Aktuelles / Sonntag, 31.12.2017

Durchmischtes Zeugnis
für die Maaßenstraße

Die Verkehrssituation in der Maaßenstraße ist jetzt entspannter, als früher. Foto: Anja Meyer

Im Herbst 2015 eröffnete Berlins erste Begegnungszone in der Maaßenstraße. Trotz großer Kritik fallen zwei Evaluationen dazu positiver aus, als erwartet.

Von Anja Meyer

Die Begegnungszone Maaßenstraße ist nach wie vor umstritten. Im Oktober 2015 ist das nach niederländischem Vorbild für rund 800.000 Euro umgebaute Straßenstück am Nollendorfplatz als erste Begegnungszone Berlins eröffnet worden. Anschließend gab es viel Kritik von Anwohnern und Gewerbetreibenden – bis hin zu Forderungen, die Straße wieder in ihren Ursprungszustand zurückzubauen. Die vom Bezirk Tempelhof-Schöneberg und der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz jüngst veröffentlichten Evaluationsberichte zum Verkehrsaufkommen und zur Barrierefreiheit zeigen jedoch, dass es auch positive Punkte zu verbuchen gibt. Besonders das gesunkene Verkehrsaufkommen und niedrigere Durchfahrtsgeschwindigkeiten von Autos und Motorrädern werden als Erfolg gesehen. Im essentiellen Punkt Verkehrsentlastung sind zwar nicht alle, jedoch wesentliche Ziele, erreicht worden. Als problematisch stellt sich jedoch heraus, dass die Begegnungszone nicht von allen als solche erkannt wird und es häufig zu Verwirrungen über die Benutzung und Chaos wegen Falschparkern kommt. Außerdem werden die Aufenthaltsflächen kaum genutzt.

30 Prozent mehr Fußgänger, weniger Raser

Laut Bericht wird die Maaßenstraße seit der Eröffnung der Begegnungszone als entspannter wahrgenommen, als zuvor. Die drei Verkehrsteilnehmergruppen Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer würden sich gegenüber rücksichtsvoller verhalten. Wichtige Indizien dafür sind die um 30 Prozent gestiegene Anzahl an Fußgängern, die um durchschnittlich drei Sekunden und maximal 15 Sekunden gesunkenen Wartezeiten beim Überqueren der Straße und die um ein Drittel gesunkene Menge an Kraftfahrzeugverkehr. Der Anteil der Fahrzeuge, die schneller als 30 Stundenkilometer fahren, ist laut Untersuchung von 47 auf neun Prozent gesunken, Autorennen finden nicht mehr statt. Die Vorher-Nachher-Untersuchungen basieren auf Zählungen des Verkehrs an einem Maitag im Jahr 2012 und einem Septembertag 2016 – an beiden Tagen war es trocken und warm. Die Fahrgeschwindigkeiten wurden tagsüber und nachts während sieben, beziehungsweise elf Tagen im November 2014 und im Oktober 2016 gemessen.

Berlins erste Begegnungszone ist nach niederländischem Vorbild errichtet worden. Foto: Anja Meyer

Wie Tempelhof-Schönebergs Stadträtin Christiane Heiß (Grüne) erklärt, ist sie mit den Ergebnissen der Evaluation weitgehend zufrieden. Die wichtigsten Ziele der Begegnungszone waren eine Verbesserung für Fußgänger in der Straße. Das sollte mithilfe von Aufenthaltsmöglichkeiten, einer besseren Straßenquerung sowie langsamerem Autoverkehr erreicht werden. „Die Situation für Fußgänger hat sich deutlich verbessert“, sagt Christiane Heiß. „Jetzt geht es darum, die Aufenthaltsqualität weiter zu erhöhen.“ Denn auch wenn nun mehr Fußgänger durch die Maaßenstraße gehen, würden sie selten in der Begegnungszone verweilen, die aufgestellten Metallbänke bleiben weitestgehend unbenutzt.

Blinde und Sehbehinderte üben Kritik

In puncto Barrierefreiheit fällt das Zeugnis für die Begegnungszone durchmischt aus. Diese Untersuchung basiert auf Interviews mit Menschen mit verschiedenen Behinderungen – unter anderem Blinde, Gehörlose und Rollstuhlfahrer – und Vor-Ort-Begehungen mit dieser Zielgruppe. Alle Befragten empfanden eine verkehrsberuhigte Begegnungszone als positive Idee, waren mit der Umsetzung jedoch nicht komplett zufrieden. Besonders von Sehbehinderten und Blinden gibt es Kritik: So sind die Straßenquerungen der Begegnungszone etwa mit einer Noppenstruktur gekennzeichnet, die in Berlin jedoch weitgehend unbekannt ist. Daher wissen Ortsunkundige nichts damit anzufangen und können sich schlecht orientierten. Leitelemente für Blinde an den Rändern der Begegnungszone werden im Sommer von den Stühlen und Tischen der Gastronomie auf dem Gehweg unterbrochen.

Die Bänke werden kaum genutzt, besonders im Winter sind die Metallbänke zu kalt. Foto: Anja Meyer

Ein weiteres Problem im Hinblick auf das Sicherheitsempfinden seien Fahrradfahrer und Falschparker. Das Fahrradfahren ist in der Begegnungszone zwar ausdrücklich erlaubt, jedoch fühlen sich besonders behinderte Menschen – aber auch andere Fußgänger – von schnellen Radfahrern verunsichert. Unsicherheit gebe es auch an den Straßenübergängen, die von Falschparkern blockiert werden. Das Halteverbot wird in der Begegnungszone häufig missachtet – was laut Bericht auch an der Unwissenheit der Autofahrer liegen könnte. Um die Barrierefreiheit zu verbessern, sollen nach Angaben von Stadträtin Christiane Heiß im Januar konkrete Maßnahmen beschlossen werden. Dazu gehöre unter anderem, Reflektoren an den Begrenzungen anzubringen und die Fußgängerüberwege an der Winterfeldtstraße farblich neu zu markieren.

Evaluation zur Ästhetik geplant

In den ersten Monaten des neuen Jahres soll laut Heiß außerdem eine weitere Evaluation zur Begegnungszone gestartet werden. Deren Ergebnisse dürften deutlich schlechter ausfallen, denn darin geht es um die Ästhetik der Straße – ein Punkt, der häufig bemängelt wird. „Wir haben am Beispiel der Maaßenstraße gelernt, dass es lange noch nicht ausreicht, eine Fläche optisch von der Straßenbahn abzugrenzen, um deren Aufenthaltsqualität zu erhöhen“, sagt Christiane Heiß. Vor allem das Material der aufgestellten Bänke müsse überdacht werden. „Ich werde mich für bequemere und schönere Bänke einsetzen.“

 

Kommentare

  1. Wenn ich das schon lese „Evaluation“, dann noch die Quelle und als Kirsche auf diesem Haufen Frau Heiß. Wer den Text aufmerksam liest wird feststellen, mit dem Bericht ist amtlich, dass nicht nur die Maßnahme ein völliger Unfug war, außer den Grünen selbst ist davon keiner begeistert, sondern auch noch Steuergelder verschwendet werden, um dieses hässliche Verkehrshindernis zu untersuchen, wobei jeder 3 Jährige auch ohne Untersuchung eine bessere Antwort geben könnte als unsere Senatsverwaltung und die Bezirksstadträtin. Aber was schert das die Damen und Herren schon, schließlich verballern sie ja nicht ihre Steuergelder. Warum machen es die Grünen nicht noch einfacher, einfach einen fetten Betonklotz in die Mitte von der Straße, dann gibt es gar keinen Durchgangsverkehr mehr und das einzige Ziel, den Autoverkehr zu behindern, wäre erreicht. Das muss man sich wirklich mal überlegen, für solche „Politiker“ müssen Menschen in dieser Stadt teilweise mit unterirdischer Bezahlung aufkommen, während diese Schaden anrichten für den sie nicht haften und dafür noch reichlich abgefunden werden. Es wird dringend Zeit für eine Erweiterung des Strafgesetzbuchs um Steuerverschwendung, solche Leute müssen endlich zivil- und strafrechtlich haftbar gemacht werden.

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