Aktuelles / Freitag, 10.11.2017

Digital Detox rettet
den Familienfrieden

Stärkt sich vor seiner Lesereise durch Deutschland noch einmal an einem seiner Lieblingsplätze im Bayerischen Viertel: Medienexperte Thomas Feibel vor dem vietnamesischen Restaurant am Bayerischen Platz. Foto: Katja Wallrafen

Thomas Feibel, Autor aus dem Bayerischen Viertel, hat das Buch der Stunde geschrieben. „Jetzt pack doch mal das Handy weg!“ ist gerade einen Monat auf dem Markt und die Resonanz ist riesig. 

Von Katja Wallrafen

Seit Jahren beschäftigt sich Thomas Feibel (http://www.feibel.de) mit Medien. Der Journalist leitet ein Büro für Kindermedien, etablierte vor Jahren die Feibel-Mäuse als anerkanntes Gütesiegel für Kindersoftware. Schon seit 16 Jahren verleiht er als Co-Initiator zusammen mit dem Family Media Verlag den deutschen Kindersoftwarepreis TOMMI. Der 55-Jährige schreibt Kinder- und Jugendbücher, in denen es oft um Themen wie Cybermobbing, Soziale Netzwerke und das Aufwachsen in der digitalen Welt geht. In den kommenden Wochen verlässt er das Bayerische Viertel, in dem der ehemalige Mannheimer seit zwanzig Jahren lebt, um mit seinem aktuellen Buch von Konstanz bis Rostock auf Vortragsreise zu gehen.

„Stichworte wie Cybermobbing machen nervös“

„Das Thema beschäftigt Eltern überall“, sagt Thomas Feibel. „Hier in Berlin in allen Kiezen ebenso wie in Brandenburg. Und nicht allein hier in Deutschland, auch in England oder Belarus. Väter und Mütter haben viele Fragen, sind verunsichert und möchten Orientierung. Das sind einerseits Erziehungsfragen, oftmals wissen sie nicht, wie viel Zeit am Smartphone oder Tablet sie ihren Kindern zugestehen sollen. Andererseits gibt es konkrete technische Fragen, denn nicht jeder beschäftigt sich mit Snapchat, WhatsApp oder Instagramm. Weitere Stichworte wie Cybermobbing und Datensicherheit machen Eltern verständlicherweise nervös.“

Digitale Medien stehlen auch den Eltern Zeit

Den richtigen Umgang mit Tablets und Smartphones hält Feibel, selbst Vater von vier Kindern, für eine „erzieherische Mammutaufgabe“. Sein Buch entstand aus Gesprächen mit Jugendlichen, Eltern und vielen Experten und bietet konkrete Erziehungstipps und Regeln, die von den Erziehungsberechtigten Autorität und Durchgreifvermögen verlangen. Zudem macht Feibel gleichzeitig eine klare Ansage: auch Vater und Mutter mögen sich bitte selbst prüfen und gegebenenfalls selbst das Smartphone öfter mal aus der Hand legen. Denn bei der Medienerziehung ist es wie mit dem Zähneputzen – Erwachsene sind Vorbilder. Auch Eltern lassen sich von digitalen Medien Zeit stehlen. Zeit, die sie wunderbar gemeinsam mit ihren Kindern verbringen könnten.

Aufgabe für die ganze Gesellschaft

Für Thomas Feibel ist „Handynutzung“ mehr als ein aktuelles Erziehungsthema. Für ihn ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. „Mich beschäftigt die Frage, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen“, betont der 55-Jährige. „In welcher Welt möchten wir unsere Kinder aufwachsen sehen? Sobald sie ein Smartphone besitzen, betreten sie mit dem Internet eine Welt der Informationen, aber auch der Lüge, des Hasses, der Manipulation und Überwachung. Folglich müssen wir Kinder nicht nur dafür stark machen, das Handy aus der Hand zu legen, sondern auch dafür, besser auf sich aufzupassen und für ihre demokratischen Grundrechte einzutreten. Dabei müssen wir ihnen helfen.“

Jugendliche ziehen sich gerne zurück. Zu oft mit dem Smartphone oder Tablet. Viele Eltern sind verunsichert beim Thema Mediennutzung ihres Nachwuchses. Foto: Katja Wallrafen

Klare Regeln, die man auch einhalten sollte

Elterliche Hartnäckigkeit bei der Einhaltung von Relgen reduzieren nicht automatisch die Auseinandersetzungen um das Smartphone. Doch wer heute Kinder erzieht, kann sich vor dieser Aufgabe nicht wegducken. Dabei geht jede Familie ihren eigen Weg. Feibels Buch bietet Orientierung für diesen Weg: „Die digitalen Medien gehören zum Alltag und es ist der Job der Eltern, ihre Kinder fit dafür zu machen“, sagt er. Seine Vorschläge zur Stressreduktion und Streitvermeidung sind sehr konkret: Das temporäre Löschen von Apps, das Ausschalten von Meldungen im Sperrbildschirm, abgeschaltete Lesebestätigungen bei WhatsApp und ab und zu auch einfach mal das Einschalten des Flugmodus. Und im Urlaub kann man auf WLAN verzichten oder man kann sich daruaf verständigen, ein Wochenende lang das Smartphone ausgeschaltet zu lassen. Wer nun den Kopf schüttelt und vermutet, das eigene Kind würden niemals beim so genannten „Digital Detox“ mitmachen, möge gleich ins Vorwort des Buches schauen: Feibel berichtet davon, dass Kinder und Jugendliche aus den 4. -11.Klassen ihm gestehen, dass ihnen selbst der Handykonsum manchmal zu viel wird.

 

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