Aktuelles / Mittwoch, 27.09.2017

Monika-Thiemen-Preis 2017
geht an Carola Zarth

Preisträgerin Carola Zarth (M.) mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und der Stifterin des Preises, der ehemaligen Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen (SPD). Foto: Carolin Brühl

Zum zehnten Mal zeichnet der Bezirk eine „Frau in Verantwortung“ mit dem Monika-Thiemen-Preis aus. Die diesjährige Preisträgerin ist Carola Zarth.

Von Carolin Brühl

Carolin Zarth ist die Geschäftsführerin der Auto-Elektrik Günter Holtz GmbH Co. KG und hat den mit 1000 Euro dotierten Preis in diesem Jahr unter anderem deswegen gewonnen, weil sie sich innerhalb ihres Betriebs für flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle einsetzt, erklärte Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) anlässlich des Festakts am Dienstag. Doch Ihr Engagement für Frauen und die Schwachen in der Gesellschaft hat noch andere Facetten.

Das Duo „Klaster Royall“ mit Franziska Weiß und Ishlar Corinna Smolny-Thoms gestalteten den Abend musikalisch und dichteten viele ihrer Lieder auf die Profession der Preisträgerin um. Foto: Carolin Brühl

Familienunternehmen mit Tradition

Schon 1930 gründet Carola Zarths Großvater Franz Holtz seine Autowerkstatt, die von Anfang an Bosch als Partner hat. Ihr Vater führt den Betrieb fort. 1965 in Charlottenburg geboren, wächt Zarth früh in das Unternehmen ihrer Familie hinein. Mit 14 Jahren macht sie ihr erstes Ferienpraktikum in der Werkstatt. Doch die Schrauberei ist nicht so ihr Ding, obwohl das in den 80er-Jahren gerade bei Frauen eine Zeit lang durchaus angesagt war. Die Arbeit mit den Kunden und Mitarbeitern findet sie interessanter.

Nach ihrem Realschulabschluss absolviert sie eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei einem Bosch Kfz-Großhandel in Berlin. Unterstützt von Ihrem Vater steigt sie dann 1984 ins Familienunternehmen ein. Schon damals treibt sie Ihr Leitspruch, „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, an. Denn als erste Amtshandlung tauscht sie die Schreibmaschinen im väterlichen Unternehmen gegen einen Computer aus. Der Rechner füllt damals noch einen ganzen Raum.

Schon früh unterstützt vom Vater

Offenheit für Ihre Pläne und Unterstützung findet sie bei ihrem Vater, der schon sehr früh in sein Testament aufgenommen hat, dass er sich freuen würde, wenn eine seiner Töchter das Unternehmen fortführen würde. Nur neun Jahre später übernimmt sie nach seinem Tod den Betrieb. Gerade im Umgang mit den männlichen Mitarbeiter gibt es zu Beginn Akzeptanzprobleme. „Viele hatten mich schon als Baby auf den Knien geschaukelt, um ihren Respekt als Chefin in so einer Männerdomäne musste ich lange kämpfen“, erinnert sie sich.

Inzwischen weiß sie die richtigen Fragen zu stellen. „Ich habe mir inzwischen doch einiges angeeignet. Alle unsere Mitarbeiter haben ja auch bei uns gelernt, und wenn ich nachfrage, wird mir auch in der Werkstatt schon lange nichts mehr von oben herab erklärt, sondern auf einer gleichberechtigten Ebene.“ Immerhin kann in technischen Fragen auch ihr Mann aushelfen, der auch im Unternehmen mitarbeitet. Innerfamiliäre Konflikte um die Führung des Betriebs gab es Zarth zufolge allerdings nie. „Mein Mann ist da nicht so der Typ für. Er arbeitet lieber an den Fahrzeugen und hat sich auf die Reparatur von Oldtimern spezialisiert. Das ist einfach mehr sein Ding“, sagt Carola Zarth.

Verantwortung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten

Nicht immer waren die Zeiten für ihr Unternehmen leicht. Ende der 90er ist die wirtschaftliche Lage so, dass Zarth auch Mitarbeiter entlassen muss. Mit Argwohn schaut sie deshalb darauf, wenn Manager ein Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen, Arbeitsplätze abbauen und dann noch mit einem goldenen Handschlag verabschiedet werden. Eine ihrer Mitarbeiterinnen sagt dazu: „Für Frau Zarth galt immer: Bangemachen gilt nicht.“ Sie selbst sagt, ihr Credo als Unternehmerin sei es, so zu handeln, „dass ich mir jeden Morgen im Spiegel in die Augen schauen kann.“

Mit der Zeit gehen und neue Geschäftsfelder erschließen

„Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit“, lautet ihr Motto. Das gilt insbesondere auch für ihr Unternehmen. „Ich sage da immer den Kollegen, wie wichtig es ist, dass wir uns neue Geschäftsfelder erschließen.“ Acht Männer und drei Frauen arbeiten in dem mittelständischen Unternehmen. Vor einigen Jahren ließ sie Mitarbeiter für die Reparatur von Elektrorollern schulen. Die emissionsarmen Fahrzeuge liegen im Trend. Pizzalieferdienste nutzen sie ebenso wie Bewohner der City. Vergangenes Jahr gewann das Unternehmen Coup Mobility als neuen Kunden. Die Bosch-Tochter betreibt einen E-Roller-Verleih in Berlin. Von diesem neuen Geschäftsfeld hat die Werkstatt, die zentral in Charlottenburg in der Nähe der TU liegt, profitiert.

Engagement auch außerhalb des Betriebs

Carola Zarths Engagement macht nicht an der Tür ihres Unternehmens Halt. Schon weit vor der sogenannten Flüchtlingskrise hat sie vor sieben Jahren damit begonnen, mit Arrivo zusammenzuarbeiten – einem Verein, der Flüchtlinge in den Berliner Arbeitsmarkt vermittelt. Mindestens zehn Praktikanten hat sie seither in ihrer Werkstatt beschäftigt. Das gehöre zur sozialen Verantwortung, die man als Unternehmer habe, sagt sie.

Carola Zarth stieß auch als erste Frau in den Vorstand der Handwerkskammer Berlin. Doch um den Nachwuchs in den technischen Berufen des Handwerks ist es nicht gut bestellt. Sie bedauert, dass es in Berufen wie Tischler, Dachdecker, Bauhandwerker, Schornsteinfeger oder eben auch Automechaniker nur sehr wenige Bewerberinnen gibt und fordert, dass man früher in den Schulen damit beginnt, Mädchen die Möglichkeit zu geben, mehr Berufe auszuprobieren. Stolz erzählt sie von der Kampagne der Handwerkskammer „#Einfach machen“, wo es ganz speziell darum geht, dass Mädchen in möglichst vielen Berufen Praktika zu machen. „Denn man kann nicht wissen, was nichts für einen ist, wenn man es nicht ausprobiert hat“, sagt sie.

„Carola Zarth ist ein Mensch,der in sich ruht“

Die Förderung und Vernetzung von Frauen liegt Ihr am Herzen. 1991 gründet sie die „Unternehmerfrauen im Handwerk“ in Berlin, führt sie 16 Jahre lang und ist heute Ehrenpräsidentin. Ihre Nachfolgerin Beate Roll schätzt Ihre Zielstrebigkeit und Zukunftsorientiertheit in Bezug auf die Förderung von Frauen. Sie sagt aber auch: „Carola Zarth ist einfach ein Mensch, der in sich ruht und, und der einfach da ist, wenn man einmal Probleme hat.“

Daneben ist sie seit vielen Jahren auch politisch aktiv. Sie ist 1983 in die CDU eingetreten und aktiv im Vorstand des Ortsverbands Schloss. 2016 hat sie fürs Abgeordnetenhaus kandidiert und sich trotz Familie und der Arbeit in ihrem Unternehmen auch jetzt im Bundestagswahlkampf wieder sehr engagiert. Ihr Parteifreund, der Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Gröhler sagt über sie: „Carola Zarth hat es nicht nur geschafft, die Historie ihrer Familie zu bewahren, sie hat sich in den 80er-Jahren auch in ihrer Branche durchgesetzt. Sie war nebenher immer noch politisch aktiv und hat als Ehefrau und Mutter für ihre Familie gesorgt. Ich habe sie immer bewundert dafür, wie sie das alles hinbekommt. Sie ist nicht nur ungeheuer sympathisch, sondern auch fleißig und patent.“

Ehemann kurzentschlossen nach Kanada geschickt

Wie patent sie sind, zeigt auch ihre Antwort auf die Frage, wie es Ihr Mann eigentlich aufnimmt, dass sie so viel unterwegs ist: „Ich habe ihn sowohl letztes, wie auch in diesem Jahr im Wahlkampf nach Kanada geschickt. Ich habe ihm gesagt, Junge, da muss nicht gekocht und gewaschen werden und du vereinsamst auch nicht.“ Beide sind große Kanada-Liebhaber und haben Freunde dort. In späteren Jahren, so ihr Traum, wollen sie in dem nordamerikanischen Land statt weniger Wochen im Jahr ein paar Monate unterwegs sein.

Carola Zarth mit Tochter und Mutter. Foto: Carolin Brühl

Wenn die Zeit aber gekommen ist, wird Ihr Unternehmen vermutlich nicht mehr von einem Familienmitglied fortgeführt werden. Tochter Ann-Cathrin studiert Kindheitspädagogik. „Es war mein Traum, in das Unternehmen einzusteigen“, sagt Carola Zarth. Sie hätten das auch in schlechten Jahren nie bereut. Man könne aber nicht von seinen Kindern erwarten, dass sie den eigenen Traum weiterleben. Vielleicht, so hofft sie, übernehme ja mal einer der Mitarbeiter den Betrieb.

Tochter wird das Familienunternehmen nicht übernehmen

Auf die Frage, ob ihre Mutter ein Vorbild für sie sei, antwortete Ann-Cathrin Zarth ohne zu zögern und mit großem Nachdruck: „Definitiv!“ Sie sei „die beste Mama, die man sich vorstellen kann.“ Man könne immer zu Ihr kommen, egal, was los sei. „Meist weiß sie schon, wo der Schuh drückt, bevor ich es selber weiß. Sie kennt mich einfach in- und auswendig“, sagt sie. Obwohl sie glaubt, das Verantwortungsbewusstsein und Organisationstalent ihrer Mutter gerbt zu haben, will sie nicht in deren berufliche Fußstapfen treten. Sie wolle mit Kindern arbeiten“, sagt sie. In ihrer Familie sei auch von Anfang klar kommuniziert worden, dass kein Druck bestünde, dass sie irgendwann mal den Betrieb übernehmen müsse.

Ein Ausflug mit dem Team

1000 Euro beträgt das Preisgeld, das Carola Zarth am Dienstag erhalten hat. Für sich allein will sie es indes nicht ausgeben. „Als ich 2003 schon einmal einen Preis gewonnen habe, bin ich mit meinen Mitarbeitern dafür nach Mallorca geflogen. Als sie gehört haben, dass ich wieder einen Preis gewonnen habe, fragten sie gleich, wohin es dieses Mal geht“, sagt sie.