Aktuelles / Donnerstag, 14.01.2016

Investor will Gloria-Palast
am Kudamm abreißen

Neues Gardemaß am Ku'damm? Der Gloria-Palast soll einem Neubau weichen, der sich an der Höhe des achtstöckigen Upper-West-Hochhaussockels orientiert. Foto: Thomas Schubert

Der Eigentümer hat einen Abrissantrag beim Bezirksamt gestellt. Der Neubau soll viel höher werden und sich an der Höhe des Upper-West-Sockels orientieren.

Von Thomas Schubert

Und wieder droht einer  Institution der City West das Aus. Nach dem Hotel Kempinski und dem Café Kranzler betrifft es jetzt den leer stehenden Gloria-Palast. „Der neue Eigentümer hat gutachterlich feststellen lassen, dass die Fassade nicht standfest sind“, sagte Rainer Latour, der Leiter des Stadtplanungsamtes im zuständigen Ausschuss der BVV. Das Ziel des Bauherrn sei, den Bestandsbau abzureißen und durch ein höheres Gebäude zu ersetzen.

Bezirk will eigenes Gutachten einholen

Inwiefern die Fassade schützenswert sei, werde momentan geprüft, sagte Latour. Man befinde sich dazu derzeit im Gespräch mit dem Landesdenkmalamt. Außerdem werde das Bezirksamt ein eigenes Gutachten einholen, um die Standfestigkeit der historischen Fassade seinerseits zu prüfen.

Fast winzig nimmt sich die Bebauung am Kudamm zu Füßen des Upper West aus. Das "Gloria" im Bild vorne in der Mitte mit Schnee bedeckten Dach soll abgerissen werden. Foto: Schmiemann

Fast winzig nimmt sich die Bebauung am Kudamm zu Füßen des Upper West aus. Das „Gloria“ im Bild vorne in der Mitte mit Schnee bedecktem Dach soll abgerissen werden. Foto: Brigitte Schmiemann

Mittels einer Powerpoint-Präsentation soll der Eigentümer vorgeführt haben, wie „zwei Kudamm-Gebäude in die Luft fliegen – also abgerissen werden“, berichtete Latour weiterhin. An ihrer Stelle wuchs in der Präsentation eine neue Bebauung, die sich nicht an der Höhe anderer Kudamm-Bauten orientiert, sondern an der „zu hohen Höhe des Sockelgeschosses des Upper West“. Jenes weise eine Gebäudehöhe auf, die die anderen auf dem Boulevard um zwei Geschosse überragt. Schon beim Bebauungsplanverfahren habe man die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung auf dieses Problem hingewiesen – „aber wir sind mit unserer Kritik weggehoben worden“, bedauert Latour.

Neubau soll deutlich höher werden

Jetzt war im Fall des Gloria-Palastes erstmals ein Käufer der Meinung, der Bezirk habe mit dem Upper-West-Sockel eine neue Gebäudehöhe generiert. In der Tat bleibt es aber dabei, dass sich Neubauten weiter an den Nachbarhäusern orientieren müssen, und nicht am laut Latour „zu hohen Sockel“ des Upper West.

Bezirkspolitiker mahnen Erhalt an

Besorgt äußerte sich über diese Nachricht CDU-Stadtentwicklungspolitiker Arne Herz. „Wir haben oft darüber geredet, wie sich der Kudamm ändert. Und wie wichtig es ist, gewisse Überlieferungen zu wahren“, mahnte er zum behutsamen Umgang mit den Bestandsbauten des Boulevards. Ähnliche klang die erste Reaktion von Heike Schmitt-Schmelz, der baupolitischen Sprecherin der SPD. „Ich finde es schwierig, Gebäudefassaden abzureißen, die eine Geschichte erzählen“, sagte sie. Für eine konkrete Einschätzung brauche es aber mehr Informationen. Eine Anfrage des CDU-Bürgerdeputierten Jürgen Lautsch, das Vorhaben des Gloria-Palast-Eigentümers im Stadtentwicklungsausschuss vorzustellen, lehnte das Bezirksamt zunächst ab.

Der Gloria-Palast auf einer alten Postkarte: Mit fast 1000 Plätzen war der Gloria-Film-Palast das erste Großkino nach dem Krieg. 1998 schloss das Filmhaus.

Der Gloria-Palast auf einer alten Postkarte: Mit fast 1000 Plätzen war der Gloria-Film-Palast das erste Großkino nach dem Krieg. 1998 schloss das Filmhaus.

Was das alte Haus für die City West bedeutet

Der Gloria-Palast war eines der interessantesten Kinos im Berliner Westen. Berühmt wurde es dadurch, dass hier der erste deutschsprachige Tonfilm uraufgeführt wurde.  Das Gebäude befand sich ursprünglich am Kurfürstendamm 10–10a, nach dem Krieg erfolgte ein Neubau in unmittelbarer Nachbarschaft, am Kurfürstendamm 12–13, der 1949 eröffnete. Einige Jahre lang war das Filmtheater sogar offizielles Berlinale-Kino. 1971 erfolgte ein Umbau, später kam im Untergeschoss der kleinere Saal Gloriette hinzu. 1986 wurden beide Säle im Zuge des Neubaus der Gloria-Passage komplett neugebaut. 1998 wurde das Kino geschlossen und markierte damit einen traurigen Punkt im Kinosterben der alten Berliner City West. Zehn Jahre später zogen Läden in die neu entstandene Passage.  Trotzdem ist der Gloria-Palast nicht ganz verschwunden, vom ehemaligen Kino sind bis heute das unter Denkmalschutz stehende und restaurierte Foyer mit dem Kassenhäuschen und der Wendeltreppe sowie das ebenso denkmalgeschützte Neonschild an der Fassade erhalten.

 

Kommentare

  1. Es reicht!
    Wenn hier Bezirksamt und zustaendige Baubehoerden wieder nicht taetig werden,um das was von Berlin nach dem Krieg noch uebrig blieb zu retten,dann verliere ich vollends den Glauben daran,dass die politischen Institutionen dem Allgemeinwohl verpflichtet waeren. Erst vor kurzem wurden ein Bau aus der Gruenderzeit am Wittenbergplatz und das Astor-Hotel abgerissen..ebenfalls ein Gebaeude um 1900 und jetzt wieder eines? Wann hoert endlich diese Spekulation auf? Berliner haben die Schnauze voll von all diesen Malls,die man so ueberall auf der ganzen Welt erleben kann!

  2. AHA…war das nicht abzusehen nachdem die Pläne von Huth bekannt wurden, dass er das Karstadt ebenfalls in eine große Mall umbauen will? Waum wurde eigentlich nicht der Name im Artikel genannt?

    Man kann langsam die Politik in Berlin nicht mehr nachvollziehen (und diesen Investor auch nicht, der einerseits in seiner „Mall of Berlin“ fast bis an die Grenze zum Kitsch an das untergegangene Kaufhaus Wertheim erinnert, um vom Ruhm vergangener Zeiten zu profitieren und am Kudamm ziemlich abrißfreudig auftritt).
    Auf der einen Seite dürfen sich Berliner über die Freilegung der Fassade am früheren Alhambra (Ausbildungshotel in früheren Zeiten)am Kudamm freuen und auf der anderen Seite steuert man nur mit erschreckender Langsamkeit solchen Abrißplänen entgegen.
    Überhaupt kommt doch langsam der Verdacht auf, als ob HGHI bzw. Herr Huth ein verdächtig enges Verhältnis zum Senat und zu den Bezirkspolitikern pflegen würden. Vielleicht wäre es ja der Morgenpost einmal eine Recherche wert, um hier zu überprüfen, ob da alles mit rechten Dingen zugeht?

    • Der Name wurde nicht genannt, weil Karstadt und somit das von Herrn Huth projektierte Areal ganz in der Nähe, aber schlicht auf der anderen Straßenseite liegt und mit dem Gloria nichts zu tun hat.

  3. Wieder ein Kniefall vor der Behauptung „Geld regiert die Welt“ ?
    Sind unsere verantworlichen Stadtplaner als „Volksvertreter“ nur noch den Investoren hörig?

  4. Als Architektin und Bauleiterin betreffend Sanierung & Rekonstruktion bin ich der Meinung, dass die Atraktivität einer Stadt aus Mischung der Moderne kombiniert mit Altbau immer noch am meisten authentisch rüber kommt, der Stadt einen Gesicht mit vielen Geschichten verleiht und den Charm von BERLIN unterstreicht.

    Gloria- Palast war einst ein bedeutendes Filmtheater. Das Restaurierte Foyer inkl.der Wendeltrepp und Kassenhäuschen sowie die ursprüngliche Leutreklame an der Fassadestehen unter Denkmalschutz und gehören als Teil z. Berlin wie Brandenburger Tor, Kaffee Kranzler, das rote Rathaus und ALEX….. die neuen stylischen Apartmenthäuser & Hotels, gar d. Spree, Das Alles, das ist BERLIN.

    Bewahre das schöne,

    Inka Helle

  5. Ich hoffe doch, dass auch der Denkmalschutz noch ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. Es reicht schon, dass dieses überdimensionierte Upper West, das die Gedächtniskirche – immerhin eines der bekanntesten Wahrzeichen Berlins – optisch fast zur Bedeutungslosigkeit degradiert. Es kommt mir inzwischen so vor, als ob Immobilen in der City West zur Jagdtrophäe für Investoren werden.

  6. PowerPoint-Präsentation vom Eigentümer über „zwei Kudamm-Gebäude, die in die Luft fliegen“

    Es ist aber im Artikel und in den Kommentaren immer nur die Rede vom Gloria Palast, von der erhaltenswerten Substanz, von der beabsichtigten Verletzung der Bauhöhe, die sich der historischen Umgebung anpassen sollte etc….

    Über Menschen spricht man nicht! Es wird mit keiner Silbe erwähnt, dass in dem zweiten Haus, das in die Luft gehen soll, das Gebäude Ku’damm 14, sich über dem Schuhhaus Görtz 39 Mietwohnungen befinden, die dadurch ersatzlos vernichtet werden. Die Entmietung ist im vollen Gange.

    Wie passt das zur aktuellen Wohnungssituation in Berlin? Interessiert das niemand?

    Die Eigentümer der Immobilien Kurfürstendamm 12-15, die CENTRUM Gruppe (Uwe Reppegather) und die RFR-Gruppe (UPPER-WEST), wollen diese laut einer Pressemitteilung „revitalisieren.

    Das ist doch ein Hohn, wenn zur Erreichung von Gier bestimmten Zielen die Zerstörung von Lebensraum vieler Menschen in Kauf genommen wird. Und niemand regt sich auf!

    „Sehn se det is Berlin“ sangen bereits die Insulaner.

  7. Immer nur Gejammer, zum Kotzen, dass jeder hässliche Müllkasten, dem der Abriss droht, sofort den Pawlowschen Reflex der Klage hervorruft. Wollen wir doch mal eines nicht vergessen, wem die City West wirklich am Herzen liegt, der muss begreifen, dass der Charme der 70er und 80er nun wirklich niemanden mehr hinterm Ofen verlockt. Das Ku’damm Karree, der Vorbau des Europacenters, überhaupt die gammelnde Fassade des Hochhauses, das angegammelte Karstadt, und auch der Gloria Palast sind keine Errungenschaften, sondern Schandflecken aus alten Zeiten. Während sich andere Quartiere entwickelt haben, will man hier, egal ob es schön ist oder nicht, alles erhalten, was niemanden mehr wirklich interessiert. Zur Wiederbelebung der City West haben all diese Kritiker absolut nichts beizutragen, stattdessen geistige Ergüsse vermeintlicher Nostalgie. Wem nutzt es, Häuser zu erhalten, die weder jemand aufsucht, noch jemand anmieten möchte? Niemandem. Und wer sich wirklich mal aufmerksam mit Bauvorhaben beschäftigt, wird sehen, dass im hinteren Teil des Ku’damm besonders viel Wert beim Abriss auf Bauten im alten Stil gelegt wird. Für den hier angesprochenen Teil des Ku’damm sind beide Projekte begrüßenswert und werden neuen Aufschwung in die City West bringen.

  8. Bei der Diskussion zum Thema Kürfürstendamm 14/15 sollte ein weiterer Aspekt nicht vergessen werden.
    Es geht nicht nur um die beiden leerstehenden Gebäude. Vielmehr soll auch das Wohnmietshaus Kurfürstendamm 14 entmietet und dann abgerissen oder “ revitalisiert “ werden. Hier würde ein gerade mal 30 Jahre altes und sehr gut erhaltenes modernes Mietshaus entfernt und entsprechend weitere Mietswohnungen in der City West wohl aus Profitabilitätsüberlegungen zu Gunsten von erwarteten zukünftigen profitableren Gewerbemietern verschwinden. Ein Abriss nach so kurzer Nutzungsdauer dürfte übrigens auch nicht gerade der optimalen Verwendung von Rohstoffen entsprechen.

    Dies bedeutet außerdem für die aktuellen Mieter von Kurfürstendamm 14, dass sie ihr „Zuhause “ in optimaler Lage mit akzeptablen Mietbedingungen verlassen und sich auf die ziemlich aussichtslose Suche nach vergleichbarem Ersatzwohnraum begeben müssten.

  9. Ich finde es besonders Schade, dass auch das Gebäude in welchem ursprünglisch Mampe’s Gute Stube (später Marché, jetze MCD) zu Hause war abgerissen wird – der gesamte Komplex soll bis zum Jahresende platt gemacht werden (vom Breitscheidtplatz bis zur Joachimstaler Straße in Ausdehnung fast bis zur Kantstraße) – das Gebäude ist ein wunderschönes altes Jugendstilhaus!! In den leerstehenden Etagen (über MC Donald’s) gibt es herrlichen Stuck, heimelige Uralt-Kachelöfen bis an die Decke und Parkett. Leider stehen die Räume schon seit langem leer und der holländische Investor hat die Insolvenz des Vorbersitzers genutzt um alle Verträge unanfechtbar kündigen zu können, da das Berliner Gesetz diese Möglichkeit vorsieht. ein Abriss muss in diesem Fall nur angemeldet werden und lediglich die denkmalgeschütze Substanz (Teile des Gloria-Palastes und „Mampe“ müssen erhalten / integriert werden. Es ist wirklich Schade, dass diese wunderschönen alten Gebäude nach und nach vom Ku’damm verschwinden und es keine Sau interessiert – nicht einmal die sonst so empörte Regenbogenpresse interessiert sich für das Verschwinden einzelner „Perlen“ am Ku’Damm und für das Treiben ausländischer Heuschrecken – Berlin ist Berlin und nicht New York und sollte das auch nicht anstreben – eine andere Nutzung ist in Ordnung und wurde beim Marmorhaus und dem Cumberland-Haus auch recht passabel umgesetzt aber hier kräht kein Hahn danach – das ist sehr, sehr traurig aber wohl der Lauf der Dinge und der Globalisierung….

  10. Pingback: Rettung des Gloria-Palasts um jeden Preis

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