Aktuelles / Sonntag, 27.08.2017

Hunde-Kita für den
verwöhnten Vierbeiner

Zora, Maya und Olaf (v.l.), schauen neugierig, wer da noch so alles in die Hunde-Kita kommt. Foto: Katja Wallrafen

In der Hunde-Kita gibt es Parallelen zur Kinderbetreuung. Allerdings werden beim Tier die Gebühren nach Gewicht festgelegt. Geboten wird Luxus und Wellness.

Von Katja Wallrafen

Maya ist heute besonders liebebedürftig. Sie schmiegt sich innig an Betreuerin Anne Acker, holt sich eine große Portion Zuneigung. Auch Edgar ist im Kuschelmodus, bekommt einen Kuss auf den Kopf. Olaf hingegen saust aufgeregt durchs Zimmer, kann sich nicht entscheiden, ob er sich aufs Sofa fläzen oder mit den anderen spielen soll. Zwischen 7 und 9 Uhr geht es Schlag auf Schlag an der Gasteiner Straße in Wilmersdorf – Maja, Edgar und Olaf stürmen in den freundlichen Raum mit dem Kronleuchter, würdigen ihre Besitzer kaum eines Blickes zum Abschied. Die Lagotto-Romagnolo-Hündin, der Parson-Russell und der Galgo Espanol gehen in die Hunde-Kita „Amicanis“. Seit acht Jahren bietet das zehnköpfige Team rund um Inhaberin Nadja Kopp an 365 Tagen im Jahr Hundebetreuung in einer Tagesstätte – Hundekita sozusagen.

Vor Aufregung vergessen, das Bein zu heben

„Man kann tatsächlich den Vergleich zur Kinderbetreuung ziehen“, sagt Katja Kapitzke. Allerdings werden in der Hunde-Kita die Gebühren nach Gewicht festgelegt. Wie auch Kinder in der Kita, wird jeder Hund freundlich mit seinem Namen begrüßt. Katja Kapitzke,  ausgebildete Tiepflegerin (mit Schwerpunkt Tier in Tierpension), sitzt am Empfang und nimmt nach dem ersten Hallo das von Herrchen oder Frauchen selbst gekochte Mittagessen oder ein Extra-Leckerli für den Vierbeiner in Empfang. Zudem notiert sie Sonderwünsche („Charles darf heute in den Pool, aber bitte das Halsband abnehmen“) und Abholzeiten. Und sie hat auch im Blick, ob der Hund vor lauter Aufregung auf dem  Weg zur Hundekita vergessen hat, sein Bein zu heben. Dann schnappt sie sich den Neuankömmling und führt in rasch in den Garten, damit der Hund sich erleichtern kann. „Je nach Temperament marschieren die Hunde hier freudig und aufgeschlossen rein. Sie freuen sich auf die Gruppe, auf andere Tiere – eben auf Sozialkontakte“, schildert Katja Kapitzke. Andere wiederum seien zurückhaltend, skeptisch, zögen sich in einen ruhigen Winkel zurück und würden die Situation erst einmal beobachten.

Anne Acker wird begeistert begrüßt. Sie kennt die Eigenheiten der Vierbeiner. Foto. Katja Wallrafen

Im Hunde-Shuttle geht ab aufs Land

Um 9 Uhr dann geht es mit dem Hunde-Shuttle nach Großbeeren. Dort bietet sich auf einem weiträumigen Gelände eine „Hundespielhalle“ und ausreichend Platz zum Laufen unter freiem Himmel. Nach einem Tag im Grünen und an der frischen Luft geht es nachmittags wieder zurück in die City West.

Wie kam Nadja Kopp auf die Idee, diesen Service anzubieten? Das habe sich nach und nach entwickelt, erzählt die Hundetrainerin, die auch Tiermedizin studiert hat. Selbst mit einem riesengroßen Herz für Hunde ausgestattet, bot sie anfangs einen mobilen Gassiservice sowie Hundetraining an. Schnell erkannte  sie den  Bedarf und entwickelte ihr Konzept für die Hundebetreuung. Denn viele Großstadtmenschen wollen ihrem Tier Spaß in der Natur gönnen, während sie selbst bei der Arbeit sind. „Wir haben aber auch Rentner in unserer Kundenkartei, die ihren Hund  einmal in der Woche bringen – um ihm soziale Kontakt zu ermöglichen“, schildert Nadja Kopp. Berlin-Besucher gehören ebenfalls zum Kundenkreis, denn Touristen möchten ihren vierbeinigen Lieblinge selbstverständlich keine Museumstour antun. Und dann gebe es Einzelpersonen, die ins Krankenhaus oder zur Kur müssen und ihr Haustier gut betreut wissen wollen. Jetzt in der Ferienzeit ist Hochsaison, rund um Weihnachten und vor allem auch an Silvester herrscht ebenfalls große Nachfrage.

Statt Zahnputzbecher, finden in der Hunde-Kita die Leinen sorgfältig ihre Platz. Foto: Katja Wallrafen

Extrawünsche nach Einzelzimmer und Wellness

Den Gästen der Hundetagesstätte und Hundepension bietet „Amicanis“ Zusatzleistungen an: Beschäftigungsrunden mit Ball- oder Suchspielen, Hundepool oder auch die Unterbringung im Einzelzimmer zu Beispiel. Und so wie wir Menschen uns im Hotel ab und zu auch Beauty- und Spa-Angebote gönnen, werden auch die Hunde mit Wellnessbehandlungen verwöhnt. „Ein Segment, das stark nachgefragt ist“, so Nadja Kopp. „Wir werden in dieser Hinsicht auch ausbauen, zurzeit macht eine Angestellte eine Weiterbildung zur Groomerin, also zur Hundefrisörin.“

Blick auf dem Liebling ist nur einen Klick entfernt

Ernährungsberatung wird ebenfalls geboten – ein wichtiger Punkt, denn das „richtige“ Futter im Fressnapf des Vierbeiners ist für viele Menschen Glaubenssache geworden. Für Hunde gibt es eine Vielzahl von Angeboten – Trockenfutter, biologisch artgerechtes rohes Futter (Barf) oder jetzt auch als jüngster Trend, vegetarische Kost für Hunde. Eine Mitarbeiterin ist ausgebildete Ernährungsberaterin und erstellt auf Wunsch Ernährungs- und Diätpläne für die tierischen Gäste. Das Team von Amicanis kocht täglich frisch. Die Speisepläne sind bei der Rezeption zu erfragen. Und noch einen Service bietet die Hunde-Kita: Täglich werden Bilder der Tiere online zur Verfügung gestellt – so können sich Herrchen und Frauchen mit einem Klick davon überzeugen, dass es ihren kleinen und großen Lieblingen gut geht.

 

Kommentare

  1. Naja ich fand Amicanis auch toll, bis mir mitgeteilt wurde, dass mein Hund nicht kastriert sei, und deshalb nicht mehr genommen werden kann. Es wurde eine Ausnahme bemacht, weil er als Welpe schon dort war. Er hätte wohl andere Hunde besprungen und musste separiert werden. Da das Angebot nicht gerade preiswert ist, hätte ich erwartet, dass man hier professioneller damit umgeht, ich habe damit bisher auch kein Problem gehabt, mein Hund ist gut sozialisiert, aber auch erst 2 Jahre. Ich hatte eher den Eindruck, da ich nur sporadisch den Dienst in Anspruch nehme, dass die Mitarbeiterinnen am liebsten pflegeleichte Hunde betreuen.
    Schade und nicht gerade tierfreundlich.

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