Aktuelles / Dienstag, 24.10.2017

Neue Nutzung für das alte Gärtnerhaus im Volkspark

Fast verwunschen liegt die ehemalige Revierunterkunft neben der Minigolfanlage im Volkspark Wilmersdorf. Foto: Katja Wallrafen

Pläne für das ehemalige Gärtnerhaus im Volkspark Wilmersdorf werden konkret: Integration von Menschen mit Fluchterfahrung ist Hauptelement des Nutzungskonzepts von „Nachbarschafft e.V.“.

Von Katja Wallrafen

Die Mission für den Volkspark ist klar: Das Miteinander von Anwohnern und Parknutzern soll gestärkt werden, wenn 2018 die ehemalige Revierunterkunft der Bezirksgärtner an der Staße am Schoelerpark 37 in ein „Haus der Nachbarschaft“ umgewandelt wird. Die ehrenamtlichen freiwilligen Helfer, die sich kontinuierlich um die Flüchtlinge aus dem Rathaus Wilmersdorf kümmern, haben den Verein „Nachbarschafft“ gegründet. Dieser Verein hat am heutigen Dienstag vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf den Zuschlag für die Ausgestaltung des Nutzungskonzepts erhalten. 90.000 Euro aus dem Integrationsfonds des Bezirks stehen der Initiative erst einmal für das kommende Jahr zur Verfügung. Insgesamt sind 270.000 Euro zur Umwandlung der ehemaligen Revierunterkunft in ein Nachbarschaftszentrum mit Integrationsschwerpunkt bewilligt.

Leon Friedel, Integrationsbeautragter in Charlottenburg-Wilmersdorf, ist überzeugt davon, dass mit dem neuen Träger sein Konzept für die Integration von Menschen mit Fluchterfahrung umgesetzt wird. „Uns ist es wichtig, dass wir das ehrenamtliche Engagement in der Flüchtlingsarbeit erhalten und weiterentwickeln“, so Friedel. Seine Vorstellung für das Gärtnerhaus neben dem Minigolfplatz im Volkspark zielt darauf ab, „soziale und kulturelle Teilhabe aller Menschen an unserer Gesellschaft“ zu verbessern. „Geflüchtete Menschen sind neue Mitglieder unserer Gesellschaft, die mit Ideen und Erfindungsreichtum viel zur Gestaltung unseres Landes beitragen können“, so Friedel.

Bestehende Angebote miteinbeziehen

Eine Gruppe der ehrenamtlichen Bereichsleitungen der Initiative „Freiwillige helfen im Rathaus Wilmersdorf“ hat in den vergangenen Monaten für dieses Projekt einen Trägerverein gegründet. Als „Nachbarschafft e.V.“ hat sie ein Nutzungskonzept „Haus der Nachbarschaft“ vorgelegt. Vorstand und Beirat bestehen aus Freiwilligen und früheren Bewohnern der Notunterkunft, die heute selbst ehrenamtlich tätig sind. Der neue Träger steht vor der Aufgabe, bereits bestehende Angebote mit einzubeziehen, weiterzuentwickeln und zu ergänzen: So leistet der Fußballverein FC Wilmersdorf integratives Jugendarbeit. Friedel zufolge ist er „erste Kooperationspartner“ des neuen Trägers. Der Sportverein hatte sich ein Büro im Gärtnerhaus gewünscht. Weitere potenzielle Partner für den neuen Verein sind die Evangelische Auen-Kirchengemeinde sowie die katholische Gemeinde Maria unter dem Kreuz, die zu den Anliegern zählen. Auch die Bürgerinitiative „Wilmersdorfer Mitte“ ist an einer Zusammenarbeit interessiert.

Zuerst wird umgebaut werden müssen

Der neue Träger muss sich zügig ans Werk machen. Vor allem stehen Umbauarbeiten an. Das Haus hat zwei Gebäudeflügel, von denen einer auf die Unterbringung von Gartenbaufahrzeugen ausgerichtet ist. Während der Umbauphase im ersten Quartal 2018 sei eine „Zwischennutzung“ möglich, so Friedel. Er kann sich den Betrieb eines „Begegnungscafés“, die Anlage eines Gemüse- und Kräutergartens sowie die enge Zusammenarbeit mit dem 1.FC Wilmersdorf zur integrativen Sportarbeit vorstellen. „Das Haus eignet sich für Näh-, Holz- oder Fahrradwerkstätten“, so Friedel. „Zudem soll es regelmäßig Kulturangebote wie Lesungen, Musikabende und Theatergruppen geben. Und natürlich spezielle Beratungsangebote für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund wie Hausaufgabenhilfe, Miet- und Sozialberatung.“

Bis Mitte 1018 sollen erste Angebote realisiert werden. Koordiniert wird das Projekt durch das Integrationsbüro des Bezirksamtes in Kooperation mit der Abteilung Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur. Auf der heutigen Sitzung des BA Charlottenburg-Wilmersdorf haben das Bezirksamt des Bezirks nun einstimmig beschlossen, Nachbarschafft e.V. den Zuschlag zu geben. Als „Freiwillige helfen“ und „Nachbarschafft e.V.“ freue man sich über das positive Votum, zwei Jahre nach Eröffnung und kurz vor Schließung der Notunterkunft Rathaus Wilmersdorf, teilt der neue Trägerverein mit. „Die Zustimmung ist nicht nur Anerkennung der Arbeit der letzten Jahre, sondern stellt darüber hinaus sicher, dass die in den letzten Jahren gewachsenen und vernetzen Strukturen des Ehrenamts auch nach Schließung der Notunterkunft Rathaus Wilmersdorf im Bezirk weiter eine Heimat haben werden“, so Holger Michel von „Nachbarschafft e.V.“.