Aktuelles / Mittwoch, 02.08.2017

Proteste gegen symbolischen Spatenstich am Olivaer Platz

Der Plan des Abstoßes: Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) erklärt die erste Phase der Umgestaltung des Olivaer Platzes. Foto: Carolin Brühl

Mit Protest wurde am Mittwochnachmittag Stadtentwicklungsstadtrat Oliver Schruoffenegger (Grüne) zu seinem symbolischen Spatenstich am Olivaer Platz empfangen.

Von Carolin Brühl

Der Spatenstich war so symbolisch, dass Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) nicht einmal einen Spaten zum Olivaer Platz mitgebracht hatte. Doch wahrscheinlich wäre er an jeglicher Buddelei von der Bürgerinitiative, die mit großem Aufgebot zum Termin am Mittwochnachmittag erschienen war, auch gehindert worden. Bunte Protest-Girlanden hatten sie im Park aufgespannt, viele trugen Buttons an der Brust: „Rote Karte für Kahlschlag-Sanierer“ stand drauf“ oder „Bäume killen für Umgestaltung – Ohne uns“. Nach zehn Jahren der Planung und Diskussion prallen die Interessen, was eine Umgestaltung des Platzes angeht, unvermindert heftig aufeinander.

Proteste gegen die Umgestaltung der Grünanlage auf dem Olivaer Platz. Foto: Carolin Brühl

Maßgeblich ausgetragen wird dieser Konflikt zwischen zwei Bürgerinitiativen, die sich gegenseitig den Vertretungsanspruch in der Causa Olivaer Platz absprechen. So will der Förderkreis Neuer Olivaer Platz mit Unterstützung der SPD und Grünen im Bezirk eine Umgestaltung auf Grundlage des Entwurfs des Landschaftsarchitekturbüros Rehwaldt aus Dresden. Dieser gewann 2011 einen Wettbewerb, der nach wie vor die Grundlage für den Bebauungsplan bildet. Doch er sieht vor, weite Teile des Platzes einschließlich der Staudenhochbeete abzureißen und mit Rasenflächen zu ersetzen. Doch genau das will die Bürgerinitiative Olivaer Platz verhindern. „Der Platz ist jahrzehntelang vernachlässigt worden“, steht im Zentrum der Proteste. Die BI will den alten Baumbestand sowie die Beetstruktur erhalten und wünscht sich lediglich eine Sanierung der Wege, Beetumrandungen und Treppenanlagen sowie neue Stadtmöbel wie Bänke und Papierkörbe. Auch die Zahl der 128 Parkplätze, deren Verschwinden vor allem die Grünen gefordert hatten, soll unangetastet bleiben.

Diese Mauer entlang der Lietzenburger Straße soll nach dem Willen des Bezirksamt abgerissen werden. Die Anwohner befürchten, dass einen Pflanzung von Bäumen und Sträuchern an dieser Stelle nicht genug Lärmschutz bietet. Foto: Carolin Brühl

„Die Bebauungsplanverfahren laufen, sind aber noch nicht abgeschlossen. Nach zehn Jahren sind wir aber in einer Situation, in der wir endlich mal zu Potte kommen müssen“, verteidigte Schruoffeneger die Pläne des Bezirksamts, in diesem Jahr mit Maßnahmen „im Bestand“ zu beginnen, die nicht vom Bebauungsplan betroffen seien. Der Mittwochstermin sei so gesetzt worden, weil der Bezirk am Ende der Sommerferien die Arbeiten ausschreiben müsse. Vorgesehen sei der Abriss des größten Teil der Mauer zur Lietzenburger Straße, die von einer Pflanzung zur Straße hin ersetzt werden soll. Zudem sollten elf Bäume von insgesamt 148 gefällt werden. Gutachten hätten nach Angaben des Leiters des Grünflächenamtes, Walter Schläger, ergeben, dass diese Bäume nicht mehr über die erforderliche Standfestigkeit verfügten.

Hatten sich zum Protest gegen erste Umbaumaßnahmen eingefunden: Mitglieder der BI Olivaer Platz. Foto: Carolin Brühl

Doch auch diese ersten Maßnahmen fanden bei der Mehrheit der Anwesenden kein Gefallen. Schruoffeneger versprach, die zu fällenden Bäume rechtzeitig vorher markieren zu lassen und den aktuellen Umgestaltungsplan, der als Grundlage für den Bebauungsplan im Herbst zum dritten Mal öffentlich ausgelegt werden soll, im Schaukasten am Platz aufzuhängen.

 

Kommentare

  1. Glückwunsch zu der guten Protestaktion der Bi Olivaerplatz anlässlich des ersten Spatenstichs ohne Spaten.
    Wenn die politische Mehrheit es will, hilft es den Betroffenen wenig, daß ihre Mehrheit es nicht will.
    Schade, wieder einmal, an Tagen wie heute nichts vom Schlagwort „wir wollen die Bürgerbeteiligung ausbauen “ zu hören. Spätestens zur nächsten Wahl wird die olle Kamelle bestimmt in unserem Bezirk wieder hervor geholt!.
    Und danach wieder vergessen.

  2. Na toll, da stehen sich zwei kontrahierende BI’s gegenüber, die sich nicht einigen können. Wie soll sich da ein Bezirk (ob nun der bisherige oder der jetzige Stadtrat) salomonisch entscheiden können. Schlage eine Medaillen-Wurf Entscheidung vor. Muß ja mal ein Ende finden -oder es bleibt alles beim alten. Bisschen Rasensprengen wäre gut.
    Rudolf

  3. Die Kosten der Neugestaltung werden nunmehr auf 2,5 Millionen Euro geschätzt! Laßt uns den Platz so wie er ist (Wege verbessern und neue Bänke aufstellen )restaurieren und pflegen, und das Geld mit sinnvolleren Plänen zum Wohle aller Beteiligten verwenden. Es handelt sich schließlich um Steuergelder, die wir alle zahlen müssen!

  4. Die demokratisch gewählten Vertreter in der BVV Charlottenburg-Wilmersdorf wissen nichts von den neuen Plänen des Stadtrates Schruoffeneger zur Umgestaltung des Olivaer Platzes, Herr Schruoffeneger umgeht mit seiner Aktion das Bezirksparlament. Er nutzt die Sommerpause der Bezirksverordnetenversammlung, um entgegen vorheriger Aussagen im Stadtentwicklungsausschuss kurzfristig Fakten zu schaffen. Er ignoriert damit erneut die vielfältigen Anwohnerproteste, die eine Umgestaltung des Platzes nach den vorliegenden Plänen ablehnen. Mit der Aufteilung in zwei Bauabschnitte soll von den eklatanten Fehlern des Bezirksamtes bei der Aufstellung des Bebauungsplans abgelenkt werden. In den nächsten Monaten kommt es zu einer erneuten Bürgerbeteiligung im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans.

    Die FDP-Fraktion ruft das Bezirksamt dazu auf, die angekündigten Bau- und Umgestaltungsarbeiten nicht umzusetzen. Stattdessen sollten die Anwohnerinteressen endlich ernst genommen und auf das ideologische Konzept einer grünen Wiese ohne Autos verzichtet werden.

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