Aktuelles / Dienstag, 19.01.2016

Kita-Streit an der Seesener
Straße geht weiter

Das Bauprojekt an der Seesener Straße: Vorauassichtlich in der zweiten Märzhälfte soll Richtfest gefeiert werden Foto: Gerlinde Schulte

Der Bau an der Seesener Straße wächst in die Höhe. Doch noch immer ist die Kitafrage nicht gelöst. Ein Gutachten zur Lärm- und Abgasbelastung wird erstellt.

Von Gerlinde Schulte

Das umstrittene Bauvorhaben in der Seesener Straße 40-47 kommt voran. Wegen des bisher weitgehend milden Winters steht der Rohbau für die 209 Mietwohnungen samt Tiefgarage mit 164 Stellplätzen kurz vor dem Abschluss. Voraussichtlich in der zweiten Märzhälfte soll Richtfest gefeiert werden in Halensee. Auch die Räumlichkeiten für die in dem Gebäudekomplex geplante Kita seien in dem Rohbau bereits fertig, sagte Tilman Pradt, Pressesprecher für den Projektentwickler Sanus AG, der Berliner Morgenpost. Ob und in welcher Form die Kita genehmigt wird, ist allerdings immer noch offen.

Wie berichtet, hatte der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf die Baugenehmigung daran gekoppelt, dass in dem Bau eine Kita für mindestens 26 Kinder errichtet wird. Ab 26 Kindern ist allerdings eine Außenspielfläche zwingend notwendig. Der massive Baukörper lässt auf dem Areal entlang der S-Bahn dazu allerdings wenig Platz. Wie das Problem gelöst werden kann, müssen der Architekt und der künftige Träger der Kita nun mit der Kita-Aufsicht der Senatsjugendverwaltung klären, die die Betriebsgenehmigung für die Kita erteilt. Daran, dass das zügig erfolgt, wird auch der Investor Interesse haben, denn solange die Kita nicht genehmigt ist, kann der Bau nach Fertigstellung nur zu 60 Prozent in Betrieb genommen werden.

Genehmigung liegt in der Hand der Kita-Aufsicht

Die Sanus AG hatte dem Bezirk trotz der offenen Fragen bereits angekündigt, eine Kita für 70 Kinder einzurichten und damit deutlich größer als vereinbart, was Stadtentwicklungsstadtrat Marc Schulte (SPD) für den Bezirk grundsätzlich sehr begrüßte. Mit der Umsetzung habe er allerdings nichts zu tun, betonte Schulte vergangene Woche am Rande einer Einwohnerversammlung in der Hochmeisterkirche. Die Genehmigung liege allein in der Hand der Kita-Aufsicht. An diesen Verhandlungen sei der Bezirk nicht mehr beteiligt. Dem Vernehmen nach plant der Investor nun, die Freifläche für die Kinder auf das Dach zu verlegen.

Am 5. Januar gab es eine erste Besprechung bei der Kita-Aufsicht. Über Details, wie die Kita angelegt sein könnte und wo die Kinder draußen spielen sollen, wurde dabei allerdings noch nicht gesprochen, sagte Ilja Koschembar, Sprecher der zuständigen Senatsjugendverwaltung, auf Anfrage. Bevor überhaupt über eine mögliche Kita-Außenfläche gesprochen werden kann, verlange die Kitaaufsicht je ein Gutachten zur Lärm- und zur Abgasbelastung an dieser Stelle. „Damit wird zunächst einmal die Frage geklärt, ob sich der Standort überhaupt für die Einrichtung einer Kita eignet“, so Koschembar weiter. Erst danach könne im Detail weitergeplant werden.

Sanus AG will Pläne erst vorstellen, wenn sie genehmigt sind

Die Sanus AG will sich zu der Kitafrage nicht äußern und die genauen Pläne erst dann vorstellen, wenn die Einrichtung genehmigt wurde. „Kein Kommentar“ heißt es auch beim künftigen Träger, der gemeinnützigen Gesellschaft „Kultur Mosaik Berlin . Der Träger betreibt in der Nordhauser Straße, nahe dem Mierendorffplatz, bereits eine internationale „Multi Lingua“-Kita mit 70 Plätzen. Für seine mehrsprachige Kita mit Krippe und Vorschule wirbt er mit familienfreundlichen Öffnungszeiten, Mehrsprachigkeit, Biokost und umweltfreundlicher Ausstattung.

 

Kommentare

  1. meine persönliche Meinung, die nicht mit unserer Bürgerinitiative abgesprochen ist:
    Das Schreiben mit der Nachricht über die 70 Plätze an Herrn Schulte, den sozialdemokratischen Baustadtrat, war ein Gefälligkeitsschreiben. Schulte steckte in der Bredouille, seit bekannt war, daß die Kita-Aufsicht die Kita nicht für genehmigungsfähig hält.
    Und einzig die Zahl der 70 Kittplätze statt vorher 26 hat ihn in dem Moment noch gerettet. Wenn die Kita-Aufsicht Außenspielflächen auf dem Dach genehmigt, geht sie die Gefahr ein, daß die Kinder im Brandfall nicht ordentlich evakuiert werden können. Kleine Kinder können nicht schnell aus der siebten oder achten Etage über die Treppe ein Haus verlassen. Fahrstühle darf man ja im Brandfall nicht benutzen.
    Und selbst Grundschüler kann man nur sehr schwer von oben evakuieren. Wenn die Kita-Aufsicht nicht von ihrer politischen Führung gezwungen wird, diese Kia zu genehmigen, wird es wohl am Schluß keine Kita geben. Die 70 Plätze werden dann auf Null reduziert. Und das Kita-Problem, daß es in Halensee wie auch in der ganzen Stadt gibt, wird durch die Baugenehmigungen weiter verschärft.
    Der Bauherr wird eine Ablöse zahlen müssen, aber die kann er sich bei einem durch den SPD Stadtrat erlaubten Planungsgewinn von ca 8 Millionen auch leisten. Denn dieses Gebäude hätte nie in dieser Form, in dieser Größe und mit diesem Volumen genehmigt werden dürfen. Nur Befreiungen, für die der Investor schlappe 77.000 € zahlte , ermöglichten diesen 200m langen Wohnriegel.
    Hakensee wird lange Zeit nicht vergessen, wer das möglich gemacht hat!

  2. ja, und Kinder sollen in der Höhe ja auch besser Luft bekommen, wenn die stinkenden Abgase der Stadtautobahn nach oben steigen. Hier können sie dann auch soviel Lärm machen wie sie wollen, denn wir haben ja eh schon eine Lärmbelastung, die gesundheitsschädlich ist. Das können Kinder doch aushalten, dann werden Sie für die Zukunft gleich abgehärtet! (dieser Kommentar ist nicht ernst gemeint, soll aber auf die Wertschätzung unserer Kleinsten hinweisen…sie haben keine Lobby)

  3. Das Dach auch noch zu benutzen ,erhöht die GFZ nochmals um ein paar Punkte hinterm oder sogar vor dem Komma. Mithin hat sich hier der Gewinn ,den der Investor kaum noch übersehen kann ,nochmals um ca eine zusätzliche Etage erhöht. Nun fehlt aber ein bißchen an den Grünflächen ,die oben nachgewiesen wurden ,aber die müßen weg ,wenn das Gewicht spielender Kinder zusätzlich anfällt.
    wie schaut nun die Umwehrung aus? Denn hier muß Kletterschutz in bester
    Ausführung hergestellt werden.Kann da noch davon gesprochen werden ,daß die Befreiung n.§31 Abs.2 ,man geht ja nur von dem Bestand und Traufhöhe gegenüberliegender Bauten aus,als Ausrede ,aufrecht erhalten bleibt ? Daß hier schon im Vorfeld gemogelt wurde, kann sich jeder Betrachter ,am fertigen Rohbau selbst überzeugen.Ein ästhetisches
    Kellerkind mit monströsen Dimensionen ,was hier steht.

  4. Warum kein Wort über die Bürgerinitiative Henriettenplatz? Die sich sehr dafür einsetzt, das nicht alles mit den Anwohnern gemacht werden kann. Denn was die Baulöwen da vor haben, geht auf Kosten der Bürger und Umwelt!

  5. achso ich verstehe, Kinder dürfen in Ihrem eigenen Lärm versiffen aber nicht durch fremden Lärm belastet werden, ja ?

    Was ist denn mit mir bitte ? Die Kita vor meiner Wohnung ist sehr gut mit Horrorkabinett zu vergleichen. Meiner Meinung nach hat die Politik echt nen Problem seitdem man Lärm klassifiziert und nur noch mancher Lärm wirklich Lärm ist.

    Kinder betreuen ist nen Gewerbe, so sieht es nunmal aus liebe Eltern die Ihr es selber nicht machen wollt. Gewewrbebetriebe gehören nicht neben ein Wohnhaus. punkt.

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