Aktuelles / Mittwoch, 11.10.2017

Händler am Kurfürstendamm
in Sorge um die Sicherheit

Händler fordern Sicherheitspoller am Kurfürstendamm. In der Innenverwaltung sieht man das skeptisch. Foto: Reto Klar

Zwar ist die Zahl der Taschendiebstähle in der City West zurückgegangen, doch Ermittler vermerken mehr Einbrüche und Autodiebstähle rund um den Kurfürstendamm.

Von Alexander Dinger

Die Händler am Kurfürstendamm sind in Sorge um die Sicherheit an Berlins berühmtester Einkaufsmeile. Die Gewerbetreibenden diskutieren, ob Poller, ähnlich wie am Breitscheidplatz, entlang der Straße sinnvoll sind. Sie haben sich gemeinsam mit Vertretern der Polizei getroffen, um die Lage zu erörtern. Die Behörde kann indes Erfolge wie den Rückgang des Taschendiebstahls melden. Sorgen bereitet den Ermittlern jedoch, dass es in jüngster Zeit mehr Einbrüche und Autodiebstähle in der City West gibt.

Poller sind Sache des Bezirks

„Es gibt viele Themen, welche die Händler bewegen. Eines davon sind Poller“, sagt Peter-Michael Riedel, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kurfürstendamm, eines Zusammenschlusses mehrerer Gewerbetreibender. Er hat das Treffen mit der Polizei organisiert. Thema: „Sicherheit am Kurfürstendamm und in den Seitenstraßen“. Mit ihrer Forderung verleiht Riedel einer alten Idee noch einmal Nachdruck. Zuletzt war nach dem Anschlag in Barcelona Ende August dieses Jahres darüber diskutiert worden.
In der Innenverwaltung ist man skeptisch, weist aber darauf hin, dass man der falsche Ansprechpartner sei. Wenn Händler Poller wollen, müssen sie sich mit dem Bezirk in Verbindung setzen. Anlass- und ortsbezogen könne man durchaus darüber diskutieren, heißt es.

Peter-Michael Riedel diskutiert mit den Polizisten Dirk Schipper-Kruse und Christian Kraffz über Sicherheit in der City West (v.l.n.r.). Foto: Massimo Rodari

Autofreie Zonen bei Großveranstaltungen

Berlin hat seit dem Anschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember vergangenen Jahres mit einem erweiterten Sicherheitskonzept reagiert, indem es die Polizeipräsenz erhöhte und auch die Stellen aufstockte. Bei Großveranstaltungen werden in Berlin autofreie Zonen eingerichtet. Das ist etwa am 1. Mai, Silvester oder beim Karneval der Kulturen der Fall. Statt Poller als Sperren parken Polizeiautos versetzt, um Zugänge zu blockieren oder im Notfall auch schnell öffnen zu können. Dass selbst Betonsperren nur bedingt Sicherheit bieten, zeigte ein Autounfall im Juni dieses Jahres. Ein Mann war mit seinem Auto in die Absperrungen am Breitscheidplatz gekracht. Dieser Aufprall reichte bereits aus, um die Betonsperren um 90 Grad zu verschieben. Seitdem ist klar: Einem Aufprall eines Lkw würden Absperrungen wahrscheinlich nicht standhalten.

Bedenken der Händler begründet

Doch Poller sind nicht das einzige Thema, das die Händler am Kurfürstendamm umtreibt. Einbrüche, Diebstahl, Hütchenspieler, Bettler, illegale Autorennen sind weitere Beispiele, die den Händlern zu schaffen machen. Ein Blick in die Kriminalitätsstatistik für den Kurfürstendamm zeigt, dass die Bedenken der Händler zum Teil begründet sind, aber auch entkräftet werden können. So ging der Taschendiebstahl vom Jahr 2016 zu 2017 im Vergleichszeitraum zwischen Januar und August wie auch im gesamten Stadtgebiet massiv zurück. Je nach Gebiet bewegt sich der Rückgang in der City West zwischen 38 und 50 Prozent. Die Polizei hatte hier massiv in Aufklärungsarbeit investiert und mehrere Banden zerschlagen.

Autodiebstähle und Einbrüche nehmen zu

Sorgen bereitet der Polizei allerdings ein Anstieg beim Einbruch in Geschäftsräume. Hier erhöhten sich die Zahlen je nach Gebiet am Kurfürstendamm zwischen 30 und 60 Prozent. Gerade für die Händler eine dramatische Entwicklung. Auch beim Autodiebstahl geht es mit einem Anstieg zwischen 50 und 100 Prozent rasant nach oben. „Wir haben mehrere Polizisten auf der Straße, die auch verdeckt agieren, um den Einbrechern auf die Spur zu kommen“, sagte Polizeioberrat Dirk Schipper-Kruse auf Nachfrage.

 

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