Aktuelles / Montag, 05.09.2016

Neuer Anlauf für die Sanierung des Schoeler-Schlösschens

Steht schon zu lange leer: das älteste Wohnhaus in Wilmersdorf, das Schoeler-Schlösschen an der Wilhelmsaue. Foto: Carolin Brühl

Seit 2014 versucht der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf das Schoeler-Schlösschen wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Vor allem für den Innenausbau fehlen aber noch rund drei Millionen Euro.

Von Carolin Brühl

Der Vorgarten ist verwildert und weit davon entfernt, dem barocken Kleinod an der Wilmersdorfer Wilhelmsaue gerecht zu werden. Innen im Schoeler-Schlösschen spielt sich schon seit Jahren nichts mehr ab. Letztlich wurde Wilmersdorfs ältestes Haus nach einem Brand im Jahr 2003, als die Kita ausziehen musste, vom Leben des Kiezes abgehängt und wartet nun darauf, einem neuen Sinn zugeführt zu werden. Ideen, was man mit dem 1765 errichteten Wohnhaus des Berliner Fabrikanten Cornelius Adrian Hesse machen könnte, gibt es viele. Doch allein, es fehlt am nötigen Geld, das Gebäude wieder so in Stand zu setzen, dass es für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht werden kann. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat sich auf Einladung von Kulturstadträtin Dagmar König (CDU) das Haus angesehen und Vorschläge für das weitere Prozedere gemacht.

Einmal vom Flur aus in die Räume schauen: Kulturstadträtuin Dagmmar

Einmal vom Flur aus in die Räume schauen: Kulturstadträtin Dagmar König und Kulturstaatssekretärin Monika Grütters (r., beide CDU). Foto: Carolin Brühl

Allein schafft es der Bezirk nämlich nicht, die rund drei Millionen Euro für einen Innenausbau des Hauses bereit zu stellen. Das Dach und die Fassade hat die Stiftung Denkmalschutz, der das Haus 2006 vom Bezirk übertragen worden war, mustergültig sanieren lassen. Doch dann ging der Stiftung das Geld aus und das Schoelerschlösschen wurde 2014 wieder dem Bezirk übereignet. Der war bislang aber noch nicht erfolgreich, das Geld für die Fertigstellung der Sanierung aufzubringen oder einzuwerben. Die Decken und Böden sind an vielen Stellen marode, die Elektrik muss überarbeitet werden, es gibt keine Küche und keine Toiletten. „Wir brauchen ja auch dringend Einbauten wie einen Aufzug in die erste Etage, um das Haus barrierefrei zu machen“, erklärt Dagmar König. Sie möchte das Haus für kulturelle Zwecke nutzen. „Ich könnte mir da kleine Ausstellungen mit Wilmersdorfer Künstlern oder auch Konzerte und Vorträge vorstellen“, sagt die Stadträtin. Aber vor allem soll das Haus zu einem Kiezzentrum werden, dessen Räume Vereine oder Bürgerinitiativen als Treffpunkt für Ihre Veranstaltungen nutzen können.

Divergierende Ansichten

Damit decken sich die Ideen der Kulturstadträtin weitgehend mit denen der Bürgerinitiative Schoeler-Schlösschen. Doch in einem gewichtigen Punkt divergieren die Ansichten: Die Bürgerinitiative will einen gemeinnützigen Verein gründen, der das Haus nach der Sanierung ohne Einmischung des Bezirks selbst verwaltet und betreibt. Doch König schließt das aus: „Da herrscht im Bezirksamt über die Parteigrenzen hinweg Einigkeit, dass wir das Geschehen im Haus zwar mit Teilhabe der Bürger gestalten, das Haus selbst aber nicht aus der Hand geben werden.“ Auch der Idee eines neuen Zuschnitt der Räume, wie sie von der Bürgerinitiative gefordert wird, um im Erdgeschoss eine größere gastronomische Nutzung zu verwirklichen, erteilt König eine deutliche Absage: „Der Zuschnitt der Räume soll weitgehend so bleiben, wie er dem historischen Original entspricht. Vorstellbar seit zwar eine Art Bistro, um bei Veranstaltungen auch Getränke anbieten zu können oder kleinere Snacks zuzubereiten, aber mehr auch nicht.“
Bisher blieben Anträge des Bezirk beispielsweise beim Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen, Sport, Jugend und Kultur“ oder der Stiftung Deutsche Klassenlotterie erfolglos. König schob das im Sommer teilweise auch auf „diffamierende und falsche Aussagen“ aus den Reihen der Initiative gegenüber den Juroren.

Laufzettel für das weitere Prozedere

Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die selbst in Wilmersdorf wohnt und von 1998 bis 2013 Vorstandssprecherin der Stiftung Brandenburger Tor war, hat Erfahrung in Sachen Denkmalschutz. Für das Schoeler-Schlösschen hat sie König nun einen „Laufzettel“ mitgegeben, nach dem der Bezirk sich nun erneut um Mittel aus dem Denkmalschutzprogramm des Bundes bewerben soll. „Die gesamten Kosten aber“, wandte Grütters ein, „sind selbst bei einem positiven Bescheid so nicht zu bekommen.“ Grundbedingung sei ein tragfähiges Finanzierungskonzept, aus dem hervorgehe, dass der Antragsteller mindestens die Hälfte der Kosten selbst besteuern könne. Zudem müsse sich der Bezirk darum bemühen, dass das Schoeler-Schlösschen vom Landesdenkmalamt als Denkmal von nationaler Bedeutung eingestuft werde. Erforderlich sei schließlich auch ein Nutzungskonzept, das deutlich mache, dass das Haus mit seinem Angebot etwas anbiete, was es sonst im Kiez nicht gäbe. Ein soziokulturelles Zentrum halte sie aber für eine gute Idee.

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Wollen, dass das Schoeler-Schlösschen ein Kiezzentrum wird: Monika Grütters, Dagmar König und der stadtplanungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Foto: Carolin Brühl

Doch das kann noch dauern. Damit sich zumindest im Garten des Schoeler-Schlösschens etwas tut, will sich Dagmar König am kommenden Sonnabend, 10. September, ab 10 Uhr mit freiwilligen Helfern und mit Unterstützung des Grünflächenamtes des Gartens hinter dem Haus annehmen. „Wer Zeit und Lust hat, sich an den Aktivitäten zu beteiligen, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 9029 – 13001 anzumelden, damit wir auch genug Gerätschaften vor Ort bereit haben“, sagt die Stadträtin. Es soll nicht nur Unkraut gejätet werden , sonder auch neu gepflanzt werden. „Wir wollen zum Tag des Denkmals zumindest die Fenster des Schoeler-Schlösschens öffnen, damit Besucher hineinsehen können, auch wenn ein Betreten leider nicht möglich ist“, sagt König.

Vorgarten nach historischem Vorbild

Stefan Evers, stadtplanungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, will sich unterdessen des Vorgartens annehmen. „Erst einmal müssen die Brennensseln da raus“, sagt er. Dann will er sich mit der Landschaftsarchitektin Christina Kautz von der BI Wilmersdorfer Mitte Kontakt aufnehmen, um zu prüfen, ob es noch Unterlagen gibt, die zeigen, wie der Vorgarten des alten Hauses einmal ausgesehen hat.“ Für die Neuanlage nach historischem Vorbild wolle er sich dann persönlich und auch finanziell engagieren, verspricht er.

 

Kommentare

  1. Ich muss vorausschicken…ich bin nicht koerperbehindert…aber ich frage mich tatsaechlich: bedeutet Barrierefreiheit, dass jedes Stockwerk fuer Rollifahrer erreichbar sein muss?

    Die Kosten fuer einen solchen Aufzug sind immens…und ich denke, dass die wesentlichen Oertlichkeiten fuer Rollifahrer natuerlich erreichbar sein sollten….aber Maassstab fuer jede Realisierungsplanung bleibt die Finanzierbarkeit!
    Letzten Endes nuetzt es nmd., wenn das Schloesschen weiter dahinvegetiert und von nmd. genutzt werden kann, weil man nicht das Geld fuer einen Aufstuhl hat!

    • Nein, es bedeutet zum Beispiel auch, dass dann ältere Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Räume im ersten Stock nutzen können. Ich denke, es ist klug bei unserer älter werdenden Gesellschaft auch an solche Dinge zu denken, weil uns das letztlich alle betrifft.

  2. Pingback: Streit um einen Schaukasten am Schoeler-Schlösschen

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