Aktuelles / Montag, 02.10.2017

Eine Orgel wird 50 und
muss „gewuppt“ werden

Eine schlichte Kirche voller Symbolik. Nach 50 Jahren muss jetzt aber die Orgel renoviert werden. Foto: Constanze Flamme

Die Orgel der Sühne-Christi-Kirche feiert den 50. Jahrestag ihrer Einweihung. Doch jetzt müssen ihre Wippen dringend repariert werden.

Die Orgel der Sühne-Christi-Kirche wurde von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke errichtet und am 15. Oktober 1967 feierlich eingeweiht. Sie verfügt über 3022 Pfeifen, 3 Manuale und ein Pedal. Ein halbes Jahrhundert lang hat jetzt aber der Zahn der Zeit an der Orgel genagt, sagt Pfarrer Michael Maillard. So müssten beispielsweise die „Register-Wippen“, das sind die Schalter, mit denen die verschiedenen Klangfarben der Orgel eingestellt werden, dringend repariert werden, weil sonst das Instrument bald nicht mehr in seiner ganzen Klangfülle erklingen könne. Unter dem Motto „Wuppen wir die Wippen“ bittet die Gemeinde deshalb um Spenden für die Reparatur der Register-Wippen und anderer Teile der Orgel.

Angebote zum Orgeljubiläum

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeit wird ein Festtag am 15. Oktober 2017 sein. Er beginnt mit einem Dank-Gottesdienst um 15 Uhr in der Sühne-Christi-Kirche an der Toeplerstraße 1. Es schließt sich ein Programm mit Orgelbesichtigung, Essen und Trinken an. Um 18 Uhr folgt ein Orgelkonzert von Kantor Martin L. Carl unter dem Motto „Musikalische Bilder“.

Weitere Programmpunkte:
Mittwoch, 4. Oktober, 15 Uhr: Orgelführung mit Martin L. Carl.
Mittwoch, 1. November, 15 Uhr: Einführung ins Brahms-Requiem
Sonntag, 26. November, 18 Uhr: Johannes Brahms: Deutsches Requiem; Sonja Pitsker (Sopran), Jonas Boehm (Bariton), Wolf-Ferrari- Ensemble, Stefan Kießling (Orgel), Harfe, Pauken, Gustav-Adolf-Kantorei. Leitung: Martin L. Carl; Eintritt: 12, ermäßigt 10 Euro.

Orgelführungen für Gruppen auf Anfrage

Spenden erbittet die Gemeinde auf das Konto Evangelische Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord, IBAN: DE15 5206 0410 0003 9094 17, Verwendungszweck: Register-Wippen

Informationen zur Kirchengemeinde

Charlottenburg-Nord ist ein Teil Berlins mit vielen Bezügen zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur. Daran erinnert die Gedenkstätte Plötzensee, an deren Stelle zwischen 1933 und 1945 fast 3000 Menschen hingerichtet wurden, und die katholische Gedenkkirche Maria Regina Martyrum mit dem Karmel-Kloster. Hier tragen auch viele Straßen, Plätze und Schulen die Namen von Widerstandskämpfern.
Diesem geographischen Erinnern und geschichtlichen Gedenken fühlt sich die Kirchengemeinden verpflichtet. Von Anfang an gab es dabei eine enge ökumenische Zusammenarbeit zwischen evangelischer und katholischen Gemeinde sowie den Schwestern des Klosters Regina Martyrum. Die beiden Kirchen der Gemeinde sind dem Gedenken der Opfer der Verbrechen und des Unrechts jener Zeit gewidmet.

Gedenkkirche Maria Regina Martyrum am Heckerdamm. Foto: pa/dpa

Die architektonische und künstlerische Ausgestaltung zeigt das genauso wie die Namen „Sühne-Christi-Kirche“ und „Gedenkkirche Plötzensee“. Die Sühne-Christi-Kirche wurde am 11. Oktober 1964 als erste Kirche der Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord eingeweiht. Die Pläne für den weißen, sechseckigen Bau mit dem separaten dreieckigen Turm stammen von dem Architekten Hansrudolf Plarre. Die Tatsache, dass die Plötzenseer Gefängnisse auf dem Gebiet der Gemeinde liegen, bot einen wichtigen Hintergrund für Namensgebung und Gestaltung der Kirche.

Synonyme für unermessliches Leiden

Die Kirche beginnt bereits auf dem Vorplatz mit der von Florian Breuer gestalteten Gedenkmauer. An ihr sind Namen versammelt, die zu Synonymen für das unermessliche Leiden geworden sind, das Menschen im 20. Jahrhundert einander zugefügt haben: „Plötzensee“, „Auschwitz“, „Hiroshima“, „Mauern“. Davor in den Boden gelassen Gottes Vorhaltung an Kain: „Horch, das Blut deines Bruders schreit zu mir von der Erde“ (1. Mose 4,10) als Mahnung an alle, die vorübergehen. Die Gedenkmauer setzt sich in die Kirche hinein fort. So führt der Weg in den Gottesdienst an der aus roten Backsteinen gemauerten Sanduhr – Zeichen verrinnenden Lebens – und dann an dem Namen „Golgatha“ vorbei, dem Namen der Stätte, wo Jesus Christus ans Kreuz geschlagen wurde.