Aktuelles / Dienstag, 07.11.2017

Streetart-Künstler gestalten
Seniorentreff neu

Bewohner und Besucher des Seniorenzentrums helfen beim Malen. Foto: Anja Meyer

Künstler des Streetart-Museums Urban Nation gestalten das Foyer der Seniorenwohnanlage im Bülowkiez um. Zuvor hatten sich die Bewohner da unsicher gefühlt.

Von Anja Meyer

So langsam bekommt das Foyer in der Seniorenwohnanlage und –freizeitstätte Huzur in der Bülowstraße 94 einen neuen Charakter: Seit einer Woche gestalten zwei junge Künstler des neuen Streetart-Museums Urban Nation den Eingangsbereich gemeinsam mit den Bewohnern und Besuchern neu. Es soll vor allem heller und freundlicher werden, so der Wunsch vieler Senioren. Auf ehemals dunklem Mauerwerk ziehen sich deshalb nun weiße und hell-türkise Kreise und Wellen auf einem knalligen Türkiston. In das dunkle Holz auf der gegenüberliegenden Seite sind als Kontrast Wellen in das Holz eingefräst.

Streetart kommt bei Senioren an

Klaus Reinke ist sehr zufrieden damit. Der 81 Jahre alte Schöneberger lebt seit zwei Jahren in der Seniorenwohnanlage. „Wenn ich die Wände so sehe, fühle ich mich als alter Mann gleich ein bisschen jünger“, sagt er. An einem Nachmittag hatte er selbst mit der Spraydose an der Wand herumexperimentiert und mit seinen Freunden aus der Anlage eine Wand mit ausgemalt. Auch Erika Weigel, die donnerstags gerne in den Seniorentreff kommt, ist überzeugt. „Es war hier einfach immer zu dunkel“, sagt sie. Die braunen Wände habe sie als hässlich und wenig einladend empfunden. „Jetzt werden wir sicher öfter direkt im Foyer sitzen.“

Bewohner Klaus Reinke (81) hat Spaß am Sprayen gefunden. Foto: Anja Meyer

Der Grund dafür, dass der Eingangsbereich im Seniorentreff als erstes Projekt der Urban Nation in der Nachbarschaft realisiert wird, war die Dringlichkeit. Wie die Bewohner erzählen, hätten sie zuvor Angst davor gehabt, nach Hause zu kommen. Im Foyer hätten Drogenabhängige mit Spritzen im Arm gelegen und Freier hätten sich mit Prostituierten von der Kurfürstenstraße vergnügt. Die Dunkelheit des Foyers hätte ihnen den unbeobachteten Raum dafür gegeben. Die Situation sei in den vergangenen Monaten immer unerträglicher geworden. Das soll mit dem neuen Design vorbei sein.

Drogen und Prostitution im Foyer

Entwickelt haben es die beiden Künstler Slava „Ostap“ Osinski und Felix Rodewaldt verantwortlich. Sie arbeiten das erste Mal zusammen. „Wir haben schon beide in The Haus ausgestellt und wollten gerne mal was zusammen machen“, sagt Slava „Ostap“ Osinski. Er ist für die Gestaltung der Backsteinwände verantwortlich, Felix Osinski für die Holzwände. Zum Schluss will der junge Tape-Art-Künstler aus München Portraits von vier Senioren aus der Anlage an die Fenster kleben. Die Portraits sollen die Aufmerksamkeit von Menschen auf der Straße erregen und sie durchs Fenster hineinschauen lassen. So dass sich keine unerwünschten Handlungen wie Prostitution und Drogenmissbrauch mehr in der Anlage abspielen. Am 10. November soll das Foyer komplett fertig gestaltet sein.

Die Künstler: Felix Rodewaldt und Slava „Ostap“ Osinski. Foto: Anja Meyer

Das Projekt wird mit einem Etat von rund 10.000 Euro von der Stiftung Berliner Leben der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag gefördert. Das Museum Urban Nation, das Mitte September eröffnete, unterstützt die Stiftung Berliner Leben mit 650.000 Euro. Um mit Schöneberger Norden mit Kunst gegen die Ghettoisierung zu kämpfen und gerade auch Jugendlichen Perspektiven aufzuzeigen. Deshalb ist Die Vernetzung des Streetart-Museums mit der Nachbarschaft ein Grundpfeiler des Urban Nation, das unter dem Motto „Connect. Create. Care“ (Verbinden. Erschaffen. Schützen) eine Plattform für Austausch, Begegnung, Forschung und Lernen rund um die urbane Kunst schaffen will. In den kommenden Monaten sollen Kunstworkshops und Workshops für Kinder angeboten werden.

 

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