Aktuelles / Dienstag, 01.12.2015

Die falsche Wahrheit
des Chris Engman

Chris Engman ist wieder in Berlin. Dieses Mal zu seiner eigenen Ausstellung Foto: Charlene Rautenberg

Von Los Angeles zieht es den Fotografen Chris Engman zum zweiten Mal in die City West. In seiner Ausstellung zeigt er, dass nichts so ist, wie es scheint.

 Von Charlene Rautenberg

„Ich möchte, dass es eine visuelle Erfahrung ist“, sagt Chris Engman. Der 37-jährige steht vor einer seiner Fotografien, die seit Freitag in der Galerie 68projects an der Fasanenstraße zu sehen sind. Für seine Einzelausstellung „Landscapes“ ist der Kalifornier wieder nach Berlin gekommen – und stellt unsere Sehgewohnheiten auf den Kopf.

Wirklichkeit ist für ihn nur ein Begriff, der das tatsächlich Vorhandene für die Menschen greifbar macht. Die Selbstverständlichkeit, mit der der Mensch die Welt wahrnimmt ist eines der Themen, die Chris Engman besonders beschäftigen. Täuschung, Illusion und Irritation des Betrachters sind für ihn eine Möglichkeit, das Unhinterfragte auf die Probe zu stellen.

Sein neuestes Werk „Landscape for Candace“ entstand diesen Sommer in einem Kreuzberger Atelier, in dem er zwei Monate lang arbeitete. Die dort entstandene Fotografie zeigt einen Blick in diesen Raum, in dessen Mitte ein Baum steht. Man muss genau hinsehen, bis man erkennt, dass es sich nicht um einen echten Raum handelt. „Reale“ Elemente wie Tisch, Stuhl oder Werkbank gehen in Fotokopien über, die täuschend echt den Raum weiterführen. In einem letzten Schritt wurde alles abfotografiert – So sind die verschiedenen Ebenen kaum noch voneinander zu unterscheiden. „Konstruierte Realität“ nennt er seine Fotografien, die nicht nur das abbilden, was tatsächlich vor der Linse war. Man könnte ihn auch einen Zauberer nennen.

 

Wahrheit oder Täuschung? Wer genau hinsieht, kann beides erkennen. Zu sehen ist das aktuellste Werk „Landscape for Candace“ Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

Wahrheit oder Täuschung? Wer genau hinsieht, kann beides erkennen. Zu sehen ist das aktuellste Werk „Landscape for Candace“                                                                               Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

 

Tatsächlich braucht der Künstler einige Tricks, um die visuellen Täuschungen herzustellen. Diese behält er allerdings nicht für sich, der Betrachter soll seinen Arbeitsprozess bis zur Zerlegung des Wirklichen nachvollziehen können. Was erwarten wir von einer Abbildung? Kann sie die Wahrheit wiedergeben?

 

Natur trifft auf Architektur. Die verschiedenen Ebenen scheinen ineinander überzugehen Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

Natur trifft auf Architektur. Die verschiedenen Ebenen scheinen ineinander überzugehen                        Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

 

Themen wie Zeit, Vergänglichkeit und das Licht spielen ebenfalls eine Rolle – Der Künstler weiß zu jeder Tageszeit, wie die Sonne steht. So kann er ihr Licht optimal für seine Werke nutzen.

Bevor er nach Berlin kam, fotografierte Chris Engman an der Westküste der USA. Viele seiner Aufnahmen entstanden in der Wüste. Diese menschenleeren Orte versteht er als „leere Leinwand“, frei von störenden Assoziationen und Interpretationen. Seine Installationen bestanden aus den einfachsten Baumaterialien wie Sand, Sperrholz, Seilen oder Betonsteinen.

 

: Seine ersten Fotografien entstanden in Los Angeles. Dort lebt und arbeitet er auch heute Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

Seine ersten Fotografien entstanden in Los Angeles. Dort lebt und arbeitet er auch heute                         Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

: Sieht aus wie ein Spiegelbild. Ist es dann aber doch nicht Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

Sieht aus wie ein Spiegelbild. Ist es dann aber doch nicht         Foto: Galerie 68projects| Chris Engman

 

Der Künstler studierte Fotografie in Seattle und Los Angeles, seine Werke waren in zahlreichen Ausstellungen in den USA und Europa zu sehen. In namhaften Sammlungen in Seattle, Rom und London ist er ebenfalls vertreten.

Nun freue er sich, in Berlin das erste Mal alle Werke ausstellen zu können.

Wem also die Wirklichkeit nicht genug ist, sollte die Ausstellung „Landscapes“ nicht verpassen.

Informationen:
Chris Engman – „Landscapes“
Ausstellungs-Laufzeit: 27. November 2015 bis 23. Januar 2016
Ort: Galerie 68projects, Fasanenstraße 68, 10719 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 11-18 Uhr.
Eintritt frei