Aktuelles / Montag, 10.07.2017

Graffiti-Battle: Wie Sprayen auch legal geht

Thomas Panter (vorne) will Jugendliche zum legalen Sprayen motivieren. Foto: Anca Specht

Zum fünften Mal hat das Finale der Graffiti-Meisterschaft „Battle of Schools“ stattgefunden. Organisator Thomas Panter möchte Jugendliche fürs legale Sprayern begeistern.

Von Anca Specht

Mit Mundschutz und Dose gerüstet malt Malte die Blätter der Pflanzenranken auf seiner Leinwand aus. „Ich mag beim Sprayen, dass ich machen kann, was ich will“, sagt er. „Es muss kein Ölgemälde werden, sondern nur mir gefallen.“ Der 14-Jährige von der Freie Montessori Schule Berlin ist einer der Finalisten der diesjährigen Graffiti und Street Art Meisterschaften, bei denen Jugendliche in verschiedenen Kategorien gegeneinander antreten. Diese „Battle of Schools“ findet bereits das fünfte Mal statt.

Malte ist Finalist bei den Sprayern der Battle of Schools. Foto: Anca Specht

Legale Graffiti

Organisiert wird sie von Thomas Panter, der unter Sprayern als „Crime TDC“ bekannt ist. Er möchte die Jugendlichen fürs Sprayen begeistern und ihnen zeigen, welche legalen Möglichkeiten es gibt. „Das Wichtigste ist die Kooperation mit den Schulen“, sagt Panter. Darüber kämen die Jugendlichen in Kontakt mit dem legalen Sprayen. Panter hat als Layouter, Grafik- und Webdesigner gearbeitet und sprayt seit er 13 ist. Er hat 1986 „Panterdesign“, die erste legale Graffiti-Agentur für hochwertige Kunst am Bau und Fassadenbilder in Berlin, gegründet. Panter vermittelt auch Praktika als Game-, Screen- und Medien Designer. Seit fünf Jahren organisiert er die „Battle of Schools“.

BEST-Sabel Oberschule gewinnt Manga-Preis

Mitmachen kann jeder, kostenlos. Auch auf der „YOU“ können Interessierte sich ausprobieren. Auf mehreren langen Tischen liegen Papier und Stifte und einige Jungen und Mädchen haben schon erste Skizzen fertig. Darunter sind auch Saskia, Antonia und Carolin von der BEST-Sabel Oberschule – Sekundarschule und Gymnasium in Berlin. Sie sind die Gewinner des ersten Messetags mit ihren Mangas.

Carolin, Saskia und Antonia zeigen stolz ihr Siegerbild. Foto: Anca Specht

Thomas Panter erklärt: „Die Bilder gehen das ganze Jahr über ein, die Gewinner erfahren erst später, dass sie gewonnen haben und kommen dann zur Siegerehrung her.“

„Mit dem Sieg haben wir gar nicht gerechnet“, sagt Antonia. „Wir haben einfach drauf los gemalt.“ Doch die drei Schülerinnen sind nicht nur hier, um ihren Preis abzuholen, sondern wollen auch im nächsten Jahr ihren Titel verteidigen und greifen gleich wieder zu den Stiften. Mit zur Verleihung gekommen sind auch zwei Lehrer und die Pressesprecherin der BEST-Sabel Oberschule.

Graffiti-AG an Berliner Schulen

„Die Arbeit mit den Schulen nimmt inzwischen meine ganze Zeit in Anspruch“, sagt Panter. Über 200 Schüler pro Woche betreue er, unter anderen in Arbeitsgemeinschaften an den Schulen. „Erst mal zeichnen die Schüler was, dann erkläre ich denen wie sie sich vor der giftigen Farbe schützen können. Nachdem sie dann an einer Testwand die Technik geübt haben, dürfen sie auch auf Leinwand selber sprayen“, beschreibt Thomas Panter den Ablauf. Meist kämen die Schulen auf ihn zu und kennen ihn durch andere Projekte.

Mit Profis ganze Wände bemalen

Denn die Workshops sind nur ein Teil seiner Arbeit: Panter besprayt mit bekannten Künstlern aus der Szene auf Wunsch auch die Fassaden der Schule. „Meisten gibt es da einen Entwurf des Direktors, also dass das Schullogo mit drin sein soll zum Beispiel, aber sonst habe ich da freie Hand“, sagt Thomas Panter. „Grundsätzlich male ich, was ich will, abhängig von der Wand, der Umgebung und der Schule.“ Schließlich könne er keine bewaffneten Transformer auf eine Grundschule sprayen.

Diese Wände hat Thomas Panter zusammen mit Puppet gesprayt. Foto: Thomas Panter

Ausländische Graffiti-Künstler arbeiten mit  

Auch die Schülerinnen und Schüler dürfen dann bei der Aktion helfen, allerdings meist am Rande des Bildes. Unterstützung holt sich Panter auch gerne aus dem Ausland. An der Wilhelm-Bölsche-Schule hat Panter gleich zwei Wände bemalen dürfen und wurde dabei von dem schwedischen Sprayer „Puppet“ unterstützt. „Die Schule hat eine Partnerstadt in Schweden, deshalb haben wir den Tiger auf dem Bild auch in den schwedischen Nationalfarben gelb und blau gemacht“, erklärt Panter. Die Schule stelle dabei das Material. „Das ist eine Art Renovierungsmaßnahme, bei der ich den Anstrich mache“, sagt er. „Das ist nicht nur Kunst, sondern auch ein Mehrwert.“

Viele Schulen in Berlin seien ziemlich verschmiert durch schlecht gemalte Graffiti, meint Panter. Durch ihn bekommt die Schule einen neuen „Anstrich“. Und eine ungeschriebene Regel unter Sprayern lautet: Ordentliche Designs würden nicht übersprayt, so Panter.

Panter: „Lokale Sprayer zu wenig beachtet“

Leider sei die lokale Graffiti-Szene noch nicht so beachtet. Auch deshalb arbeite er mit Künstlern aus der Umgebung zusammen, wie „Dmark“, „AST ONE“ oder „Capone“.

„Eigentlich war es mal ein Hobby, das haben halt alle gemacht“, erklärt Capone seine Anfänge. „Da konnte man sein eigenes Ding machen, das war auch irgendwie Therapie und es gab einen starken Zusammenhalt in der Crew.“

AST ONE meint: „Sprayen ist ein Teil des HipHop, es ist altersübergreifend und alle sind cool miteinander.“ Dennoch gäbe es viel Konkurrenz in der Stadt, man müsste sich hochkämpfen in der Hierarchie. „Die Hierarchie ist aber auch gut“, ergänzt Panter, „denn dadurch werden die Wurzeln nicht vergessen. Wer damals angefangen hat, der wird auch heute noch respektiert.“

Mehr Frauen machen Graffiti

Inzwischen gibt es auch einige Sprayerinnen in der Szene. Thomas Panter ist froh darüber. „Bisher gab es wenig Frauen, aber das ändert sich, Gott sei Dank“, sagt er. Im Finale für die Sprayer am Sonntag traten dennoch nur drei Jungs an. Neben Malte haben noch Leon und Mo Leinwände eingereicht.

Besonders viel Begabung hat Mo, alias „Huts“, gezeigt. Mit seiner U-Bahn und dem Schweinchen, das ein Schild hochhält, auf dem „YOU“ steht, gewann der 16-Jährige von der Caspar David Friedrich Oberschule aus Hellersdorf den ersten Preis bei den Sprayern. Über fünf Stunden hat er an seiner Leinwand gemalt. „Das Schweinchen ist so was wie mein „character“, das verwende ich eigentlich immer“, sagt er. „Und die U-Bahn steht für Berlin.“ Der Preis sind sechs Spray-Dosen und Stifte im Wert von 50 Euro.

Das Siegerbild von „Huts“. Foto: Anca Specht

Von Berlin aus in die Welt

Thomas Panter ist zufrieden mit dem Ergebnis der Messe. In den drei Tagen auf der „YOU“ habe er viele Talente entdeckt.

Seine Pläne für die nächsten fünf Jahre? „Wir haben in Berlin angefangen, jetzt haben wir auch schon Kleinmachnow und Oranienburg mit dabei. In zwei bis drei Jahren gibt es dann hoffentlich eine deutschlandweite „Battle of Schools“, dann folgt Europa – und dann die Welt“, sagt er lachend.

 

Kommentare

  1. Cooles Projekt,
    jetzt fehlt den Kits nur noch ein Platz wo sie sich quasi austoben können..

    – Gibt es nicht? Na dann nehmen wir die Wand..oder die ..oder die… und schon ist alles voll

  2. Als Schulleiter bin ich selber in den Genuß gekommen das Battle of Schools Konzept in unser Unterrichtsalltag einzubinden, ein voller Erfolg. Mein Dank geht an das Designer Team um Thomas Panter.

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