Aktuelles / Donnerstag, 13.10.2016

Omas Knochenbrühe gibt’s
jetzt aus dem Becher

Mit ihrem Food-Start-up "Bone Brox" wollen Konrad Kaspar Knops und Jin Woo Bae Althergebrachtes in die Moderne bringen. Fotos: Bone Brox/orderbird

Das Charlottenburger Start-up „Bone Brox“ mischt die Food-Branche auf und verhilft Omas Knochenbrühe zum Comeback. Die gibt’s dann auch zeitgemäß, zum Mitnehmen.

Von Charlene Rautenberg

Man mag es für ein Gerücht halten, doch früher oder später wird der gastronomisch bewanderte Kosmopolit über „Bone Brox“ stolpern. Ganz richtig, es handelt sich dabei um Knochen. Genauer: Knochenbrühe. Konrad Kaspar Knops und Jin-Woo Bae gehörten wohl nicht zu den Kindern, die über Omas Kochtopf die Nase rümpften. Nein, sie haben genau aufgepasst und die heilende Wirkung ihrer Kochkünste bis ins Erwachsenenalter nicht vergessen. „Die Wiege der Gesundheit liegt im Darm“, weiß Jin heute. Der Fitness-Trainer lernte den Ernährungs-Coach Konrad beim Cross-Fit Training kennen, kurz daraufhin bastelten sie an einem gemeinsamen Food-Konzept. „Was in der Knochenbrühe steckt, wussten wir schon lange“, so Mitgründer Konrad. In seinem hippen Concept Store in der Goethestraße kann man nun neben organischen Produkten also auch Großmutters Vermächtnis erstehen. Für Eilige dann auch ganz zeitgemäß im To-Go-Becher.

In den USA schon Trend

Was auf den ersten Blick aussieht, wie ein Relikt aus vergangenen Zeiten, ist in den USA schon lange ein neuer Trend. Stars wie Gwyneth Paltrow und Selma Hayek schwören wohl schon auf die angeblich heilende und verjüngende Wirkung der cremig-würzigen Kaffee-Alternative. Der Hype um die Knochenbrühe begann auf der First Avenue in New York, wo ein kleiner Fensterladen unter dem Namen “Brodo” die Knochenbrühe To-Go in Bechern verkaufte. Mittlerweile gäbe es sie dort schon aus dem Plastikbeutel im Supermarkt.
Für die Jungs von „Bone Brox“ kommt das so nicht in die Tüte. Ihre Knochen stammen von Bio-Weiderindern aus Bayern, die noch vor Ort 18 Stunden lang mit Kräutern in Quellwasser köcheln, in Gläser gefüllt und mit den schicken schwarzen Etiketten versehen werden. „Bio war uns nicht genug“, so Jin. Das gesamte Konzept ist auf Nachhaltigkeit ausgelegt. “Knochen sind kein Abfallprodukt. Es stecken unheimlich wichtige Nährstoffe in ihnen”, erklärt Konrad. Die Idee: Möglichst alle Teile eines geschlachteten Tieres verwenden. Man kann den beiden wirklich nichts vorwerfen, selbst der To-Go-Becher ist kompostierbar.

Jin und Konrad haben lange überlegt, was die perfekte Brühe ausmacht. Vor allem muss sie lange köcheln.

Jin und Konrad haben lange überlegt, was die perfekte Brühe ausmacht. Vor allem muss sie lange köcheln.

Das beeindruckte auch die Jury, die das Konzept auf der Berlin Food Night Anfang Oktober mit dem Gastro-Gründerpreis auszeichnete. In den vergangenen Wochen wurden unter mehr als 500 Bewerbern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz die sechs überzeugendsten Konzepte ausgewählt. Bei Cynthia Barcomi, Christian Rach und den anderen Jurymitgliedern konnten vor allem Gastro-Konzepte punkten, die eine gelungene Mischung aus unternehmerischem Denken, Kreativität und Nachhaltigkeit bewiesen. Auch der ein oder andere Veganer sei schon neugierig gewesen und habe die Brühe gekostet.

Aus Kindheitserinnerung wurde Vollzeitjob

Doch was steckt nun dahinter? „Es fühlt sich an wie eine warme Umarmung von innen“, sagt Jin-Woo Bae. Er muss es wissen, denn seine Mutter koche ihm auch heute noch regelmäßig das Lieblingsgericht aus Ochsenschwanz oder Ente. Außer der wohltuenden Wirkung sollen die in den Knochen enthaltenen Nährstoffe, wie etwa Kollagene, Nägel, Haut und Haare stärken, die Gelenke kräftigen und nebenbei noch die Erinnerungskraft, den Schlaf und das Immunsystem positiv beeinflussen. Mittlerweile vertreiben Konrad und Jin ihre Kraftsuppen im eigenen Online-Shop, sowie als Streetfood in Hamburg, Berlin, München und Wien. Aus der Kindheitserinnerung wurde ein Vollzeitjob. Nach einem Fernsehauftritt sei Jin kürzlich in der U-Bahn auf die Geschäftsidee angesprochen worden. Der kann es selbst noch nicht richtig fassen. „Wir sind nur Leute, die eine Vision haben“, sagt er.