Aktuelles / Freitag, 03.11.2017

Gloria-Neubau am Kudamm
besteht im Baukollegium

Die geforderte stärkere Differenzierung beider Gebäude wird deutlich. Die geplanten Neubauten am Kurfürstendamm 12/13 (vorne) und 14 mit Blick in Richtung Joachimsthaler Straße Simulation: Ortner&Ortner/Centrum

Im zweiten Anlauf konnten die Neubaupläne für das Gloria das Gremium überzeugen. Einzig mit dem Bezirk besteht noch Dissens bezüglich der Fassade.

Von Philipp Siebert

„Die Hausaufgaben waren reichhaltig“, sagte Markus Penell, Geschäftsführer von Ortner & Ortner Architekten, als er bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung dem Baukollegium Berlin die überarbeiteten Pläne für die beiden Neubauten am östlichen Ende des Kurfürstendamms vorstellte. Die Düsseldorfer Centrum Holding will zwischen den Hausnummern zwölf bis 15 das Büro- und Geschäftshaus Gloria mit einer Gesamtfläche von 23.500 Quadratmeter errichten. Es war bereits er zweite Anlauf, da die Pläne in der vergangenen Sitzung des Baukollegiums am 15. August durchfielen.

Damals erklärten sich die Mitglieder bestürzt über den Umstand, dass dafür der denkmalgeschützte Gloria-Palast am Kudamm 12/13 weichen muss. Auch das Nachbargebäude Nummer 14 wird abgerissen. Nur der Gründerzeitbau mit der Hausnummer 15 kann saniert werden. „Das einzige, was so einen Abriss rechtfertigt, ist, dass man es deutlich besser macht“, sagte Baukollegiums-Mitglied Jórunn Ragnarsdóttir. Den Plan eines „Erinnerungsbaus“ an den Gloria-Palast im Stil der Architektur der 50er-Jahre hielt man für unangemessen.

Hinter einem Gerüst zum Abriss freigegeben: Der ehemalige Gloria-Palast am Kurfürstendamm 12/13. Auch das Haus mit der Nummer 14 (l.) soll verschwinden. Foto: BM

Im Wesentlichen gab es am Ursprungsentwurf drei Kritikpunkte, von denen jetzt zumindest zwei ausgeräumt werden konnten. So störte sich das Fachgremium daran, dass die Technik auf dem Dach zu sichtbar und nicht in die Architektur integriert sei. Ferner seien die Neubauten nicht klar voneinander getrennt gewesen. Sie hatten zwar unterschiedliche Fassaden, teilten sich jedoch einen Eingang. Als drittes Problem wurden die baulichen Anschlüsse an die Nachbargebäude ausgemacht – rechts der Sockel des Upper Wests und links der Gründerzeitbau aus dem Jahr 1898, der ins Gesamtensemble integriert werden soll.

Mit dieser Version kann man leben

Im neuen Entwurf wurde das Technikgeschoss verkleidet und mehrere Meter nach hinten verlegt. Ferner ist es gestaffelt und steigt vom höheren Upper West zum niedrigeren Gründerzeitbau ab. Die entfallenen Flächen wurden in anderen Teilen der Gebäude angesiedelt, die dadurch nach hinten etwas größer werden. „Mit dieser Version kann man leben“, so Baukollegiums-Mitglied Ragnarsdóttir.

Auch die stärkere Differenzierung beider Gebäude sei auf dem richtigen Weg. So gibt es zu den Ladenflächen in den unteren Geschossen jetzt jeweils einen eigenen portalartigen Eingang. Einzig der Zugang zu den Büroflächen im dritten bis fünften Obergeschoss erfolgt weiterhin für beide Gebäude zusammen. Neben den unterschiedlichen Farben wurde auch die Oberfläche der Fassaden stärker differenziert. Eine weitere Trennung gebe es durch deutlichere Bezugnahme auf die jeweiligen Nachbargebäude, so Architekt Penell. Das sollte auch dem Kritikpunkt des mangelnden Anschlusses begegnen.

Dissens bei Übergang zum Altbau bleibt

Während nach dem Votum des Baukollegiums der Übergang zum Upper West gelingt, ist das Problem zwischen dem Neubau am Kurfürstendamm 14 und dem Gründerzeitbau noch nicht gelöst. Von einem „massiven Bruch in der Maßstablichkeit“ spricht die Vorsitzende des Baukollegiums, Senatsbaudirektoren Regula Lüscher. Mit einem insgesamt positiven Votum ist die Sache zwar für das Fachgremium erledigt. Der Dissens besteht jetzt mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, der letztlich die Baugenehmigung erteilen muss.

Dissens beim Übergang vom Gründerzeitbau (l.) zum Neubau am Kurfürstendamm 14.
Simulation: Ortner&Ortner/Centrum

Das Bezirksamt sieht sich wegen dieses Übergangs jedoch momentan noch außerstande, das Vorhaben so zu genehmigen. Dabei handelt es sich nicht um ein ästhetisches, sondern ein denkmalrechtliches Problem, wie Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) klarstellt. Die Erhaltungssatzung Kurfürstendamm verlange einen stärkeren Bezug auf den benachbarten Altbau. Es brauche mehr Stein, mehr Gründerzeit und weniger Glas.

„Grundsätzlich sind wir erleichtert, dass jetzt ein Konsens gefunden wurde“, sagte Centrum-Geschäftsführer Peter Knopf. Er sei überzeugt, dass auch der verbleibende Dissens mit dem Bezirk zu lösen sei. „Das ist keine allzu schwierige Aufgabe.“ Knopf hofft noch in diesem Jahr auf die Baugenehmigung zunächst für die Baugrube. Sie soll dann nach Abschluss der Abrissarbeiten im kommenden Jahr eingerichtet werden. Für 2018 hofft er auch auf die Genehmigung der Neubauten an sich.

Der Gloria-Palast ist verschwunden

Der erste Gloria-Palast eröffnete bereits 1926 im Romanischen Haus (heute Europa Center) auf der anderen Seite des Breitscheidplatzes. Hier wurden Filmklassiker wie „Das Blaue Band“ mit Marlene Dietrich uraufgeführt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zog das Premierenkino in den zwischen 1952 und 1953 errichteten Neubau am Kurfürstendamm 12/13. Zeitweise avancierte es mit seinen mehr als 1000 Plätzen zum Berlinale-Standort. In den Neunzigern machte das Kinosterben in der City West auch vor dem Gloria-Palast nicht halt. 1998 wurde er geschlossen. Eine Ladenpassage entstand. Bis zuletzt standen das Foyer, das Kassenhäuschen und die Leuchtreklame an der Fassade unter Denkmalschutz.

Einst ein strahlendes Glanzlicht in der City West: Der Gloria-Palast bei der Premiere des Films „Das Mädchen Rosemarie“ am 18. August 1959. Foto: Klaus Winkler

Mit einer Vielzahl von Gutachten stellte der Investor, der auch Miteigentümer des Upper Wests ist, ab 2015 die mangelnde Standfestigkeit der Fassade unter Beweis. Nach langen Diskussionen erklärte schließlich die Oberste Denkmalschutzbehörde im Juni 2017: „Die Auswertung der Gutachten ergab, dass der Erhalt der denkmalbestimmenden Substanz durch die erforderliche Sanierung nicht möglich ist.“ Seit dem 26. Juli 2017 werden der Gloria-Palast und das Nachbargebäude abgerissen.

 

Kommentare

  1. Immerhin sieht sich das Bezirksamt wegen des Übergangs zum benachbarten Altbau wohl derzeit außerstande, dieses Vorhaben zu genehmigen. Mal etwas anderes finden die „AKTIVEN BÜRGER für Charlottenburg-Wilmersdorf“…

    Das Foyer, das Kassenhäuschen und die Leuchtreklame an der Fassade standen unter Denkmalschutz. Diese Objekte sollte man zumindest im Neubau integrieren.

    Auf den Fotos ist bisher nur die leblose Glasfassade zu sehen. Die alte Leuchtreklame würde etwas Seele in und an das Gebäude bringen.

    • Ich habe den Kommentar mal zum Anlass genommen, die Seite der „AKTIVEN BÜRGER für Charlottenburg-Wilmersdorf“ zu betrachten. Es ist leicht immer grundsätzlich alles Neue abzulehnen, sich aber über das Schließen von Baulücken zu beklagen, jede Neubaumaßnahme nur in Frage zu stellen, das würde ich eher als destruktiv und nicht aktiv betrachten. Man sollte nicht vergessen, dass unter anderem fehlende Investitionen der City West über viele Jahre massiv geschadet haben, und nun, wo endlich mal Bewegung da ist, übertönt das Jammern jede Sicht auf den Fortschritt und das Wiederauferstehen.

      • Sehr geehrter Herr Schulz,
        die AKTIVEN begrüßen das Schließen von Baulücken und intelligente Baumaßnahmen. Nichtsdestotrotz war unsere Stadt zwischen den Kriegen schon eine fertige Metropole und um die Zukunft gestalten zu können, müssen wir die urbane Vergangenheit kennen.
        Das Gebäude des GLORIA-Palastes war keine Schönheit, speziell wenn man den ursprünglichen GLORIA-Palast vor Augen hat.
        Neues soll keineswegs verhindert werden aber eine Reminiszenz in Form der denkmalgeschützten Leuchtreklame wäre doch ein Farbklecks am neuen Gebäude.

  2. Das postmoderne Görtz-Haus schafft den Übergang zum Gründerzeit-Bau schon seit Jahrzehnten mit Zitat und Witz. Nun muss aber schon wieder ein Exempel neuer Berliner Einfallslosigkeit her. Wo bleibt die große Archiektur für berlins größten Boulevard? Auf diese Art und Weise wird der Kudamm langsam austauschbar. Bitte, lass uns das Nachkriegserbe vor der Monotonie des Neo-Liberalismus schützen!

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