Aktuelles / Mittwoch, 19.04.2017

Pandas bekommen ein
Haus mit Liebestunnel

Noch ist der neue Panda-Bereich eine Baustelle. Foto: Massimo Rodari

Anfang Juli sollen die beiden Pandas an den Zoo übergeben werden. Der Bau ihres neuen Zuhause liegt im Zeitplan.

Von Katrin Lange

Dort, wo schon in drei Monaten die Pandabären ihren Bauch gemütlich in die Sonne halten und in Zeitlupentempo am Bambus knabbern, bewegt sich derzeit alles wie im Zeitraffer. Es wird geschweißt, verlegt, verladen, verputzt und verziert. Der neue Panda-Garten, der im Zoo auf einer 5500 Quadratmeter großen Fläche entsteht, ist noch eine große Baustelle. Doch alles sei im Plan, versichert Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem, der jetzt auch den Zeitraum eingrenzen kann, ab wann die Tiere zu sehen sein werden. Die Pandabären sollen Anfang Juli, noch vor dem G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg, offiziell an Berlin übergeben werden.

Künstliche Landschaft, die echt aussehen soll

Bis dahin ist jeder Tag auf der Baustelle durchgetaktet. Noch zum Richtfest im Februar musste das Dach von unzähligen Pfeilern gestützt werden. Die sind bereits verschwunden. Das Funktionsgebäude mit Ställen, Futterküche, Haustechnik, Behandlungsraum und einem Aufzuchtbereich steht, der Innenausbau läuft. Die meisten Arbeiter sind derzeit damit beschäftigt, die Außenanlagen zu gestalten. Höhlen aus Beton werden verkleidet und bepflanzt, ebenso die Wasserläufe, die sich durch die Gehege ziehen. Für diese Arbeiten zuständig ist unter anderen Uwe Thürnau. Der Berliner ist Experte dafür, künstlich geschaffene Landschaften so echt wie möglich aussehen zu lassen. Um einen Ersatzlebensraum zu schaffen, nutze er Spritzbeton in Verbindung mit Naturstein und viel Farbe, sagt Thürnau.

Nachwuchs ist im Zoo ausdrücklich erwünscht

Beide Pandas – ein Männchen und ein Weibchen – werden ihren eigenen Bereich haben. Die Bären sind Einzelgänger und finden sich nur etwa 72 Stunden im Jahr für die Paarung interessant. Auf diesen Moment ist alles ausgerichtet, denn Nachwuchs ist ausdrücklich im Zoo erwünscht. Die beiden Außenanlagen sind durch einen sechs Meter langen halb­runden Tunnel verbunden. Beide Enden sind mit einem Gitter verschlossen, sodass sich die Tiere zumindest sehen und riechen können.

Zoodirektor Knieriem nennt den Tunnel auch den „Liebes-Test-Tunnel“. Entscheidend für den Zuchterfolg ist nämlich, den Moment abzupassen, an dem es die Bären zueinander zieht und dann das Gitter aufzumachen. Für Zoo-Tierarzt Andreas Ochs ist das kein Pro­blem. „Man bemerkt es am Verhalten und an den Lauten, die sie von sich geben“, sagt er. Es klinge wie das Bellen kleiner Yorkshire-Terrier. In einem chinesischem Text stehe, dass man dann mit einem Holzstab auf das Hinterteil des Weibchen schlagen müsse, sagt Ochs. Richte es sich hinten auf, sei es bereit. Zoodirektor Knieriem würde diese Methode ein bisschen verfeinern und lediglich Druck auf das Hinterteil des Weibchens ausüben. Hält es stand, ist der Moment gekommen.

Nachwuchs wäre die Erfüllung eines großen Traums

Es wäre der erste Panda-Nachwuchs im Zoo überhaupt und damit die Erfüllung eines großen Traums. Der Große Pandabär ist sozusagen ein Statussymbol für einen Zoo, die Beschaffung des Tiers oft Staatsangelegenheit. Nach einer Stippvisite des Pandabären „Happy“ für einige Wochen im Jahr 1939, begann die eigentliche Ära dieser Tiere 1980 mit Tjen Tjen und Bao Bao im Zoo. Bereits nach vier Jahren starb Tjen Tjen. Erst 1995 gelang es, das Pandaweibchen Yan Yan nach Berlin zu holen. Doch Nachwuchs blieb aus. Yan Yan starb 2007, Bao Bao 2012.
Nun fünf Jahre später beginnt ein neue Panda-Ära, und diesmal soll alles perfekt sein. Zehn Millionen Euro lässt sich der Zoo das Domizil für die beiden Neuankömmlinge kosten. An alles wurde dabei gedacht. Der Zoodirektor weiß, dass es eigentlich faule, lethargische Tiere sind. Aber gerade deshalb will er für Unterhaltung und Abwechslung im Gehege sorgen. Die beiden Außenbereiche werden mit Kletterparcours, Sandbecken, Schaukeln, Rutschen und Wasserläufen ausgestattet. Sollte es ihnen zu warm werden, können sie sich draußen in Höhlen zurückziehen oder in den voll klimatisierten Stall. „Aber 25 bis 28 Grad sind für die Pandas kein Problem“, sagt Knieriem.

Interaktive Ausstellungsstücke für Kinder wird es geben

Bevor die beiden Neuberliner aus China offiziell übergeben und auf die Außenanlagen dürfen, müssen sie in Quarantäne. Auch dafür sind die Ställe im Funktionshaus und die beiden verglasten Innengehege ausgestattet. Besucher können die beiden Pandas von einem Platz aus beobachten, der die beiden Außenanlagen miteinander verbindet. Noch sind die Sitzbänke unter einer Plane versteckt.
Wo der Bambus künftig durch eine kreisförmige Öffnung durch die Decke wachsen soll, stehen noch Gerüste. Auf der Besucherplattform wird es Informationen über die Panda-Bären geben, aber auch interaktive Ausstellungsstücke. Kinder können sich dort ausprobieren und erfahren, wie der Tatzenabdruck eines Pandas aussieht und wie viel Bambus er nun eigentlich den ganzen Tag lang in sich hinein­frisst.
Bis es im Zoo so weit ist, müssen noch einige Felswände modelliert und mit Farbe versehen werden. Bevor die große Gemütlichkeit mit den beiden entschleunigten Tieren in den Panda-Garten einzieht, wird es wohl bis zur letzten Minute im Zeitraffer-Tempo weitergehen.