Aktuelles / Donnerstag, 12.10.2017

Story of Berlin fürchtet um Zukunft im Kudamm-Karree

Seit ihrer Eröffnung 1999 zeigt die Dauerausstellung "The Story of Berlin" die Geschichte der Hauptstadt im Ku'Damm Karree. Foto: The Story of Berlin

Für die Bühnen am Kurfürstendamm zeichnet sich eine Lösung ab. Die Story of Berlin fürchtet hingegen um die Zukunft wenn das Kudamm-Karree umgebaut wird.

Von Philipp Siebert

Im ersten Abschnitt wird im Parkhaus an der Uhlandstraße gebaut. Beim Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf ist nun auch der Antrag für den zweiten eingegangen, der den Rest der Kudamm-Karrees umfasst. Dieser sei umfangreich, sagte Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) in der vergangenen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses der Bezirksverordnetenversammlung. Mit einer Entscheidung sei daher nicht mehr in diesem Jahr zu rechnen.

Derweil fürchtet die Story of Berlin um ihre Zukunft. Das private Museum zur Geschichte Berlins ist auf Flächen im Hochhaus und in Teilen im ehemaligen Atomschutzbunker unter dem Parkhaus an der Uhlandstraße untergebracht. Dort soll es nach dem Willen des Investors Cells Bauwelt nach dem 30. November 2017 seinen Betrieb zunächst einstellen. Denn ab Dezember soll mit den Bauarbeiten im Bunker begonnen werden, heißt es in einer Mail an die Museumsleitung. Gleichsam wird auf den 30. November auch das Ende der Mietzeit des Bunkers terminiert. „Davon wissen wir offiziell nichts“, sagt Story-Geschäftsführer Bernhard Schütte. Denn eine baubedingte Kündigung sei nicht ausgesprochen worden. Ferner sehe der Mietvertrag nicht vor, dass nur ein Teil der gemieteten Fläche gekündigt werden könne.

Sorgen sich um den Weiterbetrieb: Die Geschäftsführer der Story of Berlin Bernhard Schütte (li.) und Axel Bering. Foto: Philipp Siebert

Hinsichtlich der Erklärung dieser Mails hält sich der Investor auf Anfrage wage. Sie seien Teil der Absprachen, die mit der Story für die Zukunft getroffen werden sollen. Den Ergebnissen wolle man nicht voraus greifen. „Die Story of Berlin bleibt nach wie vor unser Wunschpartner“, bekräftigt ein Sprecher von Cells Bauwelt die erklärte Absicht des Geschäftsführers Norman Schaaf, die Ausstellung erhalten zu wollen. Den Wünschen der Museumsleitung versuche man dabei, so weit wie möglich entgegen zu kommen. „Wenn der Investor die Story haben will, muss sie aber weiterhin ähnliche Besuchermengen generieren“, hält dessen Geschäftsführer Schütte dagegen. Nur so könne sie wirtschaftlich funktionieren.

Ausstellung braucht mindestens 3800 Quadratmeter

Rund eine Viertelmillion Besucher kann die Story of Berlin pro Jahr verzeichnen. Da sie keinerlei staatliche Förderung für sich beansprucht, finanziert sie sich ausschließlich über die Eintrittsgelder. Zwar sei man dem Investor in einigen Punkten entgegengekommen, so Schütte. Es gebe aber Grenzen des Machbaren. So sei man zwar bereit, die Ausstellungsflächen komplett in den Bunker und das zweite Untergeschoss zu verlegen. Außerdem könne sie von derzeit 5200 Quadratmetern auch deutlich verkleinert werden. „Wir brauchen aber mindestens 3800“, definiert Schüttes Mitgeschäftsführer Axel Bering die Untergrenze.

Millionenprojekt: Die Front des Ku’Damm-Karrees soll zum Kurfürstendamm aufgebrochen werden. Die Story of Berlin will weiterhin prominent sichtbar bleiben. Simulation: Cells Bauwelt/ Kleihues + Kleihues

In diesem Fall müsse das Museum allerdings nicht um-, sondern komplett neu gebaut werden. Ein Gutachten im Auftrag der Geschäftsleitung veranschlagt dafür 5,8 Millionen Euro. „Wir können das nicht stemmen“, sagt Schütte und sieht klar den Investor in der Pflicht. Dieser müsse ferner eine finanzielle Entlastung während und nach der Umbauphase leisten, da nicht sofort nach der Wiedereröffnung mit dem gleichen Besucherandrang zu rechnen sei. Außerdem müsse die Miete gleich bleiben und die Ausstellung weiterhin vom Kurfürstendamm zugänglich sein. Die Einigung, die sich mit dem Theater und der Komödie am Kurfürstendamm abzeichnet, könne laut Schütte auch hier als Blaupause dienen.

BVV will Story of Berlin erhalten

Auch die Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf hat sich in einem Beschluss aus der vergangenen Wahlperiode dafür ausgesprochen, dass die Story of Berlin am jetzigen Standpunkt erhalten bleibt. „Das war eigentlich völlig gesetzt und mit ein Kriterium, warum wir das ganze Projekt befördert haben“, sagte die SPD-Verordnete Christiane Timper in der vergangenen Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses. Man gehe davon aus, dass das Bezirksamt in genau dieser Richtung verhandelt, ergänzte ihr Parteifreund Wolfgang Tillinger. Allerdings gab Baustadtrat Schruoffeneger zu Bedenken, dass das im Sinne des Baurechts kein genehmigungsrelevanter Punkt sei. Derweil berät die BVV über einen Antrag der Grünen, demnach die Verhandlungsergebnisse zwischen Bezirksamt und Investor nicht nur über einen städtebaulichen Vertrag, sondern auch über einen Bebauungsplan gesichert werden sollen.

 

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