Aktuelles / Samstag, 04.11.2017

Erholungsoase statt
Brache am Westkreuz

Der Westkreuzpark von der Besucherplattform des Funkturms aus betrachtet. Links befinden sich die meisten Kleingärten, entlang der Gleise in Richtung Innenstadt soll ein Teil der Fläche naturbelassen bleiben. Foto: Matthias Vogel

Das brachliegende Grünflächen-Delta am Westkreuz als barrierefreie Erholungsoase für Jung und Alt? Gerade schwer vorstellbar, aber so plant es der Bezirk.

Bei der jüngsten Sitzung des Straßen- und Grünflächenausschusses zeichnete Landschaftsarchitekt Martin Janotta für die Bezirksverordneten und Zuhörer das Gesicht, dass das 30.000 Quadratmeter große, von Gleisen eingeschlossene Grünflächen-Delta östlich des Bahnhofes Westkreuz bis zum Jahr 2030 tragen könnte. Bei der Entwicklung des städte- und landschaftsplanerischen Konzepts ging das Landschaftsarchitekturbüro „Fugmann Janotta und Partner“ gewissenhaft auf die Wünsche und Bedenken der Anwohner ein, die während zwei gut besuchter Workshops und einer Infoveranstaltung geäußert wurden. Gestört hat die Bürger die barriereartige Wirkung des Areals und die fehlende Erschließung. Erhoffen würden sie sich den Erhalt und die Integration der Kleingärten im Norden des Deltas in einen naturnahen Park mit breitgefächerten Freizeitmöglichkeiten.

Mit im Plan: Moderne Nutzungen wie „Urban Gardening“

Janotta präsentierte ein Konzept mit vier Modulen, dass nach und nach umgesetzt werden würde: Kleingärten, öffentlich nutzbare Grünfläche, „Perforation Gärten“ im Zentrum des Gebietes und ein Biotop mit dem Titel „Gelenkte Wildnis“ entlang der Gleise in Richtung Osten. „Die Perforation ist als eine Art Mosaik von Flächen mit ganz unterschiedlichen Nutzungen zu verstehen“, erklärte Janotta und belegte letztere mit Schlagworten wie „Urban Gardening“ und „Forest Gardening“. Das Biotop sorge für das Naturerlebnis und die Umweltbildung. Auf den öffentlich nutzbaren Flächen sollen Kinderspielplätze entstehen, für die Jugend sind laut Janotta eine Skateranlage und ein Streetballplatz denkbar.

Erholungsoase anstatt Neungeschosser: Der Westkreuzpark mit geplanter Durchwegung. Grafik: Fugmann Janotta und Partner

Die in den Workshops geforderte Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel sowie die barrierefreie Erschließung des Westkreuzparks innerhalb und bezüglich der Umgebung spiegelten sich in den auf die Leinwand projizierten Plänen ebenfalls wider. Janotta zeigte  eine Durchwegung für Fußgänger und Radfahrer sowohl von Norden nach Süden als auch von Osten nach Westen als Ergebnis einer Machbarkeitsstudie auf. „Erste Maßnahme ist ein vier Meter breiter Fahrradweg nördlich der Gleise von der Rönnestraße bis zum Bahnhof Westkreuz“, sagte der Landschaftsarchitekt.

Einwände entkräftet

Erst im Juli dieses Jahres hatte das Bezirksamt die Aufstellung eines Bebauungsplans zur Sicherung des 30.000 Quadratmeter großen Areals als Grünfläche beschlossen und damit einer Wohnbebauung vorgebeugt. Die Deutsche Bahn hatte als Eigentümerin bereits einen Investor an der Hand, der gerne ein neungeschossiges Wohnhaus in das Delta gesetzt hätte. Für Janotta die richtige Entscheidung: „Das Gelände ragt weit in die Stadt hinein und hat in Kombination mit dem angebundenen Lietzensee hinsichtlich der Kühlung an heißen Tagen eine große Bedeutung.“ Abgesehen vom Erhalt dieser Kaltluftschneise sei wegen der starken Lärmbelastung durch Auto- und Schienenverkehr ohnehin von einer Wohnbebauung abzuraten. „Große Konflikte“ seien sonst vorprogrammiert.

Um zeitlich und planerisch flexibel zu bleiben, hat das Landschaftsarchitekturbüro „Fugmann Janotta und Partner“ ein modulares Konzept entworfen. Grafik: Fugmann Janotta und Partner

Die Ausschussmitglieder der FDP hielten eine Wohnbebauung generell für dringlicher und sahen mit der vorgestellten Planung den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht, schließlich gehöre das Gelände noch der Bahn. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90/Die Grünen) sagte auf Nachfrage dazu: „Die Reihenfolge stimmt schon. Planungshoheit hat der Bezirk und würden wir immer nur den Plänen von Grundstückseigentümern und Investoren nachlaufen, hätte das mit Stadtentwicklung wenig zu tun.“ Mittlerweile habe die Bahn auch eingesehen, dass ihr Wohnungsbauprojekt nicht in absehbarer Zeit zu realisieren ist und habe Gesprächsbereitschaft signalisiert. Den Einwand aus den Reihen der Zuhörer, der nördliche Bereich des Westkreuzparks stünde für die Überplanung doch gar nicht mehr zur Verfügung, entkräftete Schruoffeneger nachträglich ebenfalls: „Es stimmt, es gibt dort einen Bebauungsplan. Da waren einmal zwei Messetürme angedacht. Aber das verfolgt niemand mehr ernsthaft, da wird ein neuer Bebauungsplan drübergelegt.“

Wie geht es weiter am Westkreuz?

Für die Beantwortung der Frage nach den Kosten des Projektes sei es noch zu früh. Finanzieren ließe sich so etwas aber gut über Ausgleichsflächenzahlungen des Landes Berlin. „Ein nie versiegender Geldfluss, der Gleisdreieckpark wurde beispielsweise so realisiert“, sagte Schruoffeneger.
Der Flächennutzungsplan ist bereits durch, kürzlich endete die Auslegungsfrist. Die Verwaltung ist nun also auch verpflichtet, einen Grünflächen-Bebauungsplan aufzustellen. „Formal gibt es dafür kein Zeitfenster, aber wir wollen zwischen der abschließenden Informationsveranstaltung zum Nutzungskonzept am 23. November und Jahresende noch den Aufstellungsbeschluss fassen“, sagte Schruoffeneger. „Mit dem gesamten Planungsverfahren sind wir sicher noch zwei bis drei Jahre beschäftigt.“

Die Nutzungart der einzelnen Flächen ist nicht strikt abgegrenzt. Grafik: Fugmann Janotta und Partner

 

 

Kommentare

  1. Pingback: 11.10. Präsentation der aktualisierten Machbarkeitsstudie von F/J/P im Grünflächenausschuß – WestkreuzPark! – Naturpark am Westkreuz in Berlin

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