Aktuelles / Sonntag, 03.09.2017

Die Namenspatronin
vom Henriettenplatz

Kaum bemerkt von Passanten: Eine Stele mit einen Medaillon von Luise Henriette von Oranien-Nassau am Henriettenplatz. Foto: Sofia Mareschow

Überall in der City West gibt es kleine Schätze, hinter denen manchmal eine durchaus große Geschichte steckt. So wie eine versteckte Stele am Henriettenplatz.

Von Sofia Mareschow

Grau und unauffällig verliert sich der schmale Beton-Obelisk auf dem Henriettenplatz an der Ecke zur Georg-Wilhelm-Straße im Häusermeer ringsherum, verschmilzt mit seinen Silhouetten. Manchmal lässt ein Sonnenstrahl eine der beiden weißen Plaketten auf einer der Gedenk-Stele aufblitzen. Gewidmet ist sie Luise Henriette von Oranien-Nassau (1627-1667), seit 1892 Namenspatronin des Platzes am oberen Kudamm. Die in Den Haag geborene Prinzessin, älteste Tochter des niederländischen Prinzen Friedrich Heinrich von Oranien, war Kurfürstin von Brandenburg und die erste Ehefrau des Großen Kurfürsten, Friedrich Wilhelm von Brandenburg.

Engagierte und kluge Landesherrin

Zeitgenossen und Historiker sind sich einig über die positive Rolle der engagierten, wohltätigen und klugen Landesherrin für die Mark Brandenburg in schwierigen Zeiten. So schrieb der Autor und Herausgeber Richard George 1899: „Eine Frau von innerer Frömmigkeit, wahrer Herzensgüte, echt weiblicher Sanftmut und scharfem Verstande. Ihr Rat war dem Kurfürsten bald unentbehrlich in allen Regierungsangelegenheiten (..) Unermüdlich wirkte Luise Henriette überall, wo es galt, die Not zu lindern und die Wunden zu heilen, die der Krieg dem Lande geschlagen. Im besonderen Maße ist ihre Thätigkeit dem Städtchen Bötzow zu gute gekommen, das ihr zu Ehren den Namen Oranienburg erhielt (…).“

Neues Schloss im holländischen Stil

Denn im ehemaligen Amt Bötzow nördlich von Berlin hat die Kurfürstin nicht nur ein neues Schloss im holländischen Stil erbauen lassen. Sie hat sich für das Ansehen und Wohl der Gemeinde eingesetzt. So ließ sie dort 1663 – nach niederländischem Vorbild – das erste europäische Porzellankabinett errichten. Zwei Jahre später stiftete sie, ebenfalls in Oranienburg, ein Waisenhaus mit einer Platzkapazität für die Betreuung von 24 Kindern. Für die gute Erziehung und Versorgung der Zöglinge hat Luise Henriette mit selbsterarbeiteten Statuten und Schenkungen gesorgt.

Zu den vielfältigen erfolgreichen Aktivitäten der Kurfürstin gehörten auch außenpolitische. Unermüdlich hat sie sich für die Aussöhnung Brandenburgs mit Polen eingesetzt und durch ihren Briefwechsel mit der polnischen Königin Luisa Maria den Koalitionswechsel Brandenburgs im Nordischen Krieg zugunsten Polens beeinflusst.

Früh an Tuberkulose gestorben

Ein Denkmal in Oranienburg, das kirchliche Luise-Henrietten-Stift auf dem Klostergelände Lehnin, Schul- und Straßennamen in Berlin ehren das Wirken der früh an Tuberkulose verstorbenen brandenburgischen Regentin, die in der Gruft des Berliner Doms bestattet ist.

Der Große Kurfürste Friedrich Wilhelm von Brandenburg steht auch am Henriettenplatz. Foto: Sofia Mareschow

Auf den Reliefporträts auf dem Henriettenplatz aber, Abgüssen aus Kunstmarmor, sind sowohl die Prinzessin als auch ihr Gemahl abgebildet. Der flämische Bildhauer Francois Dieussart, bis 1656 im Dienste des Regenten, verewigte 1647 das kurfürstliche Paar auf beiden Kunstwerken, deren Originale sich heute in den Niederlanden befinden und zur Museums-Sammlung des „Hauses Doorn“ gehören. Das kleine Schloss in der Provinz Utrecht war ab 1920 das Exil des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. Weitere Kopien beider Bildnisplaketten zieren seit 1988 eine Schmuckwand im Park des Jagdschlosses Glienicke. Ebenfalls 1988 wurde die Stele am Henriettenplatz, als Geschenk niederländischer Unternehmen in Berlin, aufgestellt – ein Jahr nach der Neugestaltung des Platzes im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs zur 750-Jahr-Feier der Hauptstadt. Ein kleines Stück Geschichte also – im lebendigen, quirligen Zentrum Halensees.

 

Kommentare

  1. Frauen dieses Formates (engagiert, wohltätig, klug, Herzensgüte, mit weiblicher Sanftmut und scharfem Verstand) könnten wir auch heute im Bezirk und anderswo gut gebrauchen.

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