Aktuelles / Samstag, 18.03.2017

Pläne für ein Stück Paris
am Hochmeisterplatz

Luxus zwischen Parkidylle und Ku'Damm: 114 Wohnungen sollen am Hochmeisterplatz gebaut werden. Simulation: Bauwert

Gestern Post, heute Ruine, morgen wohnen wie in Paris: Ein Neubauprojekt des Investors Bauwert beschert dem Hochmeisterplatz französisches Flair. Die Anwohner weisen das Projekt zurück.

Von Thomas Schubert

Noch zwei Wochen, dann ist Halensee erlöst. Vor Ostern darf der Abrissbagger nun wirklich sein Podium aus Schutt erklimmen und die Ruine der alten Post in Stücke brechen. Das hätte schon im Herbst geschehen können, vor Weihnachten oder nach Neujahr. Aber die Ruine überdauerte alle Fristen – und erwarb sich einen Ruf als Ausflugsziel für Graffiti-Crews.

Possenspiel um Antenne

Jetzt also konnte Investor Bauwert bei einer zweiten Anwohnerversammlung das Ende der Hängepartie verkünden. Die Posse um die Versetzung einer Funkantenne vom Dach der Post auf ein anderes Gebäude ist vorbei, erklärte Sprecherin Heike Zauner der Nachbarschaft. Zähe Verhandlungen mit Telekom und Funkturmgesellschaft hätten dafür gesorgt, dass die Antenne viel länger stehen bleiben musste als gewollt. Und mit ihr das alte Haus, das sie trägt.

Bühne für Graffiti-Künstler: Die halb zerstörte Post sorgt bei Anwohnern für Unmut. Foto: Schubert

„Schuld war nicht böser Wille, sondern die Faktizität unser Odyssee mit der Antenne“, hieß Zauners Entschuldigung. Doch das Hauptthema des Abends war das Neubauvorhaben mit einem schlichten Namen: „Am Hochmeisterplatz.“ Hierfür zeigte Architekt Thomas Albrecht nun frische Bilder eines siebengeschossigen, u-förmigen Blocks, der 114 Eigentumswohnungen hinter eine historisierte Fassade verpackt. „Unser Vorbild heißt Paris“, nannte Albrecht den Quell der Inspiration. Auch die francophile Formensprache der Kudamm-Seitenstraßen sei für den Block maßgebend gewesen – „wir wollen uns diesem Duktus fügen, aber nicht auf Retro machen.“

Abweichung vom ursprünglichen Plan

Einen Großteil der Mühe lag darauf, die über 50 Meter lange Gebäudefront mit Loggien, Balkonen und Vorsprüngen so zu gliedern, dass sie ihre Wucht verliert. Nicht weniger als sechs Treppenhäuser verbergen sich künftig hinter den beiden Eingängen und einem kleinen Garten, der sich wiederum an den Hauptweg des Hochmeisterplatzes schmiegt. Bis Sommer 2019 entstehen ausschließlich Eigentumswohnungen mit zumeist zwei bis vier Zimmern in Größen von 50 bis 120 Quadratmetern und 88 Garagenplätzen mit Zufahrt in der Nestorstraße. Im begrünten Hofbereich versteckt, liegt ein Spielplatz. Und dass es tatsächlich so etwas wie einen umschlossenen Hof geben wird, war die eigentliche Überraschung des Abends.

Nur noch zwei Wochen: Der Abriss der Postruine steht nun kurz bevor. Foto: Thomas Schubert

Denn Bauwert hat seine Pläne geändert und will die beiden Ausläufer des u-förmigen Blocks so verlängern, dass sie im Norden an die Bestandsbauten anschließen. Frühere Entwürfe sahen hingegen eine Lücke vor. Das U war lediglich angedeutet – was laut Heike Zauner dem Stadtplanungsamt missfiel. Man habe also die Planung dem Wunsch angepasst, den Blockrand geschlossen und warte nun auf die Genehmigung dieser Version.

Unterschiedliches Meinungsbild zu dem Bauvorhaben

Das Meinungsbild in der Versammlung zeigt: Bauwert wird aus die Erlaubnis warten müssen. Denn Bauexperten fast aller Fraktionen der Bezirksverordnetenversammlung übten am neuesten Entwurf Kritik. Während Christoph Brzezinski von der CDU noch einsah, dass Bauwert immerhin alle rechtlichen Vorgaben einhält und die Ruine schnell beseitigen will, sprach Grünen-Sprecherin Jenny Wieland von einer „Katastrophe.“

Gemilderte Wucht: Architekt Thomas Albrecht setzt auf filigrane Elemente, um die massive Front zum Hochmeisterplatz zu gliedern. Simulation: Bauwert

Das Postgebäude mit Bausubstanz der 20er-Jahre habe Denkmalwert gehabt und sei voreilig abgebrochen worden, lautet ein Hauptargument der Kritiker. Weil das Projekt eine Befreiung vom Bebauungsplanverfahren erhielt, hat der Bezirk kaum noch Einfluss, konnte auch keine Beimischung von Sozialwohnungen mehr fordern. Und die Anwohner? Sie wiesen das Projekt mit scharfen Worten zurück, weil es von der Formensprache des historischen Woga-Komplexes nebenan nichts wissen will. „Da wackelt das Goldkettchen“, befürchtet Architekt Reinhardt Brüggemann die Verbeugung vor einer vermögenden Käuferschaft. „Ein Stück KaDeWe“ habe in der Nachbarschaft Erich Mendelsohns denkmalgeschützter Wohnanlage im Stil der Neuen Sachlichkeit nichts zu suchen.

Anwohner sehen Mendelsohn missachtet

Heike Zauner versuchte mit dem Bemerkung zu befrieden, dass bei Geschmacksfragen verschiedene Meinungen möglich sind und sich der Neubau eben an anderen Architekturakzenten der Umgebung orientiert.