Aktuelles / Montag, 02.11.2015

Endspurt für das
Museum der Träume

Der Architekt Nils Hauer stand den Kindern mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie Hilfe bei ihren Modellen brauchten.

In einem Workshop im Bauhaus-Archiv verwirklichten Kinder ihre Vorstellungen des idealen Museumsbaus. Eine Ausstellung zeigt einen kleinen Vorgeschmack.

Von Charlene Rautenberg

Es raschelte auf dem Boden und auf den Tischen, in der Luft hing der Geruch von Kleber und Pausenbrot – hier noch ein bisschen schneiden, da noch ein bisschen kleben. Während viele Lehrer vor einem Museumsbesuch erst einmal Überzeugungsarbeit leisten müssen, war im neuen Veranstaltungspavillon des Bauhaus-Archivs am Wochenende von Langeweile keine Spur.

Ideen für das ideale Museum

Der Herbstferien-Workshop, bei dem Kinder von acht bis zwölf Jahren in Zusammenarbeit mit dem Bauhaus-Archiv und dem Verein „Jugend im Museum e.V.“ ihre Vorstellungen eines idealen Museumsbaus verwirklichen konnten, findet nun seinen Höhepunkt: Die fertigen Architekturmodelle und Skizzen werden vom 4. bis zum 23. November 2015 in der Sonderausstellung „jung2: Das Museum der Zukunft“ im Museumsbau des Bauhaus-Archivs für das internationale Publikum zu sehen sein. Die Ausstellungseröffnung findet am 3. November um 18 Uhr statt. Dort wird auch der Gewinner des Fotowettbewerbs bekannt gegeben, bei dem Berliner Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren das denkmalgeschützte Gebäude des Bauhaus-Archivs fotografierten.

„Eine richtige Ikone“

Das nach einem Entwurf von Walter Gropius ab 1976 errichtete und 1979 eingeweihte Gebäude lieferte den Kindern jede Menge Ideen für ihr „Museum der Träume.“ Am ersten Tag des Workshops durften sie einen Blick hinter die Kulissen des Museumsbaus werfen. „Das ist eben eine richtige Ikone“, sagt Nils Hauer. Der Architekt gab den Kindern bei der Umsetzung ihres Projektes praktische Tipps. „Hauptsächlich sollten die Kinder aber selbstständig arbeiten“, verriet er.

Der Architekt Nils Hauer stand den Kindern mit Rat und Tat zur Seite, wenn sie Hilfe bei ihren Modellen brauchten. Fotos: Charlene Rautenberg

Arto (11) ist stolz auf sein „Zukunftsmuseum“, das er im Herbstferienworkshop geplant und gebaut hat. Fotos: Charlene Rautenberg

Arto, 11, ist stolz auf sein „Zukunftsmuseum“, es steht auf einem Podest und besitzt zwei Stockwerke. Oben sollen die Büros und unten die Ausstellungsräume zu finden sein, in denen er am liebsten Fotografien und Bilder unterbringen würde. Das „Museum für Moderne Kunst“ von Siri, 11, und ihrer Freundin Pauline, 12, zeigt Fotografien von Elefanten, Affen und Löwen. Besonders wichtig ist ihnen das Café auf der Dachterrasse. „Ich liebe es einfach, draußen zu sein“, sagt Siri. Mit ihren Eltern gehe sie geht sie gern ins Museum. Ihre Lieblingskünstler sind Pablo Picasso und Paul Klee.

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Das „Museum für Moderne Kunst“ von Siri und Pauline. Hier fehlt nur noch das Dach.

Elli, 8, und Valentina, 8, wissen auch schon genau, wie ihr Museum aufgebaut sein soll. „Es soll ein Wohnmuseum sein. Oben wohnen die Maler und unten sind die Kunstwerke ausgestellt“, sagte Valentina. Kasse, Garderobe, Museumsshop und Schlafzimmer. Die beiden haben an alles gedacht. „Nur leider habe ich Shop falsch geschrieben“, sagte die Achtjährige etwas bedrückt.

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Oben schlafen die Künstler, unten finden Ausstellungen statt. Das Gebäude von Elli und Valentina soll ein Wohnmuseum sein.

Das ideale Museum von Leonard, 10, hat eine Kletterwand, an der sich die Kinder die Zeit vertreiben können, wenn es ihnen im Museum zu langweilig wird. „Für die Sicherheit ist natürlich gesorgt“, sagte er. Sogar an die Barrierefreiheit hat er gedacht, denn jeder soll sein Museum besuchen können. Kunstkritiker dürfen aber seiner Meinung nach draußen bleiben.

In Leonards Museum sind (fast) alle willkommen. In der Hand sein Lieblingswerkzeug.

In Leonards Museum sind (fast) alle willkommen. In der Hand sein Lieblingswerkzeug.

„Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Arbeiten in einem Museum wie dem Bauhaus-Archiv auszustellen, das ist doch eigentlich schon das Museum der Zukunft“, resümiert Architekt Nils Hauer.

Informationen

„jung2: Das Museum der Zukunft“
Ausstellungseröffnung am Dienstag, den 3. November 2015 um 18 Uhr
Ort: Bauhaus-Archiv/ Museum für Gestaltung, Klingelhöferstraße 14, 10785 Berlin

Die Sonderausstellung ist vom 4. bis 23. November 2015 im Bauhaus-Archiv zu sehen.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag: 10-17 Uhr, dienstags geschlossen.
Eintritt: Erwachsene Mi, Do, Fr 7 Euro/ Sa, So, Mo 8 Euro
Ermäßigt Mi, Do, Fr 4 Euro/ Sa, So, Mo 5 Euro
Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren frei