Aktuelles / Freitag, 17.06.2016

Auf der Hertzallee schlägt das
neue Herz des TU-Campus

An die Spaten: Martin Schwacke, Christian Thomsen, Martin Rennert, Steffen Krach, Laura Vahl (von der Arbeitsgemeinschaft Lavaland/TH Treibhaus), Reinhard Naumann, Marc Schulte und Regula Lüscher (v.l.) Foto: Jörg Krauthöfer

Der erste Abschnitt ab der Fasanenstraße wird  für 1,3 Millionen Euro umgebaut – zu einem grünen Lernort, den auch die Berliner nutzen sollen.

Von Brigitte Schmiemann

Holprige Steine, ungepflegte Gehwege – die verlängerte Hertzallee auf dem Campus der Technischen Univerität (TU) macht einen vernachlässigten Eindruck. Jetzt soll die historische Verbindungsstraße zwischen dem Hardenbergplatz am Zoo und dem Ernst-Reuter-Platz ausgebaut werden. Am Donnerstag trafen sich die Präsidenten der Technischen Universität und der Universität der Künste, Senatsbaudirektorin Regula Lüscher, Staatssekretär Steffen Krach, Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann und Baustadtrat Marc Schulte zum symbolischen ersten Spatenstich auf dem Universitätsgelände.

Das dortige erste Stück der umgestalteten Hertzallee soll schon im nächsten Jahr den Campus öffnen und besser mit der City West vernetzen. Noch kennen die Wegeverbindung auf dem Universitätsgelände hauptsächlich nur die Studenten.

Dirk Spender vom Regionalmanagement City West hatte die Idee zur Umgestaltung bereits 2013. Drei Jahre dauerte es, bis die Bauabteilungen der beiden Universitäten das Vorhaben ausarbeiteten, das Geld besorgt war, und die Pläne jetzt umgesetzt werden. Im August soll es mit dem ersten Bauabschnitt losgehen. Das etwa 250 Meter große Wegestück zwischen dem Eingangsbereich an der Fasanenstraße und der Wegekreuzung in Höhe der TU-Mensa soll 2017 fertiggestellt sein.

Ehemalige Kurfürstenallee war der Reitweg zum Schloss

Den alten Weg auf dem Universitätsgelände nutzte schon der Kurfürst Friedrich III. vom Stadtschloss kommend durch den Tiergarten Richtung Schloss Charlottenburg. Damals hieß der Weg Kurfürstenallee. In Zukunft soll er nach den Wünschen von TU-Präsident Christian Thomsen vor allem studentischer Lernort werden. Zumindest im ersten Bauabschnitt werden deshalb alle Autos, die jetzt dort noch fahren und parken dürfen, verbannt. TU-Präsident Thomsen fände es sehr schön, wie er sagt, wenn die Autos rauskommen aus der Hertz­allee auf dem Campus.

Doch für den zweiten Bauabschnitt, der 500 Meter lang ist und das Stück bis zum Ernst-Reuter-Platz bildet, ist das noch nicht entschieden. „Spätestens wenn außerhalb des Campus Parkraumbewirtschaftung eingeführt werden sollte, worum wir nicht bitten, werden wir das hier auf dem Campus merken“, sagte der Leiter der TU-Bauabteilung, Martin Schwacke. Die alten Materialien, die auf der Hertz­allee noch zu finden sind, werden wiederverwendet. Aber nicht nur.

Der Siegerentwurf des Wettbewerbs zur Neugestaltung des ersten Abschnitts stammt von den Büros Lavaland und TH Treibhaus. Er sieht neues Kleinpflaster aus Basalt statt des holprigen Kopfsteinpflasters als Belag für die Wegachse zwischen den Gebäuden vor, das die Fläche in einen gleichmäßigen Raum verwandeln soll. Ein hellgraues Granitband wird die dunkle Basaltfläche auflockern und in Kombination mit dem Grün der Bäume für Farbigkeit sorgen.

1,3 Millionen Euro fließen in die Neugestaltung des ersten Bauabschnitts der Hertzallee. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat eine Million Euro dafür aus dem Bund-Länder-Programm „Aktive Zen-tren“ akquiriert. 350.000 Euro steuert die TU Berlin bei. Für den zweiten Abschnitt gibt es noch keine Finanzierung.

Verbindung zum Quartier am Zoo und Ernst-Reuter-Platz

TU-Präsident Christian Thomsen freute sich wie alle anderen über die künftige Aufwertung der Hertzallee, mit der eine Öffnung der Universitäten für die Öffentlichkeit einhergeht. „Die Baumaßnahme sehen wir auch im Zusammenhang mit der Quartiersentwicklung an der S-Bahntrasse vom Bahnhof Zoo. Dort entstehen in naher Zukunft zwei große Wissenschaftshäuser, und weitere Pläne existieren. Die neu gestaltete Hertzallee wird unseren Campus mit diesem Quartier verbinden und auf der anderen Seite unseren Campus in Richtung Ernst-Reuter-Platz durchlässig gestalten“, sagte Thomsen.

Dort befindet sich gleich neben dem TU-Grundstück das Areal, auf dem einst das 175 Meter hohe Berliner Aussichtsrad entstehen sollte, dessen Pläne allerdings gescheitert waren. Mit dem neuen Eigentümer des Grundstücks ist Senatsbaudirektorin Regula Lüscher im Gespräch. Und nach ihrer Auskunft sieht es dort „ganz gut aus“ mit den Plänen für eine gemischte Nutzung aus Wohnen und Büros.

Planungsrecht für Bebauung des früheren Riesenrad-Areal frühestens in zwei Jahren

„Wir wollen, dass dort auch geförderte Wohnungen gebaut werden und dass sich die Unis mit studentischem Wohnen, Ausgründungen und Co-Working-Spaces wiederfinden“, sagte Lüscher am Donnerstag anlässlich des ersten Spatenstichs zur Neugestaltung der Hertzallee. Die Gespräche mit dem Münchner Investor Reiß hätten jetzt begonnen. Sie hoffe, die Planung schnell zu vertiefen, um dann einen Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. „Zwei Jahre wird es aber wohl noch dauern, bis erste Projekte genehmigt werden können“, so Lüscher.