Aktuelles / Freitag, 04.03.2016

Richtfest an der
Seesener Straße

Polier Matthias Kaufmann bereitet den Richtkranz vor. Foto: Gerlinde Schulte

Das umstrittene Bauprojekt an der Seesener Straße in Halensee feierte am Freitag Richtfest. Die Kitafrage ist aber noch immer nicht geklärt.


Von Gerlinde Schulte

Die drei großen Kräne sind weg, der Richtkranz hängt. Der Rohbau des Bauprojekts an der Seesener Straße 40-47 ist so gut wie fertiggestellt. Am Freitag wurde dort Richtfest gefeiert und langsam zeichnet sich ab, wie der im Kiez sehr umstrittene Häuserblock entlang der S-Bahn einmal aussehen wird. Mit dem Etikett „Neu-Prora“, das Anwohner dem bisher sehr massiv wirkenden Betonblock in Anspielung auf die Naziarchitektur auf Rügen verpasst hatten, werde das wenig zu tun haben, sagt Projektmanager Orla Paulsen.

So soll das Sanus-Projekt an der Seesener Straße 40-47 aussehen. Die im Detail variierenden Fassaden der zehn Häuser sollen in sechs verschiedenen Naturtönen gehalten werden Foto: Sanus AG

So soll das Sanus-Projekt an der Seesener Straße 40-47 aussehen. Die im Detail variierenden Fassaden der zehn Häuser sollen in sechs verschiedenen Naturtönen gehalten werden Foto: Sanus AG

„Die Fassaden unterscheiden sich am Ende farblich und in der Beschaffenheit des Putzes. Auch die Fenster- und Balkongestaltung variiert von Haus zu Haus.“ In der Höhe gebe es zudem leichte Versprünge. „Am Ende werden sie so aussehen, wie zehn verschiedene Häuser und gut zur gegenüberliegenden Altbaustruktur passen“, versichert Paulsen. Auch dadurch, dass die Neubauten berlintypische grüne Vorgärten erhalten und nicht direkt am Bürgersteig stehen, entstehe in der Seesener Straße keinesfalls der Eindruck einer Häuserschlucht.

Insgesamt 209 Mietwohnungen

Wie berichtet baut die Sanus AG in einem 204 Meter langen Block zehn siebengeschossige Häuser mit insgesamt 209 Mietwohnungen, einer Tiefgarage mit 170 Stellplätzen für Autos und 500 Fahrradstellplätzen. Die Einfahrt der Tiefgarage liegt auf der Höhe Johann-Sigismund-Straße, die Ausfahrt an der Hausnummer 47 soll den Anwohnerverkehr  in Richtung Joachim-Friedrich-Straße lenken.  In die 46 bis 109 Quadratmeter großen Zwei- bis Vier-Zimmer-Wohnungen sollen schon im Herbst die ersten Mieter einziehen, knapp zwei Jahre nach der Grundsteinlegung im Herbst 2014.

Verkauft an die Niedersächsische Apothekervereinigung

„Wir haben zügig gebaut und liegen sehr gut im Plan“, sagt Jan Holstein, Geschäftsführer der Sanus Immobilien GmbH. Er führt zur Feier des Tages durch den Rohbau, in den Sanus 40 Millionen Euro investiert und den sie bereits an die Niedersächsische Apothekervereinigung verkauft hat. Am 15. Oktober sollen die zehn Häuser dem Eigentümer fertig übergeben werden. Die Vermietung durch einen Berliner Makler soll in Kürze beginnen. Als Mieter anvisiert sind vor allem junge Familien, weshalb der Großteil  der Wohnungen drei Zimmer auf  70 bis 75 Quadratmetern Wohnfläche hat, sagt Orla Paulsen. Er rechnet mit Mieten ab zehn Euro netto kalt. Um die Lärmbelastung gering zu halten und dennoch vom Sonnenlicht aus Südwesten zu profitieren, sind die Loggien an der Rückseite der Häuser verglast.

Freifläche für Kita noch nicht genehmigt

Ganz in trockenen Tüchern ist der Bau jedoch noch nicht. Die Kitafrage ist noch nicht geklärt. Wie berichtet, war die Baugenehmigung an die Einrichtung einer Kita  in dem Gebäudekomplex  geknüpft. Sanus plant eine Kita mit 70 Plätzen. Offen ist, ob die Kitaaufsicht die dafür vorgeschriebene Freifläche wegen der Umweltbelastung direkt an der S-Bahn überhaupt genehmigt. „Wir wollen die steile Böschung hinter den Häusern auffüllen und lassen dort durch einen Landschaftsarchitekten eine etwa 30 Meter breite Gartenlandschaft gestalten“, sagt Holstein. Die könne auch von den Kindern genutzt werden.  Als Lärmschutz sei  eine künstlerisch bedruckte Glaswand geplant. Bezüglich des Genehmigungsverfahrens  „sind wir noch in der Bringeschuld“, räumt Holstein ein. In 14 Tagen sollen die Ergebnisse der Schadstoffmessung vorliegen. Auch wer die Kita am Ende betreiben darf, sei noch offen. Im Gespräch ist unter anderem „Kultur Mosaik Berlin“, ein Kita-Träger mit einem mehrsprachigen Konzept. „Die Bewerbungen laufen noch. Wir wollen der Kitaaufsicht da nicht vorgreifen“, sagt Holstein und zeigt sich optimistisch. Die Räume für die Kita hat der Bauherr jedenfalls schon vorbereitet.

 

Kommentare

  1. Es ist erbärmlich, wie diese durch politische Mauschelei gedeckte Bausätze hier Schön geredet wird.Die Infrastruktur gibt Schul- und Kita-Versorgung nicht her, der Wahnsinn soll ja bis zum Henriettenplatz weitdrgehen.Ich wohne seit über 30 Jahren in Halensee, das werde ich wohl nun ändern.
    K.Walker
    Westfälische Straße

    • Was für ein „Wahnsinn“? Ich wohne seit mehreren Jahrzehnten in unmittelbarer Nähe der jetzigen Baustelle und bin sehr froh über den Zuzug jüngerer Menschen in „unserem“ vergreisenden Halensee, schätze zudem den Neubau als Lärmriegel zum Stadtring.
      Ja, und dass die Infrastruktur am Kurfürstendamm die Versorgung mit was auch immer nicht zu leisten vermag, das lädt doch eher zum Schmunzeln ein…

      • Ich sage Ihnen, was der Wahnsinn ist. Der Wahnsinn ist, dass man den Bewohnern der Seesener Straße – und auch Bewohnern der Umgebung, die dort gerne spazieren gegangen sind – eine bis vor einiger Zeit noch hübsche, sonnige Grüne Straße mit angrenzenden Kleingärten nimmt, eine erhebliche Anzahl von Straßenbäumen gefällt hat und die Neubauten „verkauft“ als Schutz vor dem Lärm der Stadtautobahn. Eine Argumentation, der Sie sich ja offensichtlich gerne anschließen. Ich wünschte, Sie hätten mit den Leuten sprechen können, die zufällig vorbeikamen, als die Gärten gerodet wurden. Sie hätten nicht viele Freunde gefunden.
        Seltsamerweise mutet man den neuen Bewohnern, die nun viel dichter an der S-Bahn wohnen und ca. 200 m Luftlinie von der Stadtautobahn entfernt genau die Belastung zu, vor der man die derzeitigen Anwohner angeblich schützt. Hintere Glaswand? Räume müssen ja auch mal gelüftet werden, oder? Besonders wenn es im Sommer die Sonne gut meint. (Süd-West Lage) Wahnsinn ist auch, dass quasi als „Ausgleich“ für die bewohnte Schallschutzwand den Bewohnern der Sessener und Johann-Sigismund -Straße künftig ein erheblich erhöhtes Verkehrsaufkommen zugemutet wird, insbesondere durch das geplante Gewerbe auf dem Henriettenplatz. Wahnsinn ist weiterhin, die Kinder der geplanten Kindertagesstätte auf einer wie auch immer gestalteten Freifläche hinter dem Haus spielen lassen zu wollen, direkt neben der S-Bahn, nahe der Autobahn (s.o.) und zwischen den Entlüftungsschächten der Tiefgaragen. Eine Glaswand zum Schutz der Kinder? Hält die Lärm ab? Schützt die vor den Abgasen der Entlüftungsschächte?
        Welches Mieterklientel man anvisiert und welche Mieter tatsächlich einziehen, sind 2 Paar Stiefel. Ich wette, dass jungeFamilien mit Kindern nach einem Blick aus den Fenstern auf den Kundenparkplatz vom Bauhaus (beleuchtet bis 22 Uhr abends) und die dahinterliegende Stadtautobahn dankend verzichten. Im Ortsteil Halensee werden derzeit ca. 750 – 1000 neue Wohnungen gebaut. Da haben sie bessere Möglichkeiten. Und was die Infrastruktur am Ku-Damm mit der Unterversorgung von Schulen und Kitas zu tun hat, auf die Frau Walker hinweist, erschließt sich mir auch nicht. Aber schmunzeln Sie ruhig weiter, Sie haben ja ihre Lärmschutzwand, die Sie vor dem Lärm der Stadtautobahn schützt.

      • Aha, Lärmriegel zum Stadtring. Schmunzeln über den bevorstehenden Versorgungsinfakt. Ich vermute mal frech sie sind ein Teil der erwähnten Vergreisung.

  2. Ah, waren ja ne Menge Menschen da, die beim Richtfest dabei sein wollten, war wohl wieder eine Geheimaktion (grins). Wahrscheinlich hat man gar keinen Haken gefunden, woran man die Krone hängen konnte, weil kein Dachstuhl, sondern nur eine glatte Fenstermauer als Dachabschluß zu sehen ist. Neu-Prora ist im Himmel gelandet. Hässliche Fassade, ohne jegliche Ideen für schöne Architektur.

  3. Alles, höchst merkwürdig was hier gegenüber vor sich geht. Erst plant da ein Architekt, der plötzlich unauffindbar war.Dann sitzt ein Herr Wiese als Geschäftsführer in der Einwohnerversammlung und redet über zehn Stadthäuser .Wo ist denn der Geschäftsführer geblieben? Frühverrentet ?Bei der Grundsteinlegung waren es noch Eigentumswohnungen ,die da geplant waren ,nun sind´s eben mal Wohnungen der oberen Preisklasse.Alles so verglast ,daß sich die Sonne nicht hineinwagt .Neu-Prora genießt das Meeresrauschen ,hier gibt es das Dauergeräusch der Autobahnfahrzeuge.
    Als Zugabe das Rauschen der S-Bahn
    und später der Güterzüge .Die Niedersächsische Apothekervereinigung braucht Renditeobjekte zur Deckung irgendwelcher Rentenkassen .Das hier
    ist eine Seifenblase und kein Renditeobjekt .
    Am Ende ist die vorgesehene grüne Fassadenfarbe wohl der Ausgleich für die massive Rodung aller Bäume auf der gegenüberliegenden Straßenseite .
    Daß sämtliche Gesetzesvorgaben die
    es einzuhalten galt,hier massiv überschritten wurden ,um diesen unseligen Prügel zu kreieren ,steht auf einem ganz anderen Blatt.

  4. Warum eine Häuserriegellärmschutzwand? Hat man dafür die Kleingärten und Bäume dem Erdboden gleichgemacht? Es gibt Beispiele von Autobahnen mit normalen Lärmschutzwänden !!
    Mir tun alle Menschen (große und kleine) leid, die dort einziehen müssen.

  5. Offensichtlich ist wenigen die rechtliche Lage klar – oder sie wird bewusst ignoriert: Auf dieser Fläche besteht seit Ewigkeiten Baurecht und die Kleigärten waren quasi nur einen Übergangsnutzung. Dass dort bisher niemand gebaut hat war lediglich Zufall bzw. wahrscheinlich auch der Entwicklung des Wohnungsmarktes in Berlin geschuldet – nun wächst die Stadt und auch bisher nicht genutzte Grundstücke werden bebaut, vor allem wenn dort schon immer Baurecht besteht. Eine normale Entwicklung, Zeiten ändern sich. Theoretisch stimmen dem auch die meisten zu aber wenn in ihrer Nähe gebaut werden soll, geht das natürlich gar nicht…

  6. Ich finde diese Baupläne sehr gut.
    Viele sagen ,da war so grün,schön ,aber ich fand die
    Seesener Str. sehr schmutzig ,voll mit Hundekort,
    und Kleingarten war oft nicht mehr so gepflegt.
    Bäume bleiben auch ohne Pflege nicht immer bequem grün.
    Wenn es weiter so bleibt,könnte es sein,daß eines Tages da genau wie bei der Heilbronner Str. unerwünschte Zeltbewohner leben.
    Jetzt sind leider in der Henriettenplatz manchmal
    sehr ungemütliche Leute.
    Ich möchte lieber in dieser Gegent in Ordnung,
    sauber bleibt.
    Schließlich wohnen wir in der Bundeshauptstadt !

  7. Dieses Wohn-Objekt ist WUNDERSCHÖN, es ist nicht viel zu überteuert, wie einige andere Wohnungen hier in Berlin und ich finde es schade, dass das Gebäude nur sechs Etagen hat. Das größte Gebäude am Henriettenplatz hat zehn Etagen, warum erlaubt die Stadt nicht den Neubau von höheren Gebäuden, also auch zehn. Immer ist jemand dagegen, weil irgend etwas zu hoch, so hässlich, zu teuer ist, vielleicht ist die eigene Einstellung die falsche!
    Weiter so! Wohnungen für Berlin, und ein bisschen Empathie ebenfalls! Ich fänd’s schön!!

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