Kultur / Montag, 24.08.2015

Gaslicht-Liebhaber kritisieren Pflegezustand als mangelhaft

Ganz besonderes Licht: Leuchtende Laternen im Berliner Gaslaternen-Freilichtmuseum am Rande des Großen Tiergartens Foto: pA/zb/Manfred Krause

Die Senatsverwaltung möchte das Gaslichtmuseum abbauen und woanders wieder aufbauen. Der Verein „Pro Gaslicht“ allerdings sagt, die Leuchten seien nicht wegen Vandalismus kaputt, es mangele an Pflege.

Von Brigitte Schmiemann

Nach Ansicht der Senatsverwaltung ist Vandalismus Schuld daran, dass die Gaslaternen im Museum am Rande des Tiergartens einen so ungepflegten Eindruck machen. In vielen Leuchten sind sogar Vogelnester zu finden. Die Grünanlage werde nachts nicht überwacht, so eine Sprecherin der Behörde, deshalb seien viele Lampen zerstört und auch gestohlen worden. Der Zerstörungsgrad sei inzwischen so hoch, dass nach einem neuen Standort für das Gaslichtmuseum gesucht werde, der  nicht mehr öffentlich sein soll.

„Viele Lampen sind verdreckt, Glühkörper fehlen, die Senatsverwaltung ist zuständig, hat aber Firmen beauftragt. Doch es passiert bereits jahrelang kaum etwas“, kritisiert Bettina Grimm vom Verein „Pro Gaslicht“ (www.progaslicht.de). Der Standort sei immer richtig gewesen, doch mittlerweile sei die Anlage heruntergekommen, weil sich niemand mehr darum kümmere. Statt dessen schiebe man sich jetzt gegenseitig die Verantwortung zu. „Mehr als 30 Vogelnester haben wir im vergangenen Januar gezählt. Und die entstehen nur, wenn Laternen nicht mehr funktionieren. Einzelne Laternenköpfe sind einfach abgebaut worden, ohne dass sie jemals wieder angebaut wurden“, so die Kritik der Gaslicht-Liebhaberin. Sogar die weit oben hängenenden Hängeleuchten seien zum großen Teil abmontiert. „Und an die kommt man nur mit dem Hubwagen. Das hat mit Vandalismus nichts zu tun“, kritisiert Bettina Grimm.

Bei der Senatsverwaltung hieß es dazu, dass Vattenfall mit der Wartung der Gasleuchten des Freilichtmuseums beauftragt sei. Bei Vattenfall hieß es, dass das Unternehmen im Frühjahr eine Bestandsaufnahme gemacht habe und von den 90 Leuchten 21 demontiert waren. 26 seien zudem beschädigt gewesen. Zu den Nestern sagte eine Vattenfall-Sprecherin: „Wenn unsere Monteure bei der vierteljährlichen Wartung feststellen, dass bei einer Laterne die Scheiben eingeschlagen wurden und dort ein Vogelpaar sein Nest gebaut hat, dann wird das Nest während der Brutzeit nicht entfernt, sondern erst im Herbst, wenn das Nest leer ist“. Vattenfall halte sich an die Vereinbarung mit dem Land Berlin, die Gasleuchten vierteljährlich zu warten. Zum Teil handele es sich bei den Gasleuchten um Einzelstücke, die oftmals nicht wiederzubeschaffen seien. Vandalismus und Diebstahl hätten deutlich zugenommen. „Deshalb befürworten wir die Pläne für einen Umzug der historisch bedeutenden Gaslaternen in eine geschützte Umgebung“, so Sandra Kühberger, Sprecherin von Vattenfall.

„Verschrottet oder gegen LED-Attrappen getauscht“

Bettina Grimm unterdessen fürchtet, dass die Lampen im Depot landen und aus Kostengründen nie wieder aufgebaut werden, wenn sie erst mal abgebaut sind: „Der Knackpunkt ist doch, dass solche Laternen gewartet und gepflegt werden müssen, so wie die anderen Gaslichter auch. Und es gibt immer weniger Fachleute, die das überhaupt noch können, ganz abgesehen davon, dass das auch eine Frage des Geldes ist.“

Mit der Entscheidung des Berliner Senats, das Berliner Gaslicht, das als Ensemble mit fast 44.000 Stück einzigartig in der Welt gewesen sei, abzubauen, sei das Thema endgültig zu den Akten gelegt worden. Fast schon 10.000 Gasleuchten seien seit 2007 abgeschafft worden, der Großteil verschrottet, der kleinere Teil gegen „Attrappen mit LED“ ausgetauscht worden. Erfreulicherweise habe wenigstens Düsseldorf, so Bettina Grimm, jetzt einen Abrisstopp für seine Gaslichter verhängt. „Dort wird ein Großteil bestehen bleiben, eine Bürgerinitiative hat dafür mit Erfolg gekämpft. Bei uns werden es gerade mal 7,5 Prozent der einstigen 44.000 sein“, sagt Grimm.

Momentan sind nach Auskunft der Senatsverwaltung noch 35.600 Leuchten in Betrieb. Davon 30.000 Gasaufsatzleuchten, 3550 Hängeleuchten, 1100 Modellleuchten und 950 Gasreihenleuchten. Erhalten bleiben sie beispielsweise in Gebieten wie der Siedlung Weiße Stadt, auf dem Dorfanger Lübars, teils in der Gartenstadt Frohnau, in der Spandauer Altstadt, der Gartenstadt Staaken, in Gatow, einige in Alt-Lietzow sowie etliche im Zentrum Charlottenburgs, im Rheinischen Viertel, in der Siedlung Onkel-Toms-Hütte, am Dorfanger Lichtenrade, am Chamissoplatz, am Mariannenplatz, in Kaulsdorf.

 

 

 

 

Kommentare

  1. Vattenfall kann ich kein wort glauben.In der leonhardtstr.(charlottenburg )hat es ein jahr gedauert bis der gaslaternenaufsatz erneuert wurde

  2. Völlig unglaubwürdig ist, dass Vattenfall von einer vierteljährlichen Wartung spricht. Wie kommt es dann, dass zum Beispiel in der Laterne „Grand Lyra“ aus Paris seit bald drei Jahren ein Vogelnest samt Stroh in der Glasglocke zu sehen ist? Mir scheint, hier wird ganz gezielt auf Vernachlässigung der Pflege und der Wartung gesetzt. Irgendwann werden die Kolonnen kommen und alle Leuchten abbauen, sie werden in irgendeinem Depot verschwinden und niemand sieht sie wieder. Einige der historischen Laternen werden dann möglicherweise auch „Füße“ bekommen und bei irgendwelchen Sammlern landen. So geht Berlin mit seiner Historie um, eine einzige Schande!

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