Aktuelles / Montag, 25.01.2016

Schmargendorfer Mieterprotest hofft auf Lösung

Ihre Siedlung soll modernisiert werden, die Mieter haben sich im "Schmargendorfer Mieterprotest" zusammengeschlossen Foto: Schmargendorfer Mieterprotest

Mieter des „Schmargendorfer Mieterprotestes“ setzen auf ein Treffen am Freitag. Der Hauseigentümer, die Vonovia, kommt auch. Es geht um Modernisierungen.

Von Brigitte Schmiemann

Seit der Ankündigung der Modernisierung im April und der damit verbundenen Mieterhöhung ist die Unruhe unter den Mietern in der Siedlung nahe dem S-Bahnhof Hohenzollerndamm gewachsen. Rund die Hälfte der Häuser der Wohnanlage an der Salzbrunner und Charlottenbrunner Straße sind inzwischen gedämmt worden, an der Orber Straße ist weiterhin nichts passiert. Der Bauabschnitt wurde zurückgestellt. Die Maßnahme stößt auf massiven Widerstand der Mieter, einige haben Einstweilige Verfügungen erwirkt, andere warten ab, ob sie von der Vonovia verklagt werden.

Eine Versammlung am kommenden Freitag, 29. Januar, im Martin-Luther-Krankenhaus (19 Uhr) bringt nun Vertreter der  Vonovia als Eigentümerin der 194 Wohnungen und die Mieter an einen Tisch. Die SPD-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung Charlottenburg-Wilmersdorf und die Mieter haben die Veranstaltung organisiert. „Wir hoffen, dass man uns entgegenkommt und dass die Umlage für die Modernisierung deutlich gesenkt wird. Die Heizkostenersparnis ist angesichts der dann erhöhten Miete viel zu gering“, kritisiert ein Mieter.

Die Mieter haben sich zum „Schmargendorfer Mieterprotest“ zusammengeschlossen, mehr als 130 Mietparteien beteiligen sich daran. Sie bezweifeln, dass die Modernisierungen sinnvoll sind. Statt der neuen Kunststofffenster möchten viele lieber ihre Holzkasten-Doppelfenster behalten und wenn nötig, aufarbeiten lassen.

Fassade soll gedämmt, Fenster erneuert werden

Nach Auskunft der Vermieterin Vonovia sind folgende Arbeiten vorgesehen: Die Fassade soll gedämmt werden, auch die oberste Geschossdecke der Bodenräume sowie die Kellerdecke, die Balkons sollen beschichtet, die Fenster ausgetauscht, neue Hauseingangstüren sowie Gegensprechanlagen eingebaut werden. Auch die Treppenhäuser sollen einen neuen Anstrich erhalten und die Müllplätze saniert werden.

Die Mieter rechnen angesichts dieser Arbeiten mit Erhöhungen, die in keinem Verhältnis zu den Einsparungen beispielsweise bei den Heizkosten stehen. So macht ein Mieter einer Zwei-Zimmer-Wohnung folgende Rechnung auf: Die 65 Euro Heizungskosten würden sich zwar auf 52 Euro reduzieren. Die Ersparnis betrage also 13 Euro. Aber die Mieterhöhung habe zuerst rund 215 Euro betragen sollen, jetzt käme man wohl immer noch auf 130 Euro, weil das Bad nur noch gemacht werde, wenn die Mieter das auch wollten. Außerdem sei der Anteil, was als Instandhaltung gelte, also nicht vom Mieter, sondern vom Vermieter zu tragen sei, gesenkt worden. Bei einer Miete von mehr als 500 Euro warm, sei aber auch diese Erhöhung für viele Mieter noch zu hoch.

Dem Vermieter gehören deutschlandweit 367.000 Wohnungen

Die Vonovia sehe die Bewirtschaftung ihrer Immobilienbestände grundsätzlich langfristig. Investitionen von 31 bis 32 Euro pro Quadratmeter würden diese Strategie unterstreichen. Dem Dax-notierten Unternehmen gehören deutschlandweit 367.000 Wohnungen. Das Volumen für Modernisierungen soll in diesem Jahr „deutlich um rund 38 Prozent auf 430 Millionen Euro bis 500 Millionen Euro wachsen“. Dabei werde neben der energetischen Gebäudesanierung und dem Senioren freundlichen Umbau der Wohnungen zunehmend auch der Neubau in Form von Dachgeschossaufstockungen und Nachverdichtung eine Rolle spielen, teilte das Unternehmen (Sitz Düsseldorf) weiter mit.

Laut Vonovia hat es mit dem Mieterprotest Schmargendorf „schon mehrere Treffen zur Klärung aller Sachverhalte gegeben. Auf der Podiumsdiskussion werde, so die Sprecherin des Hauseigentümers Vonovia, „allen Mieterinnen und Mietern noch einmal die Möglichkeit gegeben, verbleibende Fragen an uns zu adressieren und Themen mit uns zu diskutieren“.

 

 

Kommentare

  1. Auch in der Meraner Ecke Badensche Str. geht der Protest der Mieter weiter. Zu der Scheinmodernisierung der maroden Häuser (hier setzt der Vermieter einen lächerlichen Instandsetzungsanteil von weniger als 2% an), kommt noch die Verdichtung durch den Neubau (Mieteigentum ab 4000,- pro qm) hinzu. Hier steht die ungeprüfte Baugenehmigung auf wackligen Füßen, die dem Bebauungsplan von 1956 widerspricht. Die Mietergemeinschaft hat jetzt die Bezirksaufsicht beim Innensenator eingeschaltet.

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