Aktuelles / Montag, 10.04.2017

Kunst zum Mitmachen: Wo die bunten Kraniche fliegen

Bunte Papierfaltkunst in der Eingangshalle des Bikini Berlin. Foto: Anja Meyer

Das Bikini-Haus zeigt eine Kunst-Installation mit bunten Origami. Die Besucher sind eingeladen, Teil der Installation zu werden und selbst zu falten.

Von Anja Meyer

Yvonne Neff wickelt noch ein paar Papierfetzen um den kleinen Stock in ihrer Hand, gleich ist ihr Werk fertig. In der vergangenen Stunde hat die Potsdamerin ihren Paradiesvogel, wie sie das orangene und pinke Gebilde aus zerrissenem Papier nennt, liebevoll zusammengebastelt. Gleich wird sie es in die Holzspäne in dafür vorgesehen Kästen im Eingangsbereich des Bikini Berlin stecken – dann ist Yvonne Neffs Paradiesvogel Teil der aktuellen Kunst-Installation im Bikini-Haus: „When the earth meets the sky“.

Besucher basteln selbst Origami

Von der Installation hatte Yvonne Neff schon vorher gelesen, deshalb ist sie mit ihrer Tochter und einer Freundin extra aus Potsdam zum Kudamm gefahren. Viele andere Besucher, die an den Bastel-Stationen stehen und bunte Origami formen oder sich davor fotografieren, sind wohl eher zufällig beim Shoppen drauf gestoßen. Egal wie – Spaß scheinen alle zu haben. Ob Kinder mit ihren Eltern, Freundesgruppen oder Touristen: Alle basteln. „Das macht richtig Spaß und hat etwas sehr Entspannendes“, sagt Yvonne Neff. Und es scheint kommunikativ zu sein. „Vorhin sind wir beim Basteln sehr nett mit ein paar Holländern ins Gespräch gekommen.“

Besucherin Yvonne Neff hat einen Paradiesvogel gefaltet. Foto: Anja Meyer

Die Origami-Installation geht auf die französische Künstlerin Mademoiselle Maurice zurück, die als Streetart-Künstlerin in Marseille lebt und ihre Kunst bereits in den USA, Mexiko, Vietnam und Singapur zeigte. Die Kuratoren des Bikini-Hauses suchen für ihre Frühjahrsinstallationen jährlich nach Künstlern, die in Deutschland noch wenig bekannt sind. So wählten sie im vergangenen Jahr die britische Künstlerin Rebecca Louise Law aus, die einen von der Decke hängenden, bunten Blumengarten installierte. Als die Kuratoren bei der diesjährigen Recherche auf Mademoiselle Maurice stießen, waren sie schnell überzeugt. „Wir wollten auf jeden Fall wieder etwas Farbenfrohes. Etwas, das zum Frühling passt“, erklärt Bikini-Sprecherin Anne-Kathrin Berends, Außerdem sollte jeder Besucher einen leichten Zugang zur Kunst bekommen. „Mademoiselle Maurice hat uns mit ihrer Motivation sofort in den Bann gezogen.“

Künstlerin drückt Solidarität mit Japan aus

Die 29 Jahre alte Künstlerin Mademoiselle Maurice hat nach dem Erdbeben von Fukushima mit dem Falten von Origami angefangen. 2011, im Jahr des Tsunamis, lebte die damalige Architektur-Studentin selbst für ein paar Monate in Japan. Dort entdeckte sie das Falten von Origami für sich. Zurück in Frankreich wollte sie ihre Solidarität mit den Japanern ausdrücken – die Geschichte des nach dem Unglück von Hiroshima an Leukämie erkrankten Mädchens Sadako Sasaki und den 1000 Papierkranichen diente ihr als Vorbild. Eine japanische Legende besagt, dass ein kranker Mensch wieder gesund wird, wenn er tausend Kraniche faltet. Sadako Sasaki begann zu falten, ihre Geschichte wurde zum Symbol für eine Welt ohne Atomwaffen. Und Mademoiselle Maurice tat es ihr gleich – mittlerweile hat sie die 1000er-Marke schon mehrere Male geknackt.

Die meisten Besucher beschriften ihre Origami mit Namen, Grüßen oder Wünschen. Foto: Anja Meyer

Die Installation im Bikini-Haus zeigt Mademoiselle Maurices Papierfaltkunst aus zwei Perspektiven: Von der Decke hängen aufgeblasene Kuben an dünnen Fäden und im Boden stecken an Holzstäben befestigte Papierkraniche. Sie formen einen großen, bunten Vogelschwarm. Alle Origami bestehen aus Papieren in den Farben des Regenbogens, mit denen die Künstlerin Freude und Frieden symbolisiert. Ein kurzes Video vor der Installation zeigt den Besuchern, wie Mademoiselle Maurice in Frankreich lebt, was sie mit ihrer Kunst ausdrücken will und wie sie in Marseille auch graue Wände mit ihren bunten Origami verschönert.

Weitere Box aufgestellt

Um die Besucher in die Installation zu integrieren, können sie an Basteltischen eigene Origami falten und sie zu den Kranichen in den Boden stecken. Ein kurzer Film zeigt die Anleitung für das Falten von Kranichen. Es könne jedoch jeder falten, was er wolle. „Das kommt richtig gut an“, sagt Anne-Kathrin Berends. So gut, dass die Verantwortlichen nun noch eine zweite Box aufgestellt haben, in der die von den Besuchern gefalteten Origami ausgestellt werden. „Vermutlich wird die bis zum Ende der Installation am 30. April auch komplett voll sein.“

Information

Die Installation „When the earth meets the sky“ läuft noch bis zum 30. April
Bikini Berlin
Budapester Straße 42-50
10787 Berlin

 

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