Aktuelles / Samstag, 30.09.2017

Streetart-Museum Urban Nation vernetzt sich im Kiez

Niklas Jedowski vom Urban Nation macht Fotos von den kleinen Streetart-Künstlern. Foto: Anja Meyer

Vor zwei Wochen hat das Streetart-Museum Urban Nation eröffnet. Jetzt knüpft es Kontakte in die Nachbarschaft. Am Wochenende engagierten sich die Künstler beim Grünen Boulevard der IG Potsdamer Straße.

Von Anja Meyer

Das Engagement in der direkten Nachbarschaft ist einer der Grundpfeiler des neuen Streetart-Museums in Schöneberg. Am 16. September hatte das Urban Nation unter der Leitung von Yasha Young nach monatelangen Umbauarbeiten eröffnet. Nicht nur als Showroom, in dem Streetart ausgestellt wird. Sondern auch als Ort, an dem Künstler sich austauschen und an dem Kinder, Jugendliche und Erwachsene selbst kreativ werden können und sollen. Dafür steht das Motto des Urban Nation: „Connect. Create. Care.“ Um weitere Kontakte in der Nachbarschaft zu knüpfen, präsentierte sich das Urban Nation am Wochenende mit einer Kreidewand auf dem Grünen Boulevard der Interessengemeinschaft (IG) Potsdamer Straße.

Vernetzung im Kiez

Vor allem Kinder und Jugendliche hatten während des „Grünen Boulevards“ viel Spaß daran, ihre kleinen Kunstwerke mit Kreide zu verwirklichen und danach ein Selfie zu schießen. Niklas Jedowski, Kommunikationsbeauftragter des Urban Nation freut das. „So lernen wir die Kinder aus dem Kiez kennen“, sagt er. „Gerade ihre Kreativität wollen wir fördern und ihnen zum Beispiel zeigen, wie sie mit der Spraydose Graffitis sprühen können.“ Außerdem gebe es in der Nachbarschaft schon ein konkretes Projekt mit einem Seniorenheim. Zwei Künstler aus dem Urban Nation werden dort ab Ende Oktober gemeinsam mit den Bewohnern das Foyer umgestalten. Damit das Foyer freundlicher und heller wird, werden die Künstler die Senioren mit Tape-Art auf Holzwänden portraitieren.

Jugendliche über Streetart erreichen

Damit solche sozialen Projekte verwirklicht werden können, wird das 4,5 Millionen Euro teure Streetart-Museum Urban Nation auch von der landeseigenen Wohnungsgesellschaft Gewobag unterstützt. Die von der Gewobag gegründete Stiftung Berliner Leben fördert Urban Nation mit 650.000 Euro. Um den Kindern und Jugendlichen aus den Problemkiezen im Schöneberger Norden Perspektiven aufzuzeigen. Die Hoffnung dabei: Sie mit Streetart erreichen zu können. Es scheint aufzugehen: Seit Urban Nation vor einigen Jahren in einem Projektraum gegenüber des heutigen Museums aktiv wurde, kamen auch viele Schulklassen und andere Jugendgruppen aus dem Kiez vorbei.

Regine Wosnitza von der IG Potsdamer Straße setzt sich für eine nachhaltige Umgebung ein. Foto: Anja Meyer

Soziale Projekte sind nur ein Teil der Nachhaltigkeit, die die IG Potsdamer Straße mit ihrem Grünen Boulevard fördern will. Ziel des Mitmach-Festes war es, zu zeigen, wie Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Mobilität im Alltag funktionieren kann. Dazu gab es unter anderem die Möglichkeit, Fahrräder kodieren zu lassen, sich über Balkonbegrünung zu informieren, Papiertüten zu gestalten und Kräutersalze zu mixen. Bei fair gehandelten Lebensmitteln und Kaffee konnten die Menschen aus dem Kiez miteinander in Kontakt treten und andere Akteure kennenlernen, die sich für ein nachhaltiges Miteinander einsetzen.

Bezirksübergreifendes Projekt

Die bezirksübergreifende IG Potsdamer Straße hat sich das Ziel gesetzt, die Potsdamer Straße grüner zu machen. Ein Projekt, das zumindest mittelfristig wenig realistisch erscheint: Die eng bebaute Hauptverkehrsader ist laut und verschmutzt. Sie weist eine der höchsten Feinstaubbelastungen in der Hauptstadt auf. Gerade deshalb setzen sich Anwohner und Gewerbetreibende aus der Interessengemeinschaft dafür ein, den Status quo im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu verbessern: Bislang haben sie unter anderem Blumensäcke an Fahrradständern aufgestellt, alte Baustoffsäcke und Baumscheiben bepflanzt. Die Initiative fordert Tempo 30 und engagiert sich in der Initiative Volksentscheid Fahrrad für einen breiteren und vom Autoverkehr abgetrennten Radweg.