Aktuelles / Freitag, 01.07.2016

Nächste Runde im Tauziehen um das Schoelerschlösschen

Herz von Wilmersdorf: Das Schoeler-Schlösschen ist ein Haus der Sorgen. Denn die Innensanierung kostet laut Bezirksamt 3 Millionen Euro - zu viel. Foto: Thomas Schubert

Das Schoelerschlösschen beflügelt die Fantasie der Bürger. Sie sammeln am Sonnabend Unterschriften gegen die Pläne von Stadträtin König. Dabei möchte auch sie das Schlösschen retten. Nur wie?

Von Thomas Schubert

Traumschloss oder traurige Ruine? Das Schoelerschlösschen an der Wilhelmsaue steht am Scheideweg. Und das seit vielen Jahren. Während engagierte Bürger und das Bezirksamt um die Rettung ringen, rottet das älteste Bürgerhaus Wilmersdorfs, seit 1765 das heimliche Herz des Ortsteils, hoffnungslos vor sich hin. Der Brandschaden aus dem Jahre 2003 im Inneren ist bis heute nicht geheilt. Und es vergeht keine Woche, in der die Passanten vor der intakten Außenfassade nicht ins Fluchen kommen über einen Stillstand, den in Wilmersdorf kaum einer versteht. Warum also geht es nicht voran?

Ein Haus – zwei Sichtweisen

Hierzu klaffen die Sichtweisen so weit auseinander, dass man sich fragt, ob es um das gleiche Häuschen geht. Es stehen sich gegenüber: Immobilienstadträtin Dagmar König (CDU), die Verwalterin dieses Juwels im Bezirksbesitz. Und die Bürgerinitiative Schoelerschlösschen um den Architekten Rainer Wittek. König sagt: „Diffamierende und falsche Aussagen“ aus den Reihen der Initiative hätten zuletzt dafür gesorgt, dass die Stiftung Deutsche Klassenlotterie um den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) ihren Antrag auf eine Förderung in Höhe von drei Millionen Euro mehrmals mit einem Nein beschied.

Die Initiative hält dagegen: Das Konzept an sich sei zum Scheitern verdammt. Zu viele Nutzungsarten habe König darin verschnürt: Bürgertreff, barrierefreies Standesamt, Café für Demente, Schaustelle für die Wilmersdorfer Geschichte. Doch der Hauptkritikpunkt: Soziale und kulturelle Angebote blieben in der Hand des Bezirks.

Bürger wollen das Schlösschen für sich

Stattdessen fordert die Initiative ein selbstverwaltetes soziokulturelles Zentrum. Man wünscht ein Bürgerschloss – und hat dafür schon eigene Pläne parat: „Wir möchten über unser Programm-, Gastronomie- und Organisationskonzept „Kultur für alle und von allen“ mit den Anwohnern diskutieren und unseren Architektenentwurf anhand von Plänen erläutern“, kündigt Initiativensprecher Wittek an. Am Sonnabend, 2. Juli, will die Gruppe vor der Eingangstür an der Wilhelmsaue 126 von 14 bis 17 Uhr ihre Konzepte präsentieren. Und sie sammelt Unterschriften für ihre Forderung, zusätzlich zu den 1000 bereits vorhandenen.

Bezirksamt oder Bürger? Wer im Schlösschen das Sagen haben soll, ist Gegenstand eines heftigen Streits. Foto: Thomas Schubert

Bezirksamt oder Bürger? Wer im Schlösschen das Sagen haben soll, ist Gegenstand eines heftigen Streits.  Zuletzt blockierte man sich gegenseitig. Foto: Thomas Schubert

Diese Veranstaltung gilt auch als Reaktion auf die letzte Debatte in der Bezirksverordnetenversammlung, als Stadträtin König auf Anfrage der SPD nur sehr zurückhaltend Antwort gab – zum Missfallen von Sozialdemokrat Holger Wuttig. „Wir werden Akteneinsicht verlangen“, kündigte er an. Und Alexander Kaas Elias (Grüne) kritisierte Königs Verschwiegenheit mit Blick auf jene, die sich bereits abwenden. „Etliche Leute wollen keine Ideen mehr einbringen, weil sie sich nicht ernst genommen führen“, warnt er davor, Nachbarn zu vergraulen. Sein Vorschlag: „Wir müssten einen Runden Tisch gründen und die Expertise bündeln.“

Wenigstens das Erdgeschoss nutzbar machen

Nun verhält es sich aber nicht so, dass König tatenlos bliebe. Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (alle CDU) arbeitet sie im vertraulichen Rahmen an einer eigenen Lösung. Das Ziel: 1,5 Millionen Euro aus Geldtöpfen für Denkmalförderung ergattern. Und damit wenigstens das Erdgeschoss des Schlösschens sanieren. „Die sehr offene Kommunikation hat zuletzt dazu geführt, dass ein übereifriger Bürger das Verfahren torpediert hat“, begründet sie den Umstand, dass es keine weiteren Informationen geben wird. Nicht noch einmal soll der Kritiker die Stifttungsjuroren verschrecken.

Ein Schaukasten vor verschlossener Tür

Um Transparenz herzustellen, hat König in der Zwischenzeit direkt vor Ort in der Wilhelmsaue einen Schaukasten mit Informationen zum Schoeler-Schlösschen platzieren lassen. Er befindet sich gleich neben der verschlossenen Tür. Traumschloss oder Haus der Sorgen? Ist und das Sollzustand des Schoeler-Schlösschen driften weiter auseinander.

 

Kommentare

  1. Ich möchte zu einigen Punkten des Berichts Hinweise geben:
    (1) „Der Brandschaden … ist bis heute nicht geheilt.“ – Der tatsächliche Brandschaden war minimal, wie ich selbst gesehen habe (kleines Feuer in einer Küche). Er wurde aber vom Bezirksamt benutzt, um das Haus von den Kindern zu räumen, da man es eh loswerden wollte. Der danach angezettelte Hickhack um den Umbau des Hauses und die Zahlungsunfähigkeit der Stiftung Denkmalschutz führten zum 13jährigen Schaden des Leerstands und der Unbenutzbarkeit im Innern. D.h.: Es mußte viel Geld für hochtrabende Pläne ausgegeben werden, um das Haus unbenutzbar zu machen.
    (2) „Juwel“: Nie war bis 2003 davon die Rede. Ich habe selbst den vernachlässigten Zustand im Innern gesehen. Das Haus wurde erst zum Juwel, weil der Bezirk es verkaufen (klappte nicht) bzw. es nicht der Bürgerinitiative (BI) zur Selbstverwaltung überlassen wollte.
    D.h.: erst zwecks Promotion, jetzt zwecks Abwehr der Bürger.
    (3) „Diffamierende und falsche Aussagen“: Frau König hat schon längst im persönlichen Gespräch eingeräumt, daß es in Wirklichkeit die SPD (unter Wowereit!) war, die die Lottogelder verhindert hat.
    (4) Frau Königs „Verschwiegenheit“: Schon im Sommer 2015 hatte Frau König der BI „vertrauensvolle Gespräche“ angeboten(ich bin Zeuge). Sie fanden nie statt. Ebenso nicht die von ihr angekündigten Werkstattgespräche – weder Anfang 2016 noch im April. „Grund“: kein Geld für Gesprächsleiter.
    (5) „Transparenz“, „Schaukasten“: Aber für den Schaukasten gab’s Geld. Schauen Sie sich die Aushänge genau an! Zeigen die Fotos, daß die Begehung „lebensgefährlich“ ist (so Frau Königs Argument, um BI und alle anderen nicht reinzulassen)? Sie zeigen eine gesicherte Baustelle! Und die „Geschichte …“ ab 2003: kein Wort über Verkaufsabsichten, über die Lotto-Ablehnungsgründe (offiziell: zu teuer, Konzept nicht geeignet), über die Bürger und ihre BI. Transparenz?

  2. Wenn es um Denkmalschutz geht, ist der SPD doch jeder Euro einer zuviel. Die Georg-Leber-Betonideologie der 70er Jahre lebt doch bei denen putzmunter weiter. Abreissen, plattmachen, weghauen, das fällt denen zu historischen Bauwerken ein. Man braucht sich nur deren Abrissbilanz z.B. im Ruhrgebiet anschauen. Heute will da kein Mensch mit etwas Geschmack mehr wohnen. Kaufhausbunker, Parkhausbunker und Schnellstraßen (ja, immer möglichst schnell weg, aber wohin?) durch die Städte holzen, das können sie, die Sozi-Kulturzerstörer. Man braucht sich ja nur die GRAUENHAFTE- Lewisham-Rennpiste anzuschauen, da haben auch SPD-„Stadtplaner“ mit einem Lineal eine Schneise gezogen und dann links und rechts alles plattgemacht. UNTERIRDISCHES Niveau, damals wie heute. Aber Niveausenkung ist ja die Spezialität der Sozis, siehe letzte MSA-Matheprüfung.

  3. Habe gerade geelsen, dass auch das Schoelerschlösschchen privatisiert werden sollte. TYPISCH!!! Und dann führt so eine unterirdische Type wie Marc Schulte, der wie immer von nichts eine Ahnung hat, „Geheimverhandlungen“ mit Typen wie Opengeym und zum Schluss wird dann die Eingangstür in den achtgeschossigen Neubau integriert. Das nennt man bei den Sozis behutsamer Denkmalschutz. WANN werden endlich diese „Volksvertreter“ privatisiert? Wer braucht die eigentlich. Was Schulte und seine Sozis von „Demokratie“ halten, hat doch der Bürgerentscheid zur Oeynhausener Kleingartenkolonie gezeigt! 76% der Bürger waren für den Erhalt, und Schulte macht die Siedlung platt und lässt seinen Verhandlungsfreund Groth dort ACHTGESCHOSSIG bauen. DAS hält die SPD vom Volkswillen! Groth spendet seinen zwei Lieblingsparteien insgesamt 80.000 Euro. Das muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Und Schulter freut sich immer, wenn der Beton fließt. Aus reinem Idealismus natürlich.

  4. Und zu dieser Frau König: Diese „Volksvertreter“, ganz besonders die der zwei „Volksparteien“, verwechseln doch laufend privat und staatlich. Die haben auch bekanntlich eine ganz besondere Wahrnehmung, vielleicht bedingt durch die endlosen üppigen Politiker-Buffets und den dazugehörigen Alkohol. Eventuell meint Frau König inzwischen, dass Schoelerschlösschen gehört eigentlich ihr, nachdem sie sich so wahnsinnige Verdienste erworben hat. Würde mich nicht wundern.

  5. Das Sachanliegen der Bürgerinitiative „Schoeler-Schlösschen“ wird frei von persönlichen Angriffen vorgetragen. Es verdient die Unterstützung der Wilmersdorfer Bürgerinnen und Bürger. Bei den Kontakten zur Bezirksverwaltung und zur Bezirksverordnetenversammlung steht der Wettstreit um das beste Konzept zur Nutzung des Schoeler-Schlösschen im Vordergrund. Hier haben alle Verantwortlichen im Bezirk immer noch keinen Wege gefunden, wie mit der Bürgerinitaitive, den Anwohnerinnen und Anwohnern rund um die Wilhelmsaue und im gesamten Bezirk umgehen wollen. Ja, es mangelt trotz vieler politischer Aussagen sogar an einem planungsreifen Konzept des Bezirksamts. Da wird zwar stets auf die Einigkeit in der Sache hingewiesen, jedoch ein Beschluss des Bezirksamts liegt nicht vor. In diesem Durcheinander wird das Bezirksamt Mitte Juni öffentlich gefragt, ob ein Antrag auf Aufnahme in das Denkmalschutz-Sonderprogramm VI der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gestellt worden ist. Eine einfache Recherche im Netz hätte der fragenden SPD-Fraktion aufgezeigt, dass dieses Programm aufgelegt worden ist, um die Sanierung und Modernisierung natioal bedeutsamer Orgeln finanziell zu fördern. Daran hatte jedoch bisher niemand gedacht. Eine Orgel im Schoeler-Schlösschen! So verrückt ist inzwischen die Diskussion um das Denkmal geworden. Bleibt der Aufruf zum gemeinsamen Handeln übrig. Aber, das gesamte Bezirksamt ist am Zuge.

  6. Pingback: Neuer Anlauf für die Sanierung des Schoeler-Schlösschens

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