Aktuelles / Mittwoch, 29.11.2017

Der Kudamm leuchtet wieder
– doch wie lange noch?

Der Kudamm strahlt wieder in vorweihnachtlichem Lichterglanz. Fotos: Reto Klar

Die Weihnachtsbeleuchtung am Kudamm strahlt wieder. Die Firma Wall hat sich in diesem Jahr zum vorletzten mal darum gekümmert. Konzepte für 2019 fehlen.

Von Carolin Brühl

Man hat sich daran gewöhnt, dass die Weihnachtsbeleuchtung in der City West jedes Jahr mit neuen Superlativen daherkommt: noch schönere Figuren, noch prächtiger geschmückte Bäume. Am Dienstagabend hat der Geschäftsführer des Stadtmöblierers Wall, Patrick Möller, mit Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) das Licht auf dem Kurfürstendamm angeschaltet. Bis 5. Januar leuchten auf 4,5 Kilometern 570 Straßenbäume und Elemente wie Weihnachtsmänner, Bären, Rentiere und Lichtkuppeln täglich zwischen 16 und 24 Uhr. Insgesamt zehn Millionen Lichtpunkte sind zu sehen.

Finanzierung der Beleuchtung am Kudamm 2019 fraglich

Dass das nicht immer so weitergehen muss, haben die Berliner dieses Jahr am Mitte-Boulevard Unter den Linden erleben müssen. Dort war der Sponsor für das adventliche Leuchten wegen der unschönen Dauerbaustellensituation abgesprungen. Senat oder Bezirk haben die Lücke nicht gefüllt. Auch die Geschäftsleute sahen sich außerstande, die Kosten aus eigener Kraft zu stemmen. Erst ein Aufruf des privaten Senders Spreeradio brachte 100.000 Euro Spenden zusammen, die es dem Beleuchtungsspezialisten Boehlke nun ermöglichen, auch Unter den Linden für weihnachtlichen Glanz zu sorgen.

10 Millionen Lichtpunkte leichten auf Kudamm, Tauentzien und einigen Seitenstraßen. Foto: Reto Klar

Bezirksbürgermeister schlägt nun Alarm

Charlottenburg-Wilmersdorf Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) schlägt nun Alarm. Er ist besorgt, ob dem Kudamm das gleiche Schicksal droht, wenn der Vertrag mit Wall ausläuft: „Früher ist man nach New York zum Weihnachtsshopping geflogen, wenn man dies in einer prächtig beleuchteten Atmosphäre tun wollte“, sagt er. Inzwischen spiele auch Berlin und speziell der Kudamm in dieser Liga ganz vorne mit. „Die Weihnachtsbeleuchtung ist ein Markenzeichen für die ganze Stadt geworden“, so Naumann. Er hat deshalb an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) geschrieben und deutlich gemacht, dass die Beleuchtung überregionale Bedeutung hat und keine Bezirksangelegenheit ist. „Ich habe darum gebeten zu prüfen, ob 2019 nicht Einnahmen aus der City Tax verwendet werden können,“ sagt der Bezirksbürgermeister.
Immerhin rund 45 Millionen Euro hat das Land Berlin nach Angaben der Sprecherin der Senatsfinanzverwaltung, Eva Henkel, allein im Jahr 2016 aus dieser Übernachungssteuer für Touristen eingenommen. Doch eine Antwort auf seinen Brief hat Naumann bisher noch nicht erhalten.

Vertrag mit Wall läuft 2018 aus

Wall wird dieses Jahr zum 14. und vorletzten Mal die City West leuchten lassen. Ende 2018 läuft der Vertrag des Stadtmöblierers mit dem Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf nach dem Willen des Landes aus. „Zu wenig Transparenz“ bezüglich der Ausgaben des Unternehmens im Verhältnis zu den Einnahmen aus der Werbung auf sogenannten Billboards und anderen Werbeträgern lautet die Kritik des Senats. Immerhin rund 500.000 Euro lässt sich Wall auch dieses Jahr die Weihnachtsbeleuchtung auf Kudamm, Tauentzien und Kantstraße wieder kosten. „Ein Teil davon wird refinanziert durch den mit dem Bezirk geschlossenen Vertrag über Werbeflächen. Aber diese Summe braucht es auch, damit es so aussieht wie aktuell“, sagt Unternehmenssprecherin Frauke Bank. Doch hat das Unternehmen es sich am Montagabend nicht nehmen lassen, wie jedes Jahr Geld an die zu spenden, deren Leben weniger glänzend verläuft. Wall-Geschäftsführer Möller überreichte der Berliner Stadtmisson 10.000 Euro für die Kältehilfe.

Entertainerin Gayle Tufts moderierte die Veranstaltung, zu der auch Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke), Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann, Wall-Geschäftsführer Patrick Möller und Ortrud von der Berliner Stadtmission gekommen waren. Foto: dpa/Paul Zinken

Thema beschäftigt die Bürger

„Das Thema Weihnachtsbeleuchtung und das Auslaufen der Partnerschaft mit Wall ist eines der Themen, das die Bürger in meinen Sprechstunden stark beschäftigt“, sagt der Charlottenburg-Wilmersdorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Klaus-Dieter Gröhler, der 2004 die Public Private Partnership mit Wall als Baustadtrat geschlossen hat. „Wir haben damals ja gesehen, dass das die Händler nicht aus eigener Kraft schaffen. Viele Filialisten beteiligen sich zudem auch gar nicht daran“, so Gröhler.
Im Dezember eine Million Touristen in der Stadt

Visit Berlin will Händler für die Weihnachtsbeleuchtung verpflichten

Für wichtig hält das weihnachtliche Leuchten der Stadt auch „Visit Berlin“. Der Dezember sei einer der besucherstärksten Monate für die Stadt, sagt Sprecherin Anja Mikulla. So weilten 2016 nur in diesem Monat rund eine Million Gäste in Berlin. Wie sehr diese die Weihnachtsbeleuchtung schätzten, beobachte man auch in sozialen Medien wie Facebook oder Instagram, wo diese Motive gern gepostet würden. „Visit Berlin“ ist Mikulla zufolge der Ansicht, dass sich künftig die Gewerbetreibenden wieder um den adventlichen Schmuck der City West kümmern sollten. „Schließlich wertet das ja auch ihren Standort auf“, sagt Mikulla.
Doch die AG City, Interessengemeinschaft der Gewerbetreibenden, sieht das anders. „Wir hatten hier eine wunderbar funktionierende Vereinbarung mit Wall. Wenn der Senat das Konzept auflöst, sehen wir ihn in der Pflicht, für eine alternative Lösung zu sorgen“, sagt der Vorsitzende der Händlervereinigung Klaus-Jürgen Meier.

 

 

 

Kommentare

  1. Dieser „Senat“ hätte eben einfach an den Verträgen mit der Wall AG festhalten sollen, schließlich darf man der WALL AG durchaus nachsagen, dass Sie im Sinne Berlins handelt und auch stets Ihre Konzepte liebevoll ausgerichtet hat. Es geht auch nicht um zu wenig Transparenz, never change a winning team, sondern um Filz, Klüngel und Befindlichkeiten des linken Senats, der bis heute Wirtschaft als Kontrast zur hübschen Planwirtschaft sieht. Was interessiert denn den Senat, ob das Handeln zum Wohle Berlins ist, das eigene Wohlergehen, ja das persönliche Befinden und die eigene Ideologie sind einzige Motivation. Da hält man dann lieber an einer Personal fest (Vize-Chefin der Polizei), die in einem Rechtsstaat untragbar ist, und kündigt Verträge mit der bösen Wirtschaft.

  2. Pingback: Wenn "BERLIN" das Licht ausgeht

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