Aktuelles / Sonntag, 22.10.2017

Wachgeküsst: Interkulturelles Café im Güntzelkiez

Zur Eröffnung des neuen Café Pangea kamen rund 50 Gäste, darunter viele Migranten. Foto: Anca Specht

Ein neues Café im Pangea-Haus soll interkultureller Treffpunkt werden. Der Weg dahin war lang, die Zukunft ist unklar.

Von Anca Specht 

Große zerkratzte Holztische sind mit kleinen Blumenvasen dekoriert und weißen Kerzen. Vor einem roten Sofa liegen einige Zeitschriften auf einem Beistelltisch, im Tresen daneben stehen mehrere Kuchen, auf den Tischen Gläser mit Sekt.

Vielfalt im Kiez durch Café

Der Integrationsbeauftragte des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf, Leon Friedel, begrüßt die etwa 50 Gäste. Zur Eröffnung des Café Pangea am Mittwoch sagt er: „Ich wünsche mir, dass hier Integration positiv gestaltet und Vielfalt in den Kiez gebracht wird.“

Das Café im gleichnamigen Haus in der Trautenaustraße 5 sei jetzt sehr heimelig und schön. Dort könne Integration leichter stattfinden als hinter geschlossenen Türen in Büros.

Entspannung und Austausch soll hier stattfinden. Foto: Anca Specht

Haus der Integration

Im Pangea-Haus sitzen über 20 Vereine und Organisationen, die sich mit Integration befassen. Zur Eröffnung kam auch die demnächst ausscheidende Bundestagsabgeordnete Azize Tank (Die Linke). Sie hatte 2009 als Migrantenbeauftragte des Bezirkes zusammen mit der Bezirksverordnetenversammlunge einen geeigneten Ort für ein interkulturelles Zentrum gesucht und die jetzigen Räume gefunden. Zuvor war hier eine Volkshochschule. Tank ist stolz auf den Zusammenhalt im Haus und darauf, dass der Bezirk ein solches Projekt hat. Das Café habe dabei eine besondere Bedeutung, denn es lade dazu ein, Menschen aus anderen Regionen und mit anderen Vorstellungen kennen zu lernen.

Wachgeküsst aus dem Dornröschenschlaf

Dass Leute, die bisher an dem Haus vorbei gelaufen sind, jetzt auch herein kommen, wünscht sich Adrian Garcia-Landa. Er ist im Vorstand des Pangea-Hauses. „Ohne das Café war das Haus in einem Dornröschenschlaf. Jetzt gibt es Prinzen und Prinzessinnen, die es zum Leben erküsst haben“, sagt er.

Träger des neuen Cafés ist das Bildungswerk Kreuzberg (BWK), das mit einer Zweigstelle auch im Haus vertreten ist. „Es gab 2009 hier mal ein Job-Café, wo wir Arbeitslose beraten und Jugendliche auf eine Ausbildung vorbereitet haben“, sagt der Geschäftsführer des BWK Nihat Sorgec. Aber das habe nach knapp drei Jahren wieder schließen müssen, weil es sich ohne Förderung nicht getragen hat. Das soll jetzt anders werden.

Café schon länger geplant

Die Idee, wieder ein Café zu eröffnen, gab es schon seit der Schließung des Job-Cafés. Bis dahin wurde der Raum für verschiedene Veranstaltungen und Schulungen genutzt. Gemietet war und ist er zwar vom BWK, doch das Gebäude gehört dem Bezirk. Seit sechs Monaten wurde deshalb zwischen dem Bezirksamt und den Mietern diskutiert, ob das Café wieder belebt werden kann und welche Umbaumaßnahmen langfristig nötig sind.

Die Eröffnung jetzt sei ein erster Schritt, damit sich das Pangea-Haus weiter in den Kiez öffne, sagt der Integrationsbeauftragte Friedel. Zunächst sei der Probebetrieb bis Ende des Jahres geplant, aber er hoffe, dass es danach nahtlos weiter gehen kann.

Auch die Umbaumaßnahmen sind noch nicht durchgeführt, die Mittel aber beim Senat beantragt. Eine Entscheidung erwarte er bis Ende des Jahres oder Anfang 2018, sagt Friedel.

Zur Eröffnung gab es Häppchen und Getränke. Foto: Anca Specht

Austausch bei Essen und Getränken

Der Geschäftsführer des Bildungswerks Kreuzberg, Nihat Sorgec, sagt: „Das Café wird auf wirtschaftlicher Basis, also ohne eine Förderung, betrieben. Wir müssen einen gewissen Umsatz machen, um die Angestellten und die Einkäufe bezahlen zu können.“ Aber er sei zuversichtlich, dass es diesmal klappe.

Bei kleinen Häppchen und Getränken kommen die Besucher ins Gespräch. Neben Kuchen gibt es auch belegte Brote, Salate, sowie wechselnde Tagesgerichte. Irina Fedotova kam vor rund vier Monaten aus Moskau nach Deutschland und möchte die Integrationschance nutzen: „Die Atmosphäre hier ist sehr schön. Man fühlt sich gleich willkommen und wie Zuhause.“

Von der Werkbank zum Café-Tisch

Dieses Gefühl ist auch Sorgec wichtig. Die Tische, die hier stehen, seien für ihn etwas besonders Wertvolles. Sie wurden genutzt, um Metallbauer und Werkzeugmechaniker auszubilden. Er erklärt: „Das sind alte Werkbänke von uns aus Kreuzberg, an denen Hunderte von jungen Menschen gebohrt und gehämmert haben. Das gibt dem Raum hier Seele.“