Aktuelles / Samstag, 15.10.2016

Streit um einen Schaukasten am Schoeler-Schlösschen

Der Schaukasten am Schoelerschlösschen fasst etwa neun DIN-A4-Seiten, wenn man sie richtig hinruckelt. Foto: Carolin Brühl

Ein banaler Schaukasten kann durchaus zum Politikum werden. Zumindest dann, wenn es darum geht, wer wie viele Inhalte einstellen darf und unter wessen Aufsicht.

Von Carolin Brühl

An Schaukasten an sich ist eine überaus friedfertige Sache. So könnte man meinen, wenn man sich den vor dem Schoeler-Schlösschen an der Wilhelmsaue so anschaut. Das Bezirksamt hat den Kasten vor einigen Monaten aufgestellt, um die Nachbarn und andere Interessenten über die Zukunft des Gebäudes und die Geschichte des alten Wilmersdorfer Ortskerns zu informieren. Zu sehen sind auch Fotos vom derzeitigen Zustand im Innern des Gebäudes, das einmal ein Nachbarschaftstreff und Kulturzentrum werden soll, für dessen Ausbau dem Bezirk aber das Geld fehlt.

Viele unterschiedliche Interessen

Immerhin den Garten hinter dem Haus hat Kulturstadträtin Dagmar König (CDU) jüngst mit ein paar Freiwilligen entwildert und ihre Parteifreund Stefan Evers hat versprochen, sich für die denkmalgerechte Herrichtung des Vorgartens einzusetzen.  Doch, wann in das Haus wieder Leben einzieht, was so viele mit überaus divergierenden Interessen wollen, wagt keiner zu prognostizieren.

Infomaterial soll ins Rathaus gebracht werden

Diese strittige Interessenlage manifestiert sich nun am Schaukasten. Der Schaukasten soll auf Wunsch der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) optisch geteilt werden, damit neben den bezirklichen Aushängen auch Informationen der ansässigen Bürgerinitiativen als auch der interessierten Nachbarschaft veröffentlicht werden können, so die Presseaussendung der Stadträtin. Im Kulturausschuss hat sie vorgezählt, dass bei ordentlichem Zusammenruckeln beim Aufhängen neun bis zwölf Blätter in den Kasten passen. Genug, damit sich alle Bürgerinitiativen und Interessengruppen des Kiezes darin präsentieren könnten. Einen Schlüssel für jede dieser Gruppen zum selbstständigen Einwechseln von Informationsmaterial soll es indes nicht geben. „Zur Koordination der Aushänge wird gebeten, die Informationsmaterialien für den Schaukasten im Büro der Bezirksstadträtin Dagmar König, Rathaus Charlottenburg, Raum 210 a, Otto-Suhr-Allee 100, 10585 Berlin, abzugeben“, schreibt die Stadträtin.

Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen protestiert

„Wir hätten uns da gern beteiligt“ sagt Sabine Pentrop, die Sprecherin der Bürgerinitiative Bundesplatz, doch die BI hat sich einen eigenen Kasten gekauft, den sie demnächst am Bundesplatz aufstellen will. Die BI Wilmersdorfer Mitte hat das bezirkliche Angebot bereits genutzt hat und Veranstaltungshinweise  einhängen laasen. Proteste gibt es aber von der Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen auf ihrer Webseite. Sie fühlt sich wegen des Kastens nicht nur „geringschätzt“ und beschwert sich , dass das Bezirksamt es nicht in Betracht zöge, dass die BI „ihr Konzept darstellen kann, das bisher  über 1200 Bürgerinnen und Bürgern realisiert haben wollen“. Dazu fordert die BI einen dreiseitigen, frei stehenden Kasten in der Größe von 135 mal 101 Zentimetern, wie ihn die Abteilung Stadtentwicklung von Baustadtrat Marc Schulte (SPD) auf dem Olivaer Platz für die dortige Bürgerinitiative aufstellen ließ.

Doch König winkt ab. Ihr Ressort habe nicht das Geld um so einen Kasten wie den auf dem Olivaer Platz zu kaufen und aufstellen zu lassen:“Den Kasten am Schoeler-Schlösschen konnten wir nur aufstellen, weil wir ihn noch im Bestand hatten.“

 

 

 

Kommentare

  1. Der Streit um die Gestaltung eines Schaukastens ist bezeichnend für ein kommunalpolitisches Desaster in Charlottenburg-Wilmersdorf. Seit Jahren wird mit Pseudoaktivitäten Interesse an einer Grundinstandsetzung des Schoeler-Schlösschens vorgetäuscht. 2015 wurde ein „Plan B für das Schoeler-Schlösschen“ mit einem Konzept zur Sanierung und Nutzung des Hauses zur „bisherigen Beschlusslage der BVV-Charlottenburg-Wilmersdorf“ von der Bezirksverordnetenversammlung – BVV – vom Bezirksamt bis Ende Oktober 2015 gefordert. Das Konzept liegt bis heute nicht vor. Die angeregten Einwohnerversammlungen fanden nicht statt. Dann hat die BVV am 21. April 2016 beschlossen, Nutzungsmöglichkeiten während der Sommerzeit 2016 und 2017 bis zum 30. Juni 2016 zu prüfen. Die Prüfungsergebnisse sollten in die geplanten Werkstattgespräche mit den Bürgerinnen und Bürgern einbezogen werden. Dieser Beschluss der BVV wurde nicht umgesetzt. Neue Hoffnung erweckte ein weiterer Beschluss der BVV vom 7. September 2016. Bis zum 31. Oktober hat das Bezirksamt danach einen Zeitplan für die Innensanierung und Nutzung des Gebäudes aufzustellen. Auch die von der SPD und der CDU während des Wahlkampfes bis zum 18. September aufgezeigten Finanzierungsquellen für Grundsanierung des Schoeler-Schlösschens lasen sich richtig gut. Die so aufgeblühte Hoffnung, dass endlich etwas geschieht, wird nun von dem vermeidbaren Streit um den amtlichen Schaukasten sehr beeinträchtigt. Immer noch nicht ist noch nicht einmal im Ansatz erkennbar, wie es weiter geht. Keine der im Bezirk agierenden Parteien hat aktuell öffentlich vermittelt, ob bei den Verhandlungen über eine politische Zählgemeinschaft zur Bildung des neuen Bezirksamtes das Schoeler-Schlösschens eine Rolle spielt. Sollte das denkmalwürdige Gebäude wieder in Vergessenheit geraten, ist das Vertrauen in die bezirklichen Selbstverwaltungsorgane schwer erschüttert.

  2. Helikoptergeld gesucht

    Selbst etwas in der causa schoelerschlösschen unterwegs,kann ich nur zur geduld raten.

    Dass fr.König nicht zu den werkstattgesprächen einlädt, hat einen banalen grund:mit leeren händen läßt sich nichts präsentieren.

    Bürokratische mühlen mahlen eben langsam und lottogelder oder sonstige finanzierungsquellen werden nicht von heut auf morgen sprudeln.
    Es dauert seine zeit-genauer jahre.
    Bis dahin haben regierungen gewechselt oder stehen wahlen an.

    Die bescheider haben dann ebenfalls gewechselt und glaube einer die konkurrenz um die staatliche knete wäre auf wenige bittsteller beschränkt

    • Ergänzung:

      warum nicht einen online schaukasten freischalten ?
      wer schaut heute noch bei dem schmuddelwetter im herbst in einen so ollen kasten
      völlig aus der zeit
      okay als ergänzung, aber so geht es nicht vorwärts im informationszeitalter
      geradezu vorsintflutig: transport eines flugblattes per brieftaube oder radlercourier ins BA

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