Aktuelles / Montag, 22.05.2017

Das lukrative Geschäft mit illegalen Altkleidercontainern

Die beiden Container, die den ganzen Ärger verursachen. Foto: Georg Wolf

Nicht alle Altkleidercontainer in der City West stehen legal da, wo sie stehen und einem guten Zweck kommen die Spenden auch nicht immer zugute. Doch bei vielen ist der Bezirk machtlos.

Von Georg Wolf 

Zwei Altkleidercontainer auf dem Bahngelände an der Gervinusstraße sind für Anwohner zum Ärgernis geworden. Nicht nur, dass oft Müll neben den Containern abgestellt wird, auch Essensreste und Fäkalien verunreinigen das Umfeld. Aus Sicht der Anwohner entwickelt sich der Standort der Altkleidercontainer zu einer Schmuddelecke.

Aus der Sicht der FDP kümmert sich das Bezirksamt nicht um das Problem. Es dulde mit seinem Nichthandeln illegale Aktivitäten, moniert der Verordnete Pascal Tschörtner. Für die Bürgerinnen und Bürger sei es in der Regel nicht erkennbar, ob es sich um einen legalen Sammelpunkt handle oder nicht, so der FDP-Bezirkspolitiker. Auf der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) vom April waren die beiden Boxen deshalb Gegenstand Inhalt einer mündlichen Anfrage.

Bezirksamt will sich an die Bahn wenden

Dem Bezirksamt ist die Existenz der beiden Container durchaus bekannt. Doch viel tun kann die Behörde nicht, weil die Boxen in diesem Fall auf dem Gelände der Deutschen Bahn stehen. Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD) erklärte, dass eine Beseitigung illegal aufgestellter Altkleidercontainer generell schwierig sei, weil sie wie in diesem Fall entweder auf Privatgelände stehen, oder bei Aktivitäten des Ordnungsamts einfach umgestellt werden. Das Bezirksamt wolle sich in dieser Sache jedoch an die Bahn wenden, so die Stadträtin.

Bahn dankbar über gemeldete Container

Bei der Deutschen Bahn (DB) ist man für den Tipp eines solchen Standortes dankbar. Die zuständige Abteilung des Konzerns wolle sich die Container ansehen und dann gegebenenfalls über weitere Maßnahmen entscheiden. Allerdings hieß es aus Kreisen der DB bitte man um Geduld, da erst eventuelle Zuständigkeiten und Grundbesitzer geprüft werden müssten.

Familienschutzwerk distanziert sich vom Standort

Auf den Containern kleben Zettel, die für gemeinnützige Institutionen werben. Auf telefonische Nachfrage bei einem der erkennbaren Werbeträger, dem Familienschutzwerk, reagiert man keineswegs überrascht. „Mit den dort aufgestellten Containern hat das Familienschutzwerk nichts zu tun“, so Thomas Scheuner. „Aber wir bekommen einmal im Monat eine solche Nachfrage.“ Die Aufkleber kamen vor Jahren an die Container, als der Kreuzberger Altkleidervertrieb Nargül anfragte, ob er Werbung mit dem Verein auf seinen Containern für den guten Zweck machen dürfe. Einen entsprechenden Vertrag gibt es.

Der Sprecher des Familienschutzwerks lobt indes die Spendenaktivität der Firma Nargül. Die Kinderküche des Vereins erhalte etwa sieben Jahren regelmäßig „großzügige Unterstützung“ der Firma Nargül. Daher dürfe die Firma Nargül auf Ihren Containern weiter auf ihren Containern fü den guten Zweck werben. Anhaltspunkte darüber, dass die Firma Nargül keine Genehmigung für den Stellort für ihre Container habe, seien dem Familienschutzwerk nicht bekannt.

Firma Nargül schweigt

Bei Altkleiderhändler Nargül bestätigte man zwar das Aufstellen von mehr als 150 Containern im gesamten Stadtgebiet, war aber nicht zu weiteren Stellungnahmen bereit. Wo die gesammelten Kleidungsstücke landen und ob die Container demnächst weggeräumt werden, dazu wollte sich der Mitarbeiter nicht äußern. Man wolle sich aber mit den zuständigen Behörden in Verbindung setzen.

Millionengeschäfte mit der Altkleidung

Das Geschäft mit den Altkleidern ist rentabel. Pro Tonne werden Preise zwischen 200 und 400 Euro bezahlt. Das meiste der Second-Hand-Ware geht nach Afrika und Osteuropa. Dort werden die ausgemusterten Kleidungsstücke weiterverkauft oder -verarbeitet. Aber auch gemeinnützige Institutionen verdienen gut am Geschäft mit der Kleidersammlung. So gibt das Deutsche Rote Kreuz an, 2013 allein 13,5 Millionen Euro mit dem Verkauf gebrauchter Kleidung erzielt zu haben. Unter anderem sei der Erlös in den Katastrophenschutz und die Altenhilfe geflossen.

Auch die Firma Nargül verfährt nach einem solchen Muster. Nur wenige Sachspenden gehen an Bedürftige. Dafür werden viele Kleidungsstücke weiterverkauft. Welcher Umsatz damit erzielt wird, verrät die Firma Nicht.

Information

In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es lediglich 15 legal aufgestellte Altkleider-Container: Hier eine Übersicht des Bezirksamts.