Aktuelles / Freitag, 08.09.2017

Premiere für den
Markt am Bundesplatz

Am Stand von Benjamin Timm wurde munter über den neuen Standort debattiert: Kunde Udo Kumpe (r.) ist enthusiastisch, der Markthändler selbst eher skeptisch. Foto: Katja Wallrafen

Bislang an der Mainzer Straße, nun am Bundesplatz: Gestern bauten Markthändler erstmals ihre Stände auf dem Mittelstreifen auf. Für Kunden wie Marktleute fühlt es sich noch ein wenig fremd an.

Von Katja Wallrafen

Noch ist er eine etwas bescheidene Angelegenheit, der neue Wochenmarkt am Bundesplatz. Gestern sind die Markthändler zum ersten Mal mit Stände auf den Mittelstreifen gerückt. In überschaubarerer Zahl: Benjamin Timm mit Saison-Früchten und Pfifferlingen, Andreas Bischoff mit Kartoffeln und „Apo“ mit seinem Käseparadies stehen nebeneinander. Durch Büsche und Blumenbeete von ihnen getrennt ist der große Textilstand von Jasbir Singh zu finden. „Noch ist es hier überschaubar“, sagt Singh, der seit zwanzig Jahren Berliner Märkte beschickt und bislang montags und donnerstags an der Mainzer Straße seine Stammkunden bediente. „Aber Blumen, Bäcker und Taschen werden demnächst auch hier zu finden sein.“ Er wird dann mit seinen Textilien an den seitlichen Rand wandern.

Idee der Initiative Bundesplatz

Die Umsiedlung des Marktes geht zurück auf die Initiative Bundesplatz e.V., die den Verkehrsknotenpunkt Stück für Stück entwirren will. Mit dem Ziel, den Autoverkehr einzudämmen und die Aufenthaltsqualität des Bundesplatzes zu verbessern. Mit der Umsiedlung des Marktes ist eine Forderung der Bürgerinitiative erfüllt worden. Sie hofft, dass der Markt mehr Menschen auf den Platz führt und ihn positiv verändern wird. Im nächsten Schritt will man Tempo 30 an den Spangen sowie die Querungshilfen an den Übergängen von Mainzer und Tübinger Straße einrichten.

„Apo“ im Käseparadies hofft auf mehr Kundschaft. Den Lärmpegel am neuen Standort versucht er, gelassen hinzunehmen. Foto: Katja Wallrafen

„Eine großartige Idee, den Markt hier in der Mitte des Bundesplatzes zu verlegen“, sagt Anwohner Udo Kumpe, während er sich mit Obst eindeckt. Er ist absoluter Fan der Bürgerinitiative und unterstreicht jede ihrer Forderungen: weniger Autos, mehr Platz zum Flanieren, sichere Straßen für Familien und ältere Menschen. „Ich bin sicher, dass die Markthändler hier bessere Geschäfte machen als an der Mainzer Straße. Hier kommt doch mehr Laufkundschaft vorbei.“ Ganz anders sieht das Timms Kundin Martina Seebauer. Sie wohnt in der Mainzer Straße und hätte das Marktgeschehen lieber am alten Standort behalten. „Dort war der Markt traditionell eingeführt. Hier mitten auf dem Bundesplatz ist es furchtbar laut“, sagt sie. „Man hört den Autoverkehr zu stark.“

Jasbir Singh ist optimistisch, dass ihn seine Stammkundschaft auch auf dem Mittelstreifen der Bundesallee findet. Foto: Katja Wallrafen

Das empfinden auch die Händler so. „Die Lautstärke ist definitiv ein Nachteil“, meint Benjamin Timm, der sich zudem schlecht informiert fühlt. Er wäre lieber in der Mainzer Straße geblieben, dort sei es „so schön familiär“ zugegangen. Aber er will nicht zu negativ sein, gibt dem neuen Standort eine skeptische Chance: „Mal abwarten, wie sich das hier entwickelt“. So sieht es auch Andreas Bischoff, dessen Kunden sich ebenfalls über das Für und Wider austauschen: „Jetzt am ersten Tag können wir ja nur spekulieren, wie es hier weitergeht.“ Käsehändler „Apo“ hingegen ist optimistisch: „Es ist ein bisschen zu laut, ja, das stimmt. Aber grundsätzlich glaube ich, dass wir hier mehr Laufkundschaft haben werden als vorher.“ Zudem, so glaubt er, werde sich nun die Verkehrssituation in der Mainzer Straße entspannen – an Markttagen habe dort regelmäßig der Abschleppdienst anrücken müssen.

Kartoffelhändler Andreas Bischoff möchte am Premierentag noch kein Urteil fällen. „Abwarten“ lautet seine Devise. Foto: Katja Wallrafen

Information

Der Markt am Bundesplatz findet künftig immer montags und donnerstags von 8 bis 13 Uhr statt.

 

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