Aktuelles / Freitag, 19.02.2016

Wilmersdorf will
seine Mitte zurück

Ein zerschnittener Kiez: Anwohner haben es sich zum Ziel gesetzt, die Kreuzung an der Blisse-, Uhland- und Mecklenburgischen Straße umzubauen. Grafik: Reich

Berliner nehmen die Gestaltung ihrer Kieze zunehmend selbst in die Hand. Auch in Alt-Wilmersdorf wollen Anwohner mittels einer Bürgerinitiative Veränderung.

Von Carolin Brühl

In Alt-Wilmersdorf gibt es die überdimensionierte Kreuzung Uhland-, Blisse- und Mecklenburgische Straße, die den Blisse-Kiez und den Wilmersdorfer Volkspark zerschneidet. Anwohner wollen den Kiez wieder zusammenrücken lassen, um Wilmersdorfs alter Mitte wieder die historische Bedeutung zurückzugeben, die sie verloren hat, nachdem in den 70er-Jahren die „autogerechte Stadt“ ihre Schneisen durch die Stadt gezogen hat. „Es ist an der Zeit durch vorsichtigen Um- oder Rückbau Stadtraum zurück- oder wiederzugewinnen“, sagt Matthias Reich.

So sah das Viertel einmal aus: Das rotmarkierte Haus gibt es heute noch. Grafik: Reich

So sah das Viertel einmal aus: Das rotmarkierte Haus gibt es heute noch. Grafik: Reich

So sieht die Kreuzung heute aus: breite Straße, viel tote Fläche. Das alte Haus ist auch hier rot markiert. Grafik: Reich

So sieht die Kreuzung heute aus: überdimensionierte Straßen, viel tote Fläche. Das alte Haus ist zur räumlichen Einordnung auch hier rot markiert. Grafik: Reich

Neue Pläne für den Blisse-Kiez

„Der Rückbau dieser Kreuzung birgt viele Chancen“, sagt Reich. Mit einigen Gleichgesinnten will er im März eine Bürgerinitiative gründen, die neue Pläne für den Kiez erarbeitet und heilen soll, was in Krieg und Nachkriegsplanungen verloren gegangen und zerstört worden ist. Zum einen könnte der Volkspark wieder zusammenwachsen, Flächen für Wohnraum geschaffen und die alten Stadtkanten wieder sichtbar gemacht werden, sagt Reich. Ein Umbau der Kreuzung kann Reich zufolge auch weitreichende Bedeutung für den sich südlich anschließenden Bereich um den Birger-Forell-Platz, aber auch für den Großraum Wilmelmsaue und Volkspark haben. Für den Stadtplaner finden sich überall in der City West derartige städtebauliche Herausforderungen. Ein weiteres Beispiel sei auch die Kreuzung Bundesallee, Hohenzollerndamm und Nachodstraße, deren überdimensionierte Flächen nur dann verständlich würden, wenn man wisse, dass hier eigentlich einmal Auffahrten zu Schnellstraßen entstehen sollten. Doch, so Reich, sei die Zeit dabei, über solche Planungen hinwegzuwachsen. „Ein neuer Mobilitätsmix aus ÖPNV, PKW, Fahrrad und Fußgängern führt zu einem neuen Nutzerverhalten, und er führt die Fragwürdigkeit vieler alter Planungen vor Auge“, sagt er.

Gründung einer Bürgerinitiative

Unter dem Titel „Wilmersdorf sucht seine Mitte“ findet am Sonnabend, 27. Februar, von 10.30 bis 12.30 Uhr die
Auftaktveranstaltung zur Gründung einer Bürgerinitiative „Wilmersdorfer Mitte“ in den EVA-Lichtspielen an der Blissestraße 18 statt. Interessenten werden in vier Kurzreferaten in die Situation eingeführt:

• Christina Kautz (Landschaftsarchitekten) stellt Entwicklung und Verlust der Grün- und Freiräume dar
• Matthias Reich (Anwohner und Stadtplaner) veranschaulicht die „Vision Blissekiez – ein Stadtteil erfindet sich neu“
• Prof. Dr. Schwedes vom Institut für integrierte Verkehrsplanung der TU Berlin erläutert neueste Entwicklungen in der Verkehrs- und Stadtplanung
• Wolfgang Severin von der Bürgerinitiative Bundesplatz steuert ein Grußwort bei unter dem Titel „Gemeinsam für mehr Stadtqualität an Bundesplatz und Bundesallee“.

Mehr Informationen über die Initiative gibt es per Mail von Matthias Reich unter info@matthiasreich.de.

 

 

Kommentare

  1. Zusammenrücken? Ja! Unbedingt! Schöner machen? Aber klar, jederzeit! Nur, oft gelingt es den deutschen Stadtplanern und Architekten nicht so recht. Mit so einem Projekt muß man sich Mühe geben und sich nicht unbedingt selbst verwirklichen wollen. Eine Umgestaltung muss reifen. Das Potential ist da, den Volkspark mit einbeziehen! Aber….. oft wird vergessen, genügend Parkmöglichkeit zu schaffen und dann gibt’s wieder Chaos. Also, gut planen und ran!

  2. Genau, Margarethe Neumann, der unökologische Parkraum-Suchverkehr muss endlich abgeschaft und ausreichend Parkraum so gestaltet werden, dass dabei Plätze entstehen, an denen man einkaufen, im Cafe sitzen, die Kinder spielen lassen und die man auch mit allen öffentlichen und privaten Verkehrsmitteln erreichen kann. Vor 50 Jahren wollte man die automobile Mobilität schaffen und hat dabei desolate und nicht nutzbare Brachflächen geschaffen. Nun dürfen wir nicht das Pendel in das andere Extrem schwingen lassen und alle Kinder mit dem Bade ausschütten. Autonome Mobilität statt automobile Mobilität beinhaltet alle Verkehrsmittel (auch Autos). Ich erwarte eine verdichtete urbane Planung eines Stadtteils, bei dem man sich zu Fuß, mit dem Fahrrad, den öffentlichen UND dem möglichst elektromobilen Auto bewegen kann, ohne dabei eingeschränkt zu werden. Das nenne ich autonome Mobilität.

  3. Pingback: Bürgerinitiative Wilmersdorfer Mitte sucht Zeitzeugen

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