Aktuelles / Mittwoch, 02.12.2015

Graffiti-Meisterschaften
in der City West

Die Gewinner in der Kategorie Fair Trade Stefan (links) und Yves mit Judith Siller. Foto: Anca Specht

Für Thomas Panter ist Graffiti eine kreative Form der Typografie. Er selbst sprayt seit 35 Jahren und möchte Jugendliche an die Spray-Kunst heranführen – auf legalem Wege.

Von Anca Specht

Thomas Panter arbeitet als Layouter, Grafik- und Webdesigner, er ist 48 Jahre alt und sprayt seit er 13 ist. Er hat 1986 die erste legale Graffiti-Agentur für hochwertige Kunst am Bau und Fassadenbilder in Berlin gegründet. Inzwischen ist er auch Dozent und arbeitet für 20 Schulen, seine Agentur „Panterdesign“ vermittelt Graffiti- und Street-Art-Unterricht. Schüler dieser Schulen kommen jährlich zu den Berliner Graffiti und Street Art Meisterschaften zusammen und treten in verschiedenen Kategorien gegeneinander an. Diese „Battle of Schools“ findet seit drei Jahren statt im Palais am Funkturm. Dieses Jahr war das Thema „Fair Trade“.

Sprayen als Sport

„Mein Ziel ist, die Leute vom Illegalen weg zu kriegen hin zum Sport. Wie beim Skaten früher. Klar gibt es auch der Reiz des Unerlaubten, das geht nicht weg. Aber wenn Sprayen ein richtiger Sport wird, mit dem man Geld verdienen kann, dann wollen die Kids auch Profis werden“, sagt Panter. In den Schulen fange er deshalb mit dem „Training“ an. Viele Schulen in Berlin seien ziemlich verschmiert durch schlecht gemalte Graffiti, meint Panter. Die Mittel zur Säuberung und Restaurierung fehlten meist. Thomas Panter erarbeitet ein Design und gestaltet das mit den Schülern. Bezahlt werden müssen nur die Materialien. Dann bekommt die Schule einen neuen „Anstrich“. Und eine ungeschriebene Regel unter Sprayern lautet: Ordentliche Designs werden nicht übersprayt, so Panter.

Alle Teilnehmer des Battle of Schools 2015. Foto: Anca Specht

Alle Teilnehmer des Battle of Schools 2015. Foto: Anca Specht

Profis als Vorbilder

Unterstützend arbeitet er mit Profis aus der Szene zusammen, so wie dieses Jahr mit „Dmark don’t forget“. „Unter den Schülern ist er ein Idol, die hätten am liebsten Bettwäsche mit einem Bild von ihm drauf“, sagt Panter lachend. Die Profis helfen den Kindern und Jugendlichen beim Sprayen. Thomas Panter ist so was wie der „Papa“ der Szene. „Manche sagen auch Großvater“, scherzt er. Sein Künstlername ist „Crime – TDC“, und er will die Kids zu Stars der Szene entwickeln oder ihnen Wege in die Berufswelt durch Praktika als Screen- und Medien-Designer, Druckvorlagenhersteller oder Game Designer vermitteln. Außerdem wünscht er sich, dass es mehr weibliche Sprayer gibt.

Die jüngste Teilnehmerin ist die fünfjährige Sophie. Foto: Anca Specht

Die jüngste Teilnehmerin ist die fünfjährige Sophie. Foto: Anca Specht

Über 400 Einsendungen gab es zur diesjährigen Battle, die besten Entwürfe wurden ausgewählt und etwa zwei Dutzend Schüler durften am Finale teilnehmen. Knapp die Hälfte davon sind Mädchen. Die jüngste Teilnehmerin mit fünf Jahren ist Sophie. Sie bekommt einen extra Preis. Besonders gerne malt sie Regenbögen, „weil sie so schön bunt sind und für Mädchen“, sagt sie.

Surreal, bunt – und manchmal schwer zu lesen

Den Preis in der Kategorie „Fair Trade“ erhalten Stefan und Yves von der Wilhelm-Bölsche-Schule. Verliehen wird der Preis von Judith Siller. Sie arbeitet für die Kampagne Fairtrade Town Charlottenburg-Wilmersdorf und war Teil der Jury. Auch die Siegerin vom letzten Jahr, Katrin, 16, von der Wilhelm-Bölsche-Schule, nimmt dieses Jahr wieder teil. Sie hat ein Werk eingereicht, dass Massentierhaltung anprangert. Sina, 13, malt wütende Einhörner und schreibt dazu „It’s a dream“. Sie ist von der Gail S. Halverson Schule und erklärt: „Manchmal träumt man Sachen, die wenn sie in Erfüllung gehen, längst nicht so schön sind wie im Traum.“ Sie belegt mit ihrem Bild den zweiten Platz in der Gruppe Sketches und Leinwand. Der erste Platz geht an Mia, 11, mit ihrem Schriftzug auf rosa Hintergrund und einem großäugigen Männchen.

Abstrakte Graffiti-Welten

Die Sprayer haben große Leinwände eingereicht. Sieger in dieser Gruppe ist Erik. Der 18-Jährige von der Immanuel-Kant-Schule hat eine abstrakte Welt gemalt, in die er seinen Künstlernamen eingebaut hat und einen Kolibri. Die Künstler benutzen oft geschwungene oder verzerrte Buchstaben, so kann nicht jeder sofort lesen, was in den Bildern steht. Thomas Panter hofft, dass im nächsten Jahr schon 50 Schulen an den Meisterschaften teilnehmen. Er sagt: „Graffiti ist grundsätzlich keine Schmiererei, sondern eine Art Lebensstil.“
Mehr Infos unter: www.panterdesign.com
Kontakt: info@panterdesign.com