Aktuelles / Donnerstag, 30.11.2017

Geistreiche Plauderei
bei Kaffee und Kuchen

Nadine Köhler und Alexander Keller haben gemeinsam das "Café der Fragen" in Schöneberg eröffnet. Foto: Anja Meyer

In diesem Café isst niemand einsam seinen Kuchen. Zum Konzept des Schöneberger „Cafés der Fragen“ gehört es, gemeinsam über das Leben zu philosophieren.

Von Anja Meyer

Im neuen Schöneberger „Café der Fragen“ können Gäste nicht nur einen Kaffee oder eine Saftschorle trinken und leckere, gesunde Snacks dazu essen. Sie können und sollen vor allem Fragen stellen, sich selbst und anderen. So wie der Name es schon ankündigt. Zu den Themen, die sie gerade in ihrem Leben beschäftigen oder beschäftigt haben. Mit dieser Vision eröffnete an der Winterfeldtstraße vor wenigen Wochen ein kleines Café – geleitet wird es von zwei Neu-Gastronomen: einer ehemaligen Online-Managerin und einem Wirtschafts-Coach.

Auf dem Weg in das Café werden die Gäste schon damit begrüßt, sich Fragen zu stellen. Foto: Anja Meyer

Das „Café der Fragen“ liegt im Souterrain, auf dem Weg dahin begegnen den Besuchern Bilderrahmen mit Fragen: Fühlt sich dein Leben stimmig an? Wie oft sagst du „ich muss“? Wonach suchst du? „Hier muss man wortwörtlich erst einmal ’runterkommen“, sagt Inhaber Alexander Keller. Der 34-Jährige und seine Lebens- und Geschäftspartnerin Nadine Köhler (32) stellen sich schon lange die großen Fragen über das Leben, Ernährung, Gesundheit, Glück, Achtsamkeit, eine sinnvolle Beschäftigung – und anderes. Darüber hat das Paar bereits viele Bücher gelesen und gemeinsam immer wieder diskutiert. Das wollten sie irgendwann nicht mehr nur zu zweit und im engsten Freundeskreis tun, sondern auch mit anderen Menschen. Um ihren Horizont zu erweitern und neue Denkanstöße zu bekommen. Also haben sie einen Ort gesucht, an dem das möglich ist. Weil sie den in Berlin nicht gefunden haben, entschieden sie sich irgendwann dazu, selbst ein Café zu eröffnen.

Bücher aus privater Bibliothek

„Wir wollen und können hier keine Antworten auf alles geben“, sagt Nadine Köhler. „Aber wir freuen uns, wenn man hier bei uns weiter zum Nachdenken angeregt wird.“ Dazu stehen in den an die Backsteinwände geschraubten Holzkisten Bücher zu philosophischen und psychologischen Fragen und Phänomenen. Zum Beispiel: „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl oder „Wenn morgen mein letzter Tag wär“ von Ulrike Scheuermann. Die meisten Bücher stammen aus Alexander Kellers und Nadine Köhlers privater Bibliothek – ein Pluspunkt wie sie sagen. Denn sie haben alle selbst gelesen und können so mit den Gästen noch besser darüber diskutieren. An jedem Sonntag ist Pancake Sunday. Dabei lesen sich die Gäste zu Pfannkuchen gegenseitig vor.  „Viele finden das erst einmal gewöhnungsbedürftig“, sagt Nadine Köhler. „Und merken dann, wie schön das ist.“

Produkte regionaler Unternehmen

Zu Köhlers und Kellers Konzept gehört es, Lebensmittel achtsam zu verwenden. Das heißt: Sie haben zum Beispiel nichts auf der Speisekarte, was industriellen Zucker enthält. „Wir sind keine Zuckerhasser“, sagt Nadine Köhler. „Aber es geht uns darum, Zucker bewusst zu konsumieren und nicht nur nebenbei in sich hineinzustopfen.“ Alles auf der Karte ist außerdem vegetarisch, ein Großteil der Speisen sogar vegan. Das habe sich aufgrund der Nachfrage der Gäste so entwickelt. Außerdem stammen alle Produkte – mit einer Ausnahme – von Berliner und Brandenburger Unternehmen.  „Uns ist es wichtig, dass wir hier keine anonymen Produkte verkaufen“, sagt Alexander Keller. „Deshalb treffen wir uns mit allen Produzenten und lernen ihre Geschichte kennen.“ Dazu gehört unter anderem die Berliner Glam Cola, Ostmost oder Quartiermeister.

An den Wänden ist die private Bibliothek der Inhaber ausgestellt – jeder ist eingeladen, darin zu schmökern. Foto: Anja Meyer

Zum Thema Achtsamkeit sind beide über ihre Jobs in der freien Wirtschaft gekommen. „Ich habe mich viel mit Leadership beschäftigt und irgendwann als Coach auch Seminare zu dem Thema angeboten“, erzählt Keller. Dabei gehe es etwa um die Fragen, warum Menschen in bestimmten Kontexten auf bestimmte Art und Weise reagieren. Woher ihre Konflikte kommen. Und was Führungskräfte tun können, um in einem dynamischen Miteinander mit ihren Mitarbeitern zu arbeiten und dabei den Menschen in den Mittelpunkt stellen. Dazu gründete Keller vor etwa einem Jahr seine Firma „Humans Matter“. Als selbstständiger Coach berät er jetzt auch im Café Führungskräfte unter anderem zu den Themen moderne Mitarbeiterführung und New Work. Außerdem nutzen Köhler rund Keller das „Café der Fragen“ für Diskussionsrunden und Workshops. „Jeder, der möchte, kann bei uns auch eine Veranstaltung organisieren“, sagt Nadine Köhler. „Denn wir alle können viel voneinander lernen.“

Information

„Café der Fragen“, Winterfeldtstraße 17, 10781 Berlin.