Aktuelles / Samstag, 07.10.2017

Potse und Drugstore: Der Druck im Kessel ist hoch

Der neue Eigentümer des Hauses an der Potsdamer Straße hat den Jugendzentren Potse und Drugstore die Mietverträge gekündigt. Foto: Anja Meyer

Zum Jahresende müssen die selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore in Schöneberg ausziehen. Jetzt hat der Bezirk die Mittel im Haushalt noch einmal erhöht.

Von Anja Meyer

Im Haushaltsplan 2018/19 von Tempelhof-Schöneberg sind 130.000 Euro mehr für die Finanzierung der selbstverwalteten Jugendzentren Potse und Drugstore vorgesehen. Seit 2016 hatte der Bezirk jährlich mehr als 200.000 Euro Miete für die rund 800 Quadratmeter große Fläche auf einer Fabriketage gezahlt. Zum Jahresende läuft der Vertrag mit dem neuen Eigentümer, einem Investor aus dem Ausland, aus. Dann müssten die beiden Jugendclubs raus – und ein alternativer Standort ist noch nicht gefunden. Um den kontinuierlichen Betrieb von Potse und Drugstore zu sichern, legt der Bezirk jetzt noch einmal zusätzliche Mittel auf die geplanten 230.000 Euro drauf. Damit sind aktuell 360.000 Euro im Etat des Bezirks für den Fortbestand der Jugendeinrichtungen vorgesehen.

In Verhandlungen mit Eigentümer

Wie Stadtrat Oliver Schworck (SPD) erklärt, werde auch das wahrscheinlich noch nicht reichen, um die Mietpreisforderungen des Eigentümers zu bedienen. Aber er hofft, dass der Vertrag für Potse und Drugstore dennoch kurzfristig verlängert werden kann. Am liebsten wäre ihm eine Verlängerung um weitere zwei Jahre – so wie es Ende 2015 schon einmal ausgehandelt wurde. Wie man sich jetzt einigt, stehe erst in naher Zukunft fest. „Wir sind aktuell noch in Verhandlungen mit dem Eigentümer“, sagt Schworck. Immerhin rede der überhaupt darüber, die Mietverträge noch einmal zu verlängern.

Alternative muss her

In der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Tempelhof-Schöneberg setzen sich mit Ausnahme der AfD alle Parteien für das Weiterbestehen und die Förderung der beiden fest im Schöneberger Norden verwurzelten Jugendzentren ein. Drugstore wurde 1972 als Ort für alternative pädagogische Konzepte gegründet, Potse kam Anfang der 80er dazu. Seither leisten die Akteure einen wichtigen Beitrag zur bezirklichen Jugendarbeit. Was schon jetzt klar ist: Auch mit einem höheren Budget werden Potse und Drugstore nicht dauerhaft in ihren jetzigen Räumen in der Potsdamer Straße 180 bleiben können. „Wir werden keinen langfristigen Vertrag für Potse und Drugstore bekommen“, sagt Schworck. Eine Verlängerung der Verträge diene lediglich dazu, die Zeit zu überbrücken. „Wir müssen eine wirkliche Alternative finden.“

Gebäude wurde Spekulationsobjekt

Dazu gibt es mehrere Ideen: „Es gibt Räume in der Nähe des jetzigen Standorts, in denen die Jugendzentren untergebracht werden könnten“, berichtet Schworck. Die müssten allerdings erheblich umgebaut und schallgedämmt werden, um die Jugendclubs wie bisher zu betreiben. Der Bezirk müsse noch mit den Eigentümern klären, ob das so möglich ist. Eine besser umsetzbare Alternative wäre der Kauf eines Grundstücks, das neu bebaut werden kann. So müsste der Bezirk nicht mehr darum bangen, dass die Miete von privaten Eigentümern weiter erhöht oder der Vertrag gekündigt wird. Zur Gründungszeit der Jugendzentren gehörte das Gebäude dem Bezirk, 1987 verkaufte er es an die BVG, die es später weiter veräußerte. Heute bereue man, das Haus so zum Spekulationsobjekt gemacht zu haben. Ein Fehler, den man mit dem Bau eines eigenen Gebäudes nicht mehr wiederholen wolle. „Das Problem ist jedoch, dass wir noch kein Grundstück gefunden haben“, sagt Schworck.

Wöchentliches Plenum von Potse und Drugstore. Foto: Anja Meyer

Die Kollektive von Potse und Drugstore halten hingegen weiterhin daran fest, auf jeden Fall in den altvertrauten Räumen bleiben zu wollen – denn bei jeder Alternative müssten sie sich deutlich verkleinern. Eine Haltung, die Stadtrat Oliver Schworck als wenig konstruktiv bezeichnet. Die Kollektive hätten sich Lösungsvorschlägen seitens des Bezirks bislang immer verweigert. „Ich halte diese Diskussionen für sehr anstrengend und wenig hilfreich“, sagt Schworck. Unter den gegebenen Voraussetzungen müssten sie auch mal darüber nachdenken, wie sie sich räumlich verändern könnten und was elementar ist. „Es ist schade, dass wir keine gemeinsamen Ideen entwickeln können.“ Seiner Meinung nach hätte es mit einer früheren, konstruktiven Auseinandersetzung gar nicht dazu kommen müssen, dass die Zeit nun so drängt und der Fortbestand noch nicht geklärt ist. „Der Druck im Kessel ist jetzt so hoch, dass Bewegung in die Sache kommen muss.“

 

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