiske, dem neuen Auszubildenden der „Charlotte“.