Aktuelles / Donnerstag, 10.08.2017

KaDeWe wird Hauptdarsteller in einer TV-Serie

Das KaDeWe an der Tauentzienstraße auf einer Postkarte von 1910, drei Jahre nach seiner Eröffnung. Foto: dpa/pA/arkivi

Berlin bleibt der Sehnsuchtsort vieler Produzenten. Die Ufa Fiction hat sich jetzt die Rechte an der Verfilmung der Geschichte des berühmten Kaufhauses gesichert.

Von Felix Müller

Erst eine gute Woche ist es her, dass die Constantin Film verkündete, die Geschichte der „Kinder vom Bahnhof Zoo“ als Serie neu verfilmen zu wollen. Nun wissen wir, dass bald auch eine zweite Institution des Berliner Westens zur Kulisse eines Mehrteilers wird: Die in Potsdam ansässige Produktionsfirma Ufa Fiction hat sich die Rechte für die Geschichte des Kaufhauses des Westens gesichert. „Die Geschichte des KaDeWe und Geschichten aus dem KaDeWe fanden wir schon immer erzählenswert“, ließ das Kaufhaus wissen. „Dass die Ufa Fiction diese Geschichte nun verfilmen will, freut uns außerordentlich.“

Wer mitspielt, ist noch nicht entschieden

Wer bei dem Mehrteiler Regie führen und mitspielen wird, wann und wo er ausgestrahlt wird – das alles ist noch nicht entschieden. Sicher ist aber, dass sich anhand des KaDeWe die Berliner Geschichte der vergangenen 110 Jahre prägnant und anschaulich erzählen lassen kann. Der Großkaufmann Adolf Jandorf eröffnete mit ihm sein siebtes und letztes Kaufhaus in der Stadt, das sich aber durch seinen luxuriösen Anspruch von seinen vorherigen Gründungen stark unterschied. Der Architekt Johann Emil Schaudt, zuvor für das Bismarck-Denkmal in Hamburg und später für den Berliner U-Bahnhof Rathaus Schöneberg verantwortlich, plante den fünfstöckigen Bau am verkehrsgünstig gelegenen Wittenbergplatz.

Deutsche Geschichte anhand eines Kaufhauses erzählt

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft sah sich Jandorf, wie auch andere Warenhausbesitzer der Hauptstadt, immer wieder antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt. 1926 entschloss er sich, seine Warenhäuser an das Handelsunternehmen Hermann Tietz und Co. zu veräußern, dessen Geschäftsführer von den Nationalsozialisten wenige Jahre später enteignet wurden. Als 1943 ein US-Kampfflugzeug in das Dachgeschoss stürzte, brannte das Warenhaus fast vollständig aus. 1950 konnte es nach Umbaumaßnahmen wieder eröffnet werden und wurde in den kommenden Jahrzehnten kontinuierlich erweitert. Es hat sich, heute mehrheitlich im Besitz der thailändischen Central Group, seinen Ruf als mondäne und exquisite Adresse bis heute erhalten.

Erfolg und Gründergeist jüdischer Kaufleute

Der Erfolg und der Gründergeist jüdischer Kaufleute in Kaiserreich und Weimarer Republik, ihre systematische Ausgrenzung und Entrechtung durch die Nazis, die Zerstörungen des Krieges und der beispiellose Boom des westdeutschen Wirtschaftswunders in den Fünfzigern: Das alles lässt sich an kaum einer Berliner Einrichtung so gut erzählen wie anhand des KaDeWe.

Vielzahl historischer Serienprojekte

Der Plan der Verfilmung reiht sich ein in eine Vielzahl von historischen Serienprojekten der letzten Jahre und der nächsten Zeit. Die Ufa Fiction hat mit der von der Kritik gelobten, vom Publikum leider vernachlässigten Serie „Deutschland ’83“ bereits Kompetenz im historischen Fach gezeigt – wie auch mit dem ZDF-Dreiteiler „Ku’damm 56“ (2016) oder dem aufwendigen, im März und April in der ARD ausgestrahlten Sechsteiler „Charité“ über das weltbekannte Krankenhaus.
Ab dem 13. Oktober wird, zunächst nur auf dem Bezahlsender Sky, Ende 2018 dann auch im Ersten, die in Babelsberg gedrehte Großproduktion „Babylon Berlin“ ausgestrahlt, die in den wilden 20er-Jahren spielt und für die eine Kooperation der X Filme Tom Tykwers, ARD Degeto, Sky und Beta verantwortlich zeichnet. Auf der diesjährigen Berlinale feierte außerdem die sehenswerte Neuköllner Gangster-Saga „4 Blocks“ mit Kida Khodr Ramadan und Frederick Lau Premiere, die man sich seit Mai auf dem Pay-TV-Sender TNT Serie ansehen kann. Derweil schickt der Streamingdienst Netflix bereits seit einigen Wochen in „Berlin Station“ amerikanische Agenten durch das spannende Berlin der Gegenwart, um dort Whistleblowern auf die Spur zu kommen.

Berlin Sehnsuchtsort vieler Produzenten und Zuschauer

Dass die Hauptstadt auch auf dem Bildschirm der Sehnsuchtsort vieler Produzenten und Zuschauer ist, kann sicher nur zum Teil mit den Segnungen der deutschen Filmförderung und des Medienboards Berlin-Brandenburg erklärt werden. In ihr spiegelt sich der steigende Rang Berlins als Weltmetropole – mit allen negativen und positiven Begleiterscheinungen, die dazu gehören. Eigentlich fehlt nur noch eine Science-Fiction-Serie aus der Hauptstadt. Doch was die Zukunft bringen wird, das konnte hier noch nie jemand so genau sagen.