Aktuelles / Mittwoch, 02.11.2016

Ein Bunker für die
Kunst in Wilmersdorf

Hat sich seinen Traum erfüllt: Seit einem Jahr macht Jong-Ha Kim aus einem ehemaligen Bunker einen Kunstraum. Foto: Katja Wallrafen

Tief unter der Erde in einem alten Luftschutzbunker am Hohenzollerndamm ist ein Ort für Kunst und Künstler entstanden. Jong-Ha Kim lebt dort seinen Traum.

Von Katja Wallrafen

Hält man sich vor dem Haus am Hohenzollerndamm 120 leicht links, geht etwa 50 Meter auf das Gelände, steht man vor einem Glas-Beton-Eingang, der eine Treppe abwärts schützt. Es geht hinab in einen ehemaligen Luftschutzbunker – entgegen der Erwartung in einen lichten Eingangsbereich, in dem Skulpturen und kleinere Objekte zu sehen sind. Ein Cafébereich gibt den Blick frei auf eine großzügige Galeriefläche – willkommen bei „Artist Homes“, einem Ort der großen Träume. Ein Zuhause für Kunst und Kreativität, ein Raum für schöpferische Ideen, wie Hausherr Jong-Ha Kim (36) es ausdrückt.

Koreaner mit Sehnsucht nach Europa

Aber der Reihe nach: In Seoul geboren und aufgewachsen, zieht es den jungen Jong-Ha Kim Sehnsucht nach Europa. Für ihn ein Sehnsuchtsort der Kreativität. Er ist begeistert von der Fluxus-Bewegung: Musik, Theater, Installationen greifen ineinander, inspirieren sich gegenseitig – alles fließt. 2007 reist er nach Hamburg und lernt Deutsch. In Freiburg studiert er Musik, aber dort ist es ihm zu eng. 2012 zieht der Jazz-Gitarrist nach Berlin, will an der Spree sein Ding machen. Auf der Suche nach geeigneten Proberäumen entdeckt seine Ehefrau ein ungewöhnliches Inserat auf einem Onlineportal, gleich eine Minute nachdem es online stand: Gut 700 Quadratmeter, tief unter der Erde am Hohenzollerndamm 120 – ein ehemaliger Luftschutzbunker, der angeblich im zweiten Weltkrieg der Luftwaffe als Kommunikationszentrale diente.

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Unscheinbar von außen, aber mit reichem Innenleben: Der Kunst-Bunker am Hohenzollerndamm. Foto: Katja Wallrafen

Bezaubert von der Atmosphäre

Gleich nach der ersten Begehung ist das Ehepaar bezaubert von der Atmosphäre. Seinem Bauchgefühl folgend, unterzeichnet Jong-Ha Kim sofort den Mietvertrag. „Noch ohne Plan, ohne Finanzierungskonzept“, schildert der 36-Jährige. „Wir haben uns gleich wohl gefühlt. Es ist ein Ort voller Energie. Es ist nicht bedrohlich, finster oder düster hier unten. Im Gegenteil, die mächtigen Mauern geben ein Gefühl der Geborgenheit.“ Vor einem Jahr öffnete „Artist Homes“ seine Tür für die Öffentlichkeit.

„Wir machen, was wir wollen“

Momentan sind Bilder von Jung-Ock Lee zu sehen. Sanfte Tuschzeichnungen, zart farbig akzentuiert, widmen sich der „Sehnsucht“ oder auch dem „Traum“.
Traum ist auch das Stichwort für Jong-Ha Kim: „Wir sind kein Verein, wir sind keine Firma, wir haben keine Förderung. Wir machen, was wir wollen. Wir setzen uns keine Grenzen – hier ist jeder willkommen, der seine Werke, sein Schaffen zeigen will. Das können Bilder oder Skulpturen sein, musikalische Darbietungen, aber auch Tanz, Performances, Videoas, Kurzfilme oder digitale Experimente – und gerne auch alles zusammen und immer im Austausch miteinander.“ Neben der Ausstellungsfläche bietet der Bunker einige Übungsräume, die für 200 Euro im Monat zu mieten sind. Der Konzertsaal mit einhundert Plätzen eignet sich auch für Firmenevents oder größere Privatfeiern.

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Erlaubt ist, was gefällt: Ein Schwan im Kunst-Bunker am Hohenzollerdamm. Foto: Katja Wallrafen

Größeres Publikum erreichen

Angeboten werden Seminare und Workshops, zum Beispiel führt Mineko Sasaki-Stange ein in die Kunst der Kalligrafie oder der Keramiker Thomas Riedinger ermöglicht es Teilnehmern eines zweitätigen Workshops, eine japanische Teeschale aus Ton, eine „Chawan“, zu plasitizieren. Konzerte, Seminare und Seminare sollen Geld ins die Kasse spülen, denn bislang investiert Jong-Ha Kim sein privates Vermögen. „Mir ist klar, dass wir nicht reich werden“, erzählt er. „Dennoch hoffe ich, dass sich unser Ansatz als richtig erweist. Wir haben uns für das zweite Jahr unserer Existenz vorgenommen, ein größeres Publikum zu erreichen. Wir wollen Freiwillige dazu ermutigen ihre Energie in „Artist Homes“ zu investieren. Und gerne auch Sponsoren. Mein absoluter Traum wäre es, wenn wir es schaffen würden, eine finanzielle Basis zu schaffen, die es uns ermöglicht, uns auf unsere künstlerischen Projekte zu konzentrieren und in Zukunft sogar selbst Künstler zu fördern.“

 

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