Aktuelles / Samstag, 11.11.2017

Matthew Rolston lässt Hollywood leuchten

Isabella Rossellini 1988. Foto: Matthew Rolston/Camera Works

Der amerikanische Star-Fotograf Matthew Rolston hatte sie alle vor seiner Linse. Eine Ausstellung bei Camera Work zeigt seine Star-Porträts.

Von Gabriela Walde

Dem Mann reichen 24 Stunden am Tag wohl kaum, für all das, was er macht. Auf seiner Website sieht man, dass Matthew Rolston (62) in verschiedenen Phasen und Themen arbeitet, Fotografie, Filmclips, Ausstellungen, Fotobände. Madonna, Janet Jackson und Christina Aguilera orderten ihre Musikvideos bei ihm. Es kommt auch vor, dass er ausgefallene Brands für ausgefallene Hotels entwirft, wie das Redbury in Kalifornien. Dessen Fassade wirkt von Weitem wie ein gemaltes Bild, das Interieur fast wie ein Bühnenbild aus den 20er-Jahren. Bei all diesen Medien liegt der Fokus immer auf dem Visuellen.

Christy Turlington, 1987

Andy Warhol war es, der ihn als Fotograf für sein Magazin „Interview“ entdeckte und der ähnlich arbeitete. Der Erste, den Rolston vor seine Kamera bekam, war Steven Spielberg. Wer im Dunstkreis von Warhols „Factory“ verkehrte, hatte entsprechend gute Kontakte zur Kunst-, Schauspiel- und Modelszene und allen, die sich irgendwie für kreativ hielten. In den späten 70er-Jahren war „Interview“ eine wichtige Plattform für innovative, künstlerisch anspruchsvolle Magazinfotografie. So überrascht es kaum, dass Matthew Rolston bald darauf die Cover für das „Rolling Stone“-Magazin fotografieren durfte. Später folgten Aufträge von „Harper’s Bazaar“, „Vogue“ und „The New York Times Magazine“.

Cyndi Lauper, „Crystals“, 1986

Camera Work in der Kantstraße zeigt nun eine Auswahl seiner frühen Glamourfotografien. „Hollywood Royale: Out of the School of Los Angeles“ versammelt Popstars wie Michael Jackson, Prince, Don Johnson und Sylvester Stallone im Geist der 80er-Jahre, die momentan ein recht lebendiges Mode-Revival mit Puffärmeln und Flokati­jacken feiern. Und wer noch einmal die Höhenflüge der analogen Fotografie sehen möchte, ist hier genau richtig. Unschwer sind bei Rolston auch Motive aus dem Surrealismus auszumachen: Christy Turlington in Doppelbelichtung in der Serie „Surreal Thing“ oder Anitta alias „Flower Gown“ als magische Blütenzauberin.

Steven Spielberg, 1977

In Matthew Rolstons Fotos wird die Schönheit auf ihre Weise zelebriert. Nicht ohne dem Einfluss des mächtigen US-Kinos und dem Bildrepertoire alter Hollywood-Regisseure wie Josef von Sternberg. Der wusste genau, wie man das Funkeln einer Marlene Dietrich in Szene setzt. Camera Work illustriert das mit entsprechenden Dokumenten, sodass Vorbilder erkennbar sind. Das berühmte Still der Shanghai Lily (1932) zeigt ihr zart-markantes Gesicht, wie es sich hell leuchtend aus dem Dunkel schält. Alles Licht fällt auf die fein geschnittenen Linien zwischen Augen und Wangen und verleiht der Diva ein geradezu überirdischen Strahlen. Dieses ausgetüftelte Licht- und Schattenspiel findet sich auch in vielen Fotografien Rolstons wieder. Nicht zu übersehen sind auch die direkten Anleihen von Sternbergs „Marokko“ im Porträt von Madonna. Die Queen of Pop sitzt im strengen Männerjackett vor dem Schminkspiegel und schaut uns wie einst Marlene in die Augen – allerdings etwas unterkühlter. „I changed my mind. Good luck“ steht mit Lippenstift auf dem Spiegel geschrieben – ein schönes Understatement.

Information

Camera Work, Kantstr. 149. Di–Sbd. 11–18 Uhr. Bis 2. Dezember. Katalog: 98 Euro

 

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