Aktuelles / Sonntag, 22.10.2017

Sensibles Gedenken an
die Opfer am Breitscheidplatz

Auf dem Breitscheidplatz ist die Erinnerung an die Opfer des Attentats auf dem Weihnachtsmarkt ungebrochen. Noch haben die Arbeiten für das geplante Gedenkzeichen nicht begonnen. Die Namen der Opfer werden auf der Vorderseite der Stufen zu sehen sein. Foto: Katja Wallrafen

Ein „Riss“ überzeugte im Wettbewerb zur Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz. Nur noch diesen Montag sind die Entwürfe im Roten Rathaus zu sehen.

Von Katja Wallrafen

Wie unterschiedlich sieben Gestalter ihre Vorstellungen von einem sensiblen, würdevollen Umgang mit Trauer im öffentlichen Raum der City West präsentiert haben, ist noch bis Montag, 23. Oktober 2017 im Berliner Rathaus an der Jüdenstraße 1 zu sehen. Die eingereichten Arbeiten des Gestaltungswettbewerbs „Zur Erinnerung an die Opfer des Terroranschlags am 19. Dezember 2016, Breitscheidplatz“ sind von 11 bis 19 Uhr in Raum 219 im zweiten Obergeschoss ausgestellt. Zwölf Menschen starben und 55 wurden teils schwer verletzt, als der Attentäter Anis Amri einen tonnenschweren Lkw in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz lenkte.

Namen der Opfer verankert

Bereits im September hatte das Preisgericht unter Vorsitz der Gestalterin Dagmar von Wilcken einstimmig empfohlen, den Entwurf des Büros „merz/merz“ für den Ort des Gedenkens zu realisieren. Die Berliner Dependance in Schöneberg des international arbeitenden Büros, in dem sich Architekten, Mediengestalter und Künstler gemeinsam für Museen und Ausstellungen ans Werk machen, gewann den Wettbewerb. Sie überzeugte mit dem Vorschlag, den „Riss“ zu zeigen, den dieses Ereignis hinterlassen hat. Dieser unvermittelte Riss ist das Leitmotiv für die Gestaltung des Gedenkortes. Er „durchschneidet“ den Boden am Breitscheidplatz und dieser „Schnitt“ wird mit einer goldfarbenen Legierung aufgefüllt. Die Namen der Opfer und ihre Herkunftsländer werden auf der Vorderseite der Stufen vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche verankert.

Sieben Künstler, Designer und Architekten hatten ihre Vorstellungen eines Gedenkzeichens im Gestaltungswettbewerb eingereicht. Zu den Vorgaben gehörten der Wunsch nach Zurückhaltung so wie der Ort, nämlich die Stufen der Gedächtniskirche. Es sollte etwas mehr als eine Gedenktafel sein, aber keine große Kunstinstallation. Das Mahnmal soll sichtbar bleiben, auch wenn der Platz davor mit Marktständen oder Veranstaltungen belegt ist.

Arbeiten am Breitscheidplatz haben noch nicht begonnen

Geplant ist, dass das Gedenkzeichen heute in zwei Monaten, am 19. Dezember, dem ersten Jahrestag des Terrorakts, gemeinsam mit Hinterbliebenen der Opfer eingeweiht wird. Des Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirchengemeinde, Martin Germer, kündigte an, dass die Arbeiten in Kürze beginnen sollten. Lukas Veltruský von „merz/merz“ erklärte, dass sich die Musterteile zurzeit noch in der Werkstatt befinden. Er empfiehlt die Ausstellung der anderen Entwürfe als „absolut aufschlussreich“. So zeigt der zweitplatzierte Entwurf der Ulmer Gestalter Braun/Engels ein großes, filigranes Blatt aus Edelstahl auf den Stufen zur Kirche, auf dem ebenfalls die  Namen der Opfer hätten stehen sollen.