Aktuelles / Montag, 15.05.2017

U-Bahnhof Bismarckstraße
bleibt bis 2019 Baustelle

Seit zwei Jahren eine Baustelle: Der U-Bahnhof Bismarckstraße wird komplett neu gestaltet. Viel ist noch nicht zu sehen. Foto: Reto Klar

Die BVG saniert bereits seit 2015 die U-Bahn-Station Bismarckstraße. Die Bauarbeiten sind aber offenbar aufwendiger als zuvor gedacht.

Von Thomas Fülling

Von der Decke hängen Kabel lose herunter, die alten Verkleidungen sind fast alle abmontiert, dahinter präsentieren sich die Wände im nackten Betongrau. Wer in der Station Bismarckstraße ein- oder aussteigt, erlebt Berlins U-Bahn wahrlich nicht von ihrer schönster Seite. Der wichtige Umsteigebahnhof in der City West – hier kreuzen sich die Linien U2 und U7 – ist eine Großbaustelle, und das nun schon seit gut zwei Jahren. „Was mich sehr ärgert: Die Arbeiten kommen einfach nicht voran“, beschwert sich Verena Zimmer, die in der Station beinahe täglich umsteigt.

BVG wirbt um Verständnis

Uwe Kutscher, Bauchef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), mit dem sich die Berliner Morgenpost zu einem Vor-Ort-Termin verabredet hat, kann den Unmut vieler Fahrgäste durchaus nachvollziehen. „Natürlich würden auch wir die Station viel lieber schneller sanieren, aber dann müssten wir sie für mindestens ein Jahr komplett dichtmachen. Das wollen und können wir unseren Fahrgästen an diesem wichtigen Bahnhof nicht zumuten“, wirbt er um Verständnis für das gewählte Verfahren.
Dabei werden die geplanten Bauarbeiten auf die nächtliche Betriebspause bei der U-Bahn konzentriert. Die dauert allerdings nur vier Stunden – und sie fällt zudem in den Nächten zu Sonnabend und zum Sonntag ganz aus. Da bleibt den Bauleuten, die ja auch noch in den wenigen Stunden ihre Gerüste auf- und abbauen müssen, nicht viel Zeit zum Arbeiten.

Fast 40 Jahre alte Station an Berlins längster U-Bahnlinie

Der im April 1978 eröffnete U-Bahnhof Bismarckstraße in Charlottenburg ist einer von vielen anderen, die von der BVG dringend saniert werden müssen. Errichtet wurde die Station unter der Kreuzung Bismarck- und Wilmersdorfer Straße in einer Boomzeit für Berlins Untergrundbahn. Denn nach dem Mauerbau 1961 hatte der Berliner Senat mithilfe von Bundesmitteln massiv Geld in den Ausbau der U-Bahn investiert. In Rekordtempo wurden damals neue Linien und die dazugehörigen Stationen gebaut – darunter eben auch die Linie U7, die mit 40 Stationen und einem Streckenverlauf von Rudow bis Spandau (insgesamt 31,8 Kilometer) bis heute Berlins längste U-Bahnlinie ist.

Materialen entsprechen nicht mehr aktuellen Vorschriften

„Damals wurden viele Baumaterialien verwendet, die vor allem aufgrund von brandschutztechnischen Vorschriften heute überhaupt nicht gehen“, sagt Kutscher. Dazu gehören etwa Verkleidungen mit Pressspanplatten, wie sie vom damaligen U-Bahnarchitekten Rainer G. Rümmler gern zur Innengestaltung verwendet wurden. Die Platten haben nicht nur den Nachtteil, dass sie bei möglichen Bränden wenig Widerstand leisten können, sie verstellen auch den Blick auf die Betonwände, deren Zustand von Experten aber regelmäßig kontrolliert werden muss.
Wie wichtig das ist, zeigte sich auch bei den Arbeiten am U-Bahnhof Bismarckstraße. Nachdem die Verkleidungen entfernt worden waren, wurde an der Decke eine Fuge sichtbar, durch die Wasser einsickerte. Feuchtigkeit ist jedoch der Feind jedes U-Bahntunnels, lässt sie doch den Armierungsstahl rosten, der den Betonwänden erst die erforderliche Festigkeit gibt.

Allein ein Jahr für die Betonsanierung

Fast ein Jahr lang hat am Bahnhof Bismarckstraße allein die Betonsanierung gedauert. Dabei wurden Hohlräume und auch die undichte Fuge im Deckengewölbe geschlossen. Vor allem die vorher nicht bekannten Zusatzarbeiten haben dem Projekt einen Zeitverzug von mehreren Monaten beschert. Laut Kutscher wird die Sanierung des U-Bahnhofes daher voraussichtlich erst Anfang 2019 beendet sein. Der Kostenrahmen in Höhe von 12,5 Millionen Euro soll dadurch aber nicht überschritten werden, so der BVG-Bauchef.

Die U-Bahnstation wird großformatige grüne Wandfliesen erhalten. Simulation: BVG

In der nun anstehenden Bauphase geht es um die neue Innengestaltung. Anders als in den 70er-Jahren soll diese für beide Bahnsteigebenen „aus einem Guss“ sein. Die Pläne dafür haben die Berliner Architekten Petra und Paul Kahlfeldt gezeichnet, sie sehen etwa eine Wandverkleidung mit großformatigen dunkelgrünen Fliesen vor. Auf der Bahnsteigebene der U2 wurde damit bereits begonnen. Auf der U7-Ebene müssen erst einmal die Hintergleiswände glatt verputzt werden, bevor die Fliesenleger anrücken können. Im U7-Tunnel verschwinden zudem die alten Deckenabhängungen. „Das sorgt nicht nur für mehr Licht und ein neues Raumgefühl, es erhöht auch die Sicherheit“, so Kutscher. Da bei einem Brand der Rauch nach oben steigt, bleibt den Fahrgästen auf dem Bahnsteig länger eine giftfreie Luftschicht erhalten. Vorgesehen ist zudem eine Neugestaltung der Fahrtreppe, die beide Bahnsteige verbindet.

Nostalgiker wünschen sich den Erhalt der alten Architektur

Die Neugestaltung, die die BVG auch für andere, nicht unter Denkmalschutz stehende U7-Bahnhöfe plant, ist nicht unumstritten. Einige Nostalgiker wünschen sich den Erhalt der Rümmler-Architektur, was Kutscher vor allem aus Brandschutzgründen für nicht möglich hält. Einige Stilelemente, wie etwa die Stationsschilder am U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz, sollen nach ihrer Restaurierung wieder angebracht werden.