Aktuelles / Mittwoch, 06.12.2017

Die Blisses – Wilmersdorfs großzügige Stifter

Überall in der City West gibt es kleine Schätze, hinter denen manchmal durchaus einen spannende Geschichte steckt. So wie das alte Haus der Familie Blisse.

Von Sofia Mareschow

Großzügig ist es gebaut, das vierstöckige Haus mit angrenzendem Garten an der Wilhelmsaue. Schlichte Tafeln am Eingang nennen das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf als Besitzer, die Comenius-Schule als Betreiber integrativer Hortgruppen.

Man muss schon den Hals recken, um hoch über der säulenumrahmten Tür zu lesen: „Christian u. Auguste Blisse-Stiftung“. Georg Christian Blisse (1823-1905), Spross einer großen Wilmersdorfer Bauernfamilie, profitierte ganz besonders vom Verkauf seiner Ländereien im Zuge des Berliner Baubooms Ende des 19. Jahrhunderts. Klüger und vorausschauender als andere Bauern, wartete Blisse mit dem Landverkauf länger als sie, erzielte dadurch einen höheren Gewinn und wurde so zu einem der sogenannten „Millionenbauern“, Zeitgenossen nannten ihn daher „Millionen-Blisse“.

Vom Millionenbauern zum Philanthropen

Einen Teil seines Vermögens spendete Blisse für wohltätige Zwecke. So konnten der Kommunalpolitiker und seine Frau Auguste Amalie schon zu Lebzeiten Glocken und Orgel der benachbarten Auenkirche finanzieren. Per Testament stiftete das kinderlose Paar den Großteil seines Drei-Millionen-Goldmark-Vermögens für Neubau und Unterhalt eines evangelischen Waisenhauses. Von 1908 bis 1910 für 600.000 Mark erbaut, wurde das „Blissestift“ im Januar 1911, vier Jahre nach dem Tod der Auguste Blisse, eröffnet. Die dankbare Stadt Wilmersdorf benannte eine Straße und eine U-Bahnstation nach ihren Wohntätern und würdigte sie mit einer Ehrengrabstätte.

 

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