Aktuelles / Donnerstag, 27.07.2017

Unterwegs in Sachen Musik:
Familie Kohm und Co.

Die Eltern Sibylle Ott-Kohm und Matthias Kohm mit ihren Kindern Johannes und Sarah in der Musikschule am Bayerischen Platz. Foto: Katja Wallrafen

Ein Leben für die Musik. Sibylle Ott-Kohm und Matthias Ott haben Generationen von Kindern das Klavierspielen beigebracht. Auch ihren eigenen.

Von Katja Wallrafen

Wie vielen Berlinern haben sie wohl das Klavier spielen beigebracht? Ratloses Kopfschütteln sowohl bei Sibylle Ott-Kohm als auch bei ihrem Ehemann Matthias. Gezählt haben sie ihre Schülerinnen und Schüler im Laufe ihrer 34 Jahre als Honorarkräfte der Musikschule City West und als Privatlehrer nicht. Momentan ist der jüngste Schützling bei Sibylle vier Jahre alt und die älteste Schüler zählt 73 Lenze, bei ihrem Mann ist der jüngste Schüler sechs und die älteste Schülerin 83 Jahre alt. Und dass die Liebe zur Musik generationenunabhängig ist, zeigt der Blick auf die Familie Ott-Kohm, denn für die drei Kinder von Sibylle und Matthias ist die Musik ebenfalls ganz tief in ihrem leben verankert.

Klavierschülerin Johanna (12) bekommt einmal wöchentlich Unterricht von Sibylle Ott-Kohm. Die Schülerin mag die freundliche und ruhige Art ihrer Lehrerin. Foto: Katja Wallrafen

Musikpädagogin und Pianistin

Am Bayerischen Platz, in den ehemaligen Räumen der Volksbank Berlin, arbeiten die Eltern wie die beiden Söhne Martin (37) und Johannes (30) in ihrer privaten Musikschule. Vor drei Jahren mussten Ott-Kohms ihr altes Domizil in der Nähe des Viktoria-Luise-Platzes aufgeben, dort werden nun Eigentumswohnungen gebaut. Zum Glück fanden sie die Räume an der Grunewaldstraße 59, wo sie seit Oktober 2014 ihre musikpädagogische Arbeit fortsetzen. Das Ehepaar Ott-Kohm wurde an der Universität der Künste Berlin (UdK) ausgebildet, Sibylle Ott-Kohm nicht nur als Musikpädagogin, sondern auch als Pianistin. Die 57-Jährige gibt regelmäßig Konzerte – sowohl als Solistin, als auch mit anderen Musikern.  Zudem arbeitet sie als Korrepetitorin, das heißt, sie begleitet Sänger oder Instrumentalisten am Klavier, wenn diese ein neues Stück einstudieren oder wenn sie sich verbessern wollen. Seit 2006 sind beide regelmäßig als Jurorin bei dem Wettbewerb „Jugend musiziert“ im Einsatz, seit  April 2016 hat Sibylle Ott-Kohm einen Lehrauftrag an der Universität der Künste.

Jeden Tag in einem anderen Kiez

Trotz der Selbstständigkeit am Bayerischen Platz bleibt das Ehepaar der Musikschule City-West verbunden. Beide sind dort als Honorarkräfte tätig, schätzen den Austausch und die Inspiration im Kollegenkreis. Sibylle lehrt im Haus der Musikschule an der Platanenallee in Charlottenburg, Matthias ist an der Prinzregentenstraße in Wilmersdorf und in Schmargendorf im Einsatz. Er mag es, jeden Tag in einem anderen Kiez unterwegs zu sein. Er erinnert sich an seine Anfangsjahre bei der Musikschule Wilmersdorf, wie sie vor dem Zusammenschluss mit Charlottenburg zur Musikschule City West hieß. „Wir hatten noch nicht einmal ein eigenes Gebäude und konnten nur in den Außenstellen in unterschiedlichen Schulgebäuden arbeiten“, erzählt er. Matthias Kohm engagiert sich in der Lehrervertretung für die musikschulpolitische Arbeit in Berlin. „Jahrelang haben wir uns dafür eingesetzt, dass Honorarkräfte Tarifverträge erhalten“, erzählt er. „Nun sind wir zuversichtlich, denn der rot-rot-grüne Senat signalisiert Zustimmung.“

Sohn ebenfalls  Klavierlehrer

Diese Entwicklung freut die Eltern, denn auch ihr Sohn Johannes (30) dürfte davon profitieren. Auch er ist als Klavierlehrer für die Musikschule Tempelhof-Schöneberg tätig. Nach dem Abitur studierte er zuerst Politologie, folgte dann aber nach dem Bachelor seinem Wunsch, Klavier zu studieren. Inzwischen unterrichtet auch er an der Grunewaldstraße. Vor dem Einzug der Familie vor drei Jahren wurden die Räume komplett entkernt und mit Akustikwänden versehen. Nun kann in drei Räumen zeitgleich leise wie laut gearbeitet werden.

Sohn Martin (l.) mit seinen Eltern vor einem Auftritt mit dem Lietzeorchester im Foyer der UDK. Er spielt Cello. Nicht nur im Sinfonieorchester,  auch in der Band „Cloudheads“. Foto: Katja Wallrafen

 Rock, Jazz und sinfonische Klänge

Das war wichtig, denn der älteste Sohn Martin (37) gibt doch nachmittags Mathe- und Lateinnachhilfe. Er hat sich nach seinem Pädagogikstudium dazu entschlossen, Deutsch als Fremdsprache zu unterrichten. Das gibt ihm genügend Freiraum, seiner musikalischen Passion nachzugehen. Martin spielt Cello im Lietzeorchester, einem Laien-Sinfonieorchester. Zudem spielt er Cello und Keyboard bei den „Cloudheads“, einer seit Jahren existierenden, fünfköpfigen Band, die mit Eigenkompositionen und Coverversion fast jedes Wochenende ihr Publikum zum Tanzen bringen.

Studium der Opernregie

Die einzige der Familie Ott-Kohm, die nicht an der Grunewaldstraße mitarbeitet, ist Tochter Sarah (28). Selbstverständlich spielt auch sie Klavier, doch nach dem Abitur studierte sie ein kurzes Semester Philosophie, bevor sie sich in Richtung Journalismus orientierte. Aber nach dem Abschluss meldete sich das Familiengen. Auch sie schloss ein zweites Studium an, Opernregie in Hamburg. Zurzeit sammelt sie bereits Berufserfahrung. Nicht am Bayerischen, aber am Lehniner Platz – als Regieassistentin an der Schaubühne.

Privatkonzert für das Enkelkind

Anfang September kommt die Familie an der Grunewaldstraße zu einem ein ganz besonderen Privatkonzert zusammen. Mit Bizets „Der Ball“ und Bartoks „Für Kinder“ wird das erste Enkelkind  der Familie Ott-Kohm musikalisch begrüßt. Es ist kaum denkbar, dass Johannes Töchterchen Karla die musikalische Familientradition nicht fortsetzen wird.