Aktuelles / Mittwoch, 27.01.2016

Mit dem Faltblatt durch den Regenbogenkiez

Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler zeigt, wie selbst Berliner im Kiez unweit des Nollendorfplatzes noch Neues entdecken können Foto: Brigitte Schmiemann

Mit kleinen Faltblättern können Touristen jetzt die Schöneberger Kieze erobern. Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler begeistert damit die Hoteliers.

Von Brigitte Schmiemann

Es soll keine Massenware sein. Deshalb werden die kleinen Faltblätter im praktischen Taschenformat auch nur an Hotelgäste herausgegeben, die gezielt an der Rezeption nach einem Tipp für die nahe Umgebung fragen. Am Mittwoch haben Bezirksbürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) und das Regionalmanagement City West die neuen Tourismusführer vorgestellt.

Drei Routen gibt es, aus denen das Paket mit den Spaziergängen besteht, dabei geht es durch den Schöneberger Norden mit der Potsdamer Straße, durchs Bayerische Viertel mit dem Rathaus Schöneberg und durch den Regenbogenkiez mit dem U-Bahnhof Nollendorfplatz.

„Eine absolute Bereicherung für unsere Gäste und eine gute Chance, die Gäste bei uns in der Gegend zu halten“, sagte Tina Brack, die geschäftsführende Direktorin des Hotel Ellington, das seinen Sitz in der Nürnberger Straße hat, noch in Schöneberg, doch der andere Bürgersteig der Nürnberger ist schon Charlottenburg. So wie ihre Kollegen engagiert sich die Hotelchefin im Hotelnetzwerk, das sich regelmäßig trifft. Sie alle sind überzeugt von dem neuen Format, das in Amsterdam bereits sehr gut funktioniert, wie die bezirkliche Wirtschaftsförderung weiß.

6000 Euro kostet das Pilotprojekt

In einer ersten Auflage wurden drei Mal 20.000 Stück der Spaziergänge gedruckt. Die Kosten, größtenteils Druckkosten, weil sich die Mitarbeiter des Bezirks und des Regionalmanagements um die Inhalte und die Gestaltung kümmerten, teilten sich Bezirk und Regionalmanagement. 6000 Euro.

Auch Visit Berlin zeigte sich von der Idee angetan. „Die Strategie ist gut, Kompliment, die Touren sind eine sehr gute Ergänzung zu unseren Materialien, sollten aber keine Bückware werden. Es wäre schade, wenn wir sie nicht in unsere Vermarktungskanäle aufnehmen könnten“, sagte Gerhard Buchholz von Visit Berlin. Schöttler nahm die Anregung auf: „Jeder Weg, der uns hilft, gezielt an die Touristen zu kommen, ist ein guter Weg.“

„Tourismus verträglich gestalten“

Von den rund 30 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr entfallen laut Angaben des Bezirks immerhin 1,3 Millionen auf Tempelhof-Schöneberg. „Die Hotelwirtschaft boomt, das freut auch uns“, so Schöttler. Sie wolle nicht, dass ganze Stadtteile von Einwohnern verwaist sind, weil die Menschen wegen des Tourismus wegziehen, sie glaube daran, dass Tourismus und Wohnen verträglich gestaltet werden können.

Bei einer Befragung zum touristischen Nutzungsverhalten habe sich herausgestellt, dass etliche Besucher der Stadt mehrmals kommen. Und nachdem sie die großen Wahrzeichen der Stadt besichtigt haben, attraktive Anlaufpunkte in den Kiezen suchen. „Deshalb haben wir uns in Kooperation mit unserer Wirtschaftsberatung und dem Regionalmanagement die drei Kiezführer einfallen lassen“, so Schöttler.

Dass gerade der Viktoria-Luise-Platz in diesem Jahr erstmals keine Schmuckbepflanzung mehr erhalten soll, bedauert auch die Bezirksbürgermeisterin. Aus Kostengründen habe das Fachressort so entschieden. 62.000 Euro, um die nötigen speziellen Züchtungen für diesen Schmuckplatz ein Jahr vorher bei einer Gärtnerei in Auftrag zu geben, seien nicht vorhanden gewesen. Damit die Pflanzen im kommenden Sommer wenigstens für das kommende Jahr bestellt werden können, hofft die Bezirksbürgermeisterin jetzt auf Sponsoren: „Und wenn es nur ein Teil wäre, wir wissen ja auch, wie wichtig dieser Platz ist.“