Aktuelles / Donnerstag, 26.10.2017

Ein grünes Band für die
neue Wilmersdorfer Mitte

Die Skizze eines Wohnhauses, vorlegt von der Bürgerinitiative Wilmersdorfer Mitte. Es sieht Hochbeete vor und ein Wasserbecken zum Plantschen. Der Uhlandbogen wäre dann begrünt. Repro: Katja Wallrafen

Die Bürgerinitiative Wilmersdorfer Mitte legt ein Konzept zur Verbesserung der Lebensqualität im Kiez rund un die Wilhelmsaue vor. Eines der Ziele: Weniger Durchgangsverkehr.

Von Katja Wallrafen

Die Bürgerinitiative (BI) „Wilmersdorfer Mitte“ ist im Februar 2016 angetreten, um der alten Wilmersdorfer Mitte – dem Gebiet rund um die Wilhelmsaue, begrenzt von Berliner Straße, Blissestraße und Volkspark – wieder Raum für mehr Lebensqualität zu verschaffen. „Zerstörung aus dem Zweiten Weltkrieg sowie eine überdimensionierte Verkehrsplanung haben dazu geführt, dass das Gebiet in Einzelräume zerfallen ist. Diesen Zustand möchten wir vorsichtig reparieren“, umreißt BI-Vorsitzender Matthias Reich die Pläne. Die „Wilmersdorfer Mitte“ will einen Stadtraum schaffen, der vom Durchgangsverkehr entlastet wird, um die Wohn- und Aufenthaltsqualität zu verbessern. „Es ist möglich, ein Stadtgebiet, das von den Planungen der autogerechten Stadt der 60er-Jahre belastet ist, zu reparieren“, so Reich.

Erstens ein grüner Uhlandbogen

Architekt Jürgen Haug, Mitglied der Bürgerinitiative, hat einen Planungsentwurf vorgelegt, der nun als Grundlage für weitere Gespräche mit Parteien, Verwaltung, Verbänden und Bürgerschaft dienen soll. Der Plan sieht vor, den Verkehrsfluss am Uhlandbogen (dem Teilstück der Uhlandstraße zwischen Berliner Straße und Mecklenburgische Straße) einzuschränken, um eine Beruhigung des Wohngebietes um die Wilhelmsaue zu ermöglichen. Aus den bislang vier Fahrspuren sollen nur zwei werden. Die dann frei werdenden Flächen geben den Anwohnern Raum für den Aufenthalt im Freien, können aber durchaus auch als Parkflächen für Autos genutzt werden. Bäume, Fahrradwege und Bürgersteige würden den Uhlandbogen in einen Grünzug verwandeln. Das dürfte auch die Eiche freuen, die zurzeit ein trostloses Dasein verkehrsumtost mitten auf der Kreuzung Uhlandstraße/Wilhelmsaue führt. „Dieser wunderschöne Baum würde dann ein repräsentatives Grünkreuz bilden. Und nordwärts zur Berliner Straße hin schließt sich eine als Stadtplatz nutzbare Fläche an“, beschreibt Matthias Reich das Konzept.

Trostlos und vom Verkehr umtost steht die Eiche auf der Kreuzung Uhlandstraße / Wilhelmsaue. Die Bürgerinitiative möchte den Uhlandbogen vom Verkehr entlasten. Foto: Katja Wallrafen

Zweitens ein Neubau eines Wohnhauses

Des Weiteren hat die Bürgerinitiative am Nordrand des Volksparks östlich der Blissestraße ein neues Wohngebäude vorgesehen. „Dieses Gebäude würde dem Park eine räumliche Fassung verleihen“, betont Matthias Reich. Die Planung sieht ein Luftgeschoss über den Verlauf des vormaligen Uhlandbogens hinaus vor. Architekt Jürgen Haug: „So werden auf reizvolle Weise so die Bau- und Fluchtlinien der verschiedenen Bauphasen verzahnt und überlagert. Das Luftgeschoss selbst erinnert an die Nachkriegsmoderne und gibt den Blick frei auf die Rückseite des Kirchengebäudes von Otto Bartning an der Wilhelmsaue.“ Haugs Plan sieht im Gebäude zum Park hin ein Café mit Garten vor; zudem auf dem vormaligen Straßenland des Uhlandbogens ein Planschbecken und Hochbeete zur nachbarschaftlichen Bepflanzung. „Damit wird auf vielfältige Weise auf das ehemalige Wilmersdorf als Seebad, Versammlungs- und Vergnügungsort zurückverwiesen“, erläutert Matthias Reich. „Und durch diesen Plan wachsen auch an der Blissestraße beide Teile des Volksparks wieder auf voller Breite aufeinander zu.“ Im nächsten Schritt will die Bürgerinitiative mit den Grundstückseignern Gespräche führen – es geht unter anderem um das Grundstück, auf dem bislang eine Tankstelle steht.

„Wilmersdorfer Mitte“ sucht Gespräch mit der Politik

Parallel dazu stehen Gespräche mit der Politik an – auf allen Ebenen, denn die Bürgerinitiative hofft auf ein Bebauungsplanverfahren sowie einen Architektenwettbewerb. Reich zufolge hat Senatsbaudirektorin Regula Lüscher grundsätzliche Zustimmung für die Ideen signalisiert, sie schätze Projekte, die von einer engagierten Bürgerschaft vorangetrieben werden. Die Bürgerinitiative ist zuversichtlich, dass sie auch Bausenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) überzeugen kann.

Sturm Xavier hat auch im Volkspark Wilmerdorf Bäume entwurzelt. An dieser Stelle soll in Zukunft die Durchquerung des Parks wieder möglich sein. Foto: Katja Wallrafen

Freie Wege im Volkspark

Während sich das große Ganze noch in der Anfangsphase befindet, deuten sich erste konkrete Fortschritte im Bemühen der BI Wilmersdorfer Mitte an, den Volkspark wieder zu einer Einheit zusammenwachsen zu lassen. „Ein Thema ist die so genannte Durchwegung“, schildert Matthias Reich. „Wir haben angeregt, die Zäune abzuschaffen, die momentan noch zwischen den beiden Fußballplätzen dafür sorgen, dass man nicht quer durch den Park gehen kann. Sowohl der FC Wilmersdorf als auch das Grünflächenamt fanden das sinnvoll. Nun hat Sturm Xavier Tatsachen geschaffen und die Zäune zum Teil niedergerissen.“

 

Kommentare

  1. Die BI Wilmersdorfer Mitte hat einen weitergehenden Vorschlag als im Artikel dargestellt. Der Volkspark soll über die Uhlandstraße erweitert werden. Die Uhlandstraße soll am südlichen Ende vollständig für den Autoverkehtr gesperrt werden.
    Zwischen Berliner Straße und Am Schoelerpark soll die Uhlandstraße nur für den Anliegerverkehr zugänglich sein.
    Dagmar Peitsch
    2. Vorsitzende BI Wilmersdorfer Mitte

  2. Die Ideen der „WiMi“ sind ja im wahrsten Sinne des Wortes großartig und wünschenswert. „Charlowill“ als altes Zentrum des Westens würde teilweise zu historischen Zeiten vor der autogerechten Stadt zurückkehren, das Leben im Kietz würde noch lebenswerter…
    Allerdings: Bisher gelang es noch nicht einmal, abgebaute Bänke in de Wilhelmsaue zu ersetzen, gefällte Bäume neu zu pflanzen und die Lauchhammer-Pumpe vor der Kirche der Christlichen Wissenschaftler zurückzuholen.
    Deshalb bedarf es wohl sehr viel „Gottvertrauen“, um diese großen Projekte realisieren zu können in der armen, aber sexy Stadt Berlin…
    Dr. Wolfgang Suchanek, Wilhelmsaue

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